Am 17. Oktober 2025 wurde die 2020 in Moabit, einem Ortsteil des Berliner Bezirks Mitte, errichtete „Trostfrauen“-Statue abgebaut, nachdem der Korea-Verband in letzter Instanz mit dem Versuch gescheitert war, das Denkmal an diesem Standort zu erhalten. Der Bezirk schlägt vor, es an nicht-öffentlicher Stelle wieder aufzubauen. Zu diesem Thema interviewte mich am selben Abend Charlotte Oelschlegel vom Deutschlandfunk Kultur für die Sendung Fazit. Das Interview wurde um 23:45 Uhr ausgestrahlt und kann hier nachgehört werden:
Daß ich kein Fan dieser Statuen bin, ist mittlerweile wohl hinreichend bekannt. Ich habe diese und andere Statuen 2021 in meinem Buch Wahrheitseffekte und Widerstreit: Die „Trostfrauen“ und ihre Denkmäler ausführlich vorgestellt. Trotzdem werde ich immer wieder gefragt, was mich an der Statue konkret stört.
Ganz abgesehen davon, daß ich weder Berlin noch Bonn für den richtigen Ort halte, um japanisch-koreanische Vergangenheitsbewältigung zu erreichen – eine Statue, die etwas bewirken soll, müßte in oder bei Tōkyō stehen –, halte ich die Form der Mädchen-Statue für verfehlt.
Denn die allermeisten Opfer waren gerade keine keine 14-jährigen Kinder, sondern im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Die Statue ist also nicht repräsentativ für die Frauen, die tatsächlich gelitten haben. Und die Symbolik des ruppig abgetrennten Zopfes idealisiert ein reaktionäres Frauenbild, denn moderne koreanische Frauen und Mädchen trugen in den 1930er und 1940er Jahren wie die modernen Frauen in aller Welt damals einen Bubikopf – freiwillig. Der Zopf verweist deshalb nur auf die Wunschträume konservativer Männer, denen gefügige Mädchen vom Lande lieber waren als moderne, selbständige Frauen. In diesen beiden entscheidenden Punkten folgt die Darstellung der Opfer also jenem Narrativ, das nach dem Zweiten Weltkrieg vom reaktionären nationalistischen Patriarchat in Südkorea gepflegt wurde. Offensichtlich war dies der Preis, den die koreanische Frauenbewegung bezahlen mußte (und bezahlt hat), damit sie dort Gehör fanden. Die Statue repräsentiert also weniger die Opfer als vielmehr die Bewegung, die diese Opfer vereinnahmt hat.
Beitragsbild: Die nun abgebaute „Trostfrauen“-Statue aus Berlin-Moabit im Januar 2021. Foto: Reinhard Zöllner
























