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Koreanisches Gericht legalisiert Tempelraub von Tsushima

Ein Gericht in der südkoreanischen Stadt Däjŏn 大田 hat den 2012 begangenen Raub einer Statue des Boddhisatva Kannon von der japanischen Insel Tsushima im Ergebnis für legal erklärt — die Statue soll in Korea bleiben. Damit droht den japanisch-koreanischen Beziehungen erneut eine Belastungsprobe.

Die Statue stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde nach koreanischer Auffassung damals von japanischen Piraten aus einem Tempel in Korea geraubt. Seither befand sie sich auf der Insel Tsushima, bis sie im Oktober 2012 von sechs Koreanern geraubt und nach Korea zurückgebracht wurde. Die Koreaner wurden inzwischen wegen des Raubes zu Strafen verurteilt. Das Gericht befand nun allerdings, die Statue selbst dürfe in Korea bleiben.

Die koreanische Regierung wollte die Rückgabe, doch der Tempel, dem diese Statue vor 700 Jahren angeblich gehörte, erhob dagegen Klage. In einem anderen Entführungsfall wurde 2015 eine Buddhastatue zurückgegeben, weil in Korea niemand darauf Anspruch geltend machte.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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