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Fukushima: Kameraroboter entdeckt geschmolzene Brennstäbe, mißt tödliche Strahlung

Zur Untersuchung des havarierten Atomkraftwerks Fukushima I hat die Firma Tepco (Tōkyō Denryoku 東京電力) am 30.1.2017 einen mit einer Kamera ausgerüsteten Roboter in den metallenen Sockel unterhalb des Druckbehälters von Reaktor 2 gesenkt. Die Bilder zeigen, daß die Metallwände geschwärzt sind (offenbar durch aus dem Druckbehälter ausgelaufenes Brennmaterial), daß sich an ihnen Klumpen von geschmolzenen Brennstäben angelagert haben und daß ein Teil des Sockels „fehlt“.
Für die Auswertung der Fotografien berechnete Tepco aus dem elektronischen Bildrauschen der Aufnahmen, daß im Druckbehälter eine Gammastrahlung von bis zu 530 Sv/h herrscht. Es handelt sich um den höchsten bisher in Fukushima gemessenen Wert. Für Menschen wäre diese Strahlung binnen weniger Sekunden tödlich. Nachdem diese Nachricht international für Schlagzeilen gesorgt hat, hat Tepco klargestellt, daß es sich hierbei nicht um eine neue Entwicklung handele, sondern vielmehr um die erstmals möglich gewordene Messung der Strahlung, die innerhalb des Druckbehälters herrscht.
Die Kameratechnologie, mit der diese Messung möglich wurde, ist eine Neuentwicklung von Astrophysikern der Universität Kyōto.
Tepco stellt die Fotografien auf seiner Homepage zur Verfügung.
Damit bestätigt sich, was Wissenschaftler seit 2011 vermuteten: Die Brennstäbe in Reaktor 2 sind geschmolzen und haben sich durch den Druckbehälter in den Boden unterhalb des AKW durchgefressen.

Ablagerungen von Brennmaterial am Sockel von Reaktor 2 in Fukushima 1
Foto: Tepco


Foto: Tepco

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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