Die Kolumne Sōshi Kaimei 2.0 (創氏改名2.0), die am 31. Juli 2025 in der Zeitschrift Shūkan Shinchō 週刊新潮 erschien und von Takayama Masayuki 高山正之 verfaßt wurde, hat breite Kritik ausgelöst. In dem Beitrag wurden Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit koreanischen Wurzeln, darunter auch die Autorin Fukazawa Ushio 深沢潮, direkt angesprochen und herabgewürdigt. Der Autor forderte, daß Personen, die Japan kritisieren, dies nur unter einem ausländischen Namen tun dürften, und stellte damit deren innere Freiheit und Identität infrage.


Wenn jemand unter einem japanischen Namen so spricht, als würde er die Japaner von innen heraus denunzieren, kann ich das nicht unvoreingenommen anhören. Wäre es nicht ehrlicher, sich klar mit einem ausländischen Namen zu äußern? Es steht jedem frei, Japan oder oder Japaner zu hassen, aber dann benutzt dafür wenigstens nicht einen japanischen Namen. (Takyama Masayuki, 31.7.2025)

Kritiker werfen Takayama vor, historische Fakten zu verfälschen und den Begriff sōshi kaimei – die während der japanischen Kolonialherrschaft häufig mit Zwang in Korea durchgesetzte familienrechtliche Anpassung koreanischer Ehenamen und Annahme japanischer Namen – mißbräuchlich als Titel verwendet zu haben, um neuen Rassismus zu schüren.

Am 4. August 2025 reagierte der Verlag Shinchōsha mit einer öffentlichen Entschuldigung, in der er einräumte, Fukazawa „erhebliche seelische Belastungen“ zugefügt zu haben. Fukazawa hielt noch am selben Tag eine Pressekonferenz ab, auf der sie die diskriminierenden Inhalte scharf kritisierte und vom Verlag ein schriftliches Eingeständnis sowie die Möglichkeit einer Gegenrede in der Zeitschrift forderte.

Wie groß muß die Angst sein, die Menschen mit ausländischen Wurzeln [jetzt] empfinden … Ich wünsche mir ein Japan, in dem Menschen mit den unterschiedlichsten Herkunftsgeschichten und Lebensweisen erhobenen Hauptes leben können. (Fukazawa Ushio, 4.8.2025)

Am 12. August erklärte Shinchōsha schriftlich, es habe „keine Absicht bestanden, diskriminierende oder menschenrechtsverletzende Inhalte zu veröffentlichen“. Am 19. August bestätigte das Unternehmen schließlich, daß Takayamas Kolumne Henken jizai, die seit 2002 in Shūkan Shinchō erschienen war und als Markenzeichen des Blattes galt, eingestellt werde.

Am 20. August erschien die letzte Folge. Im Heft fand sich lediglich die knappe Erklärung, das Ende sei „in Absprache zwischen Takayama und der Redaktion“ beschlossen worden. Beobachter wie der Journalist Yasuda Kōichi kritisierten die abrupte Einstellung jedoch als Ausweichen vor Verantwortung. Die plötzliche Beendigung wirke wie ein bloßes Abwürgen der Kritik, ohne sich mit den Vorwürfen von Diskriminierung und Menschenrechtsverletzung ernsthaft auseinanderzusetzen.

Am 27. August 2025 wurde schließlich bekannt, daß Fukazawa ihren Vertrag mit Shinchōsha auflöst und ihre dort erschienenen Werke zurückzieht. Sie begründete diesen Schritt mit den Worten: „Ich habe die Hoffnung verloren, daß sich das Unternehmen ernsthaft mit Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen auseinandersetzt.“

Fukazawa Ushio ist eine japanische Schriftstellerin mit koreanischen Wurzeln. Sie wurde 1966 in Tokio geboren, ihr Vater war Zainichi der ersten, ihre Mutter der zweiten Generation. 1993 erhielt sie nach Heirat mit einem in Japan lebenden Koreaner die japanische Staatsangehörigkeit. 2012 debütierte sie als Autorin. Ihre Werke behandeln oft Fragen von Identität und Herkunft. Fukazawa engagierte sich auch gesellschaftlich gegen diskriminierende Medienberichte.

Takayama Masayuki ist ehemaliger Redakteur der Sankei Shimbun 産経新聞, wo er als Polizeireporter, Auslandskorrespondent in Teheran und Ressortleiter wirkte. Ab den 1990er-Jahren profilierte er sich als Kolumnist. Inhaltlich ist er bekannt für scharfe Kritik an China, Nord- und Südkorea, der japanischen Linken und Gewerkschaften, während er sich zu Taiwan, Thailand und Myanmar überwiegend positiv äußerte. Innerhalb des konservativen Spektrums Japans gilt er als einflußreiche Stimme; zu seinen Lesern zählte auch Premierminister Abe Shinzō 安倍晋三, den Takayama für den besten aller bisherigen japanischen Politiker hält.

Beitragsbild: Mit solchen Postern warb die japanische Kolonialregierung 1940 unter Koreanern für die Annahme japanischer Name. Foto: sisonori999