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Ansprache von Kaiser Akihito

Kaiser Akihito hielt am 15.8.2015 in Tokyo wie jedes Jahr die Ansprache auf der zentralen Gedenkfeier für die Kriegstoten. Anbei folgt meine deutsche Übersetzung der kurzen Rede. Sie ist bis auf die fett gedruckten Passagen und die Jahreszahl wortgleich mit seinen Ansprachen aus den Vorjahren.

Anläßlich des „Tages des Gedenkens der im Krieg Umgekommenen und des Gebets für Frieden“1 wohne ich der landesweiten Gedenkfeier für im Krieg Umgekommenen bei, gedenke der zahlreichen Menschen, die im letzten Krieg ihr unersetzliches Leben verloren habe, und ihrer Angehörigen, und fühle erneut tiefe Trauer.
Seit Kriegsende sind nun schon 70 Jahre vergangen. Getragen von den unaufhörlichen Anstrengungen der Bürger für den Wiederaufbau aus den Verwüstungen des Krieges und für den Fortschritt sowie vom Willen der dauernden Frieden ersehnenden Bürger, hat unser Land den heutigen Frieden und Wohlstand aufgebaut. Richte ich meine Gedanken auf die kostbaren Schritte unserer Bürger in dieser langen Periode der Nachkriegszeit, kennt mein Rührung keine Grenzen.
Indem ich hier an die Vergangenheit zurückdenke, wünsche ich inständig, zusammen mit tiefempfundenem Eingeständnis des eigenen Versagens2 gegenüber dem letzten Krieg, daß sich die Katastrophe des Krieges nie wiederholen möge, drücke gemeinsam mit dem gesamten Volk gegenüber den auf dem Feld dahingegangenen oder im Krieg umgekommenen Menschen meine von Herzen kommende Anteilnahme aus und bete für den Weltfrieden und die weitere günstige Entwicklung unseres Landes.

Anmerkungen

1 Offizielle Bezeichnung des seit 1982 an jedem 15. August gefeierten Gedenktages.
2 Hansei 反省: Die Einsicht, sich falsch verhalten zu haben, und die Absicht, dies nicht wiederholen zu wollen.

Verweise

Japanisches Original
Amtliche englische Fassung

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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