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Japans staatliche Universitäten sollen die Geisteswissenschaften abschaffen

Japans Kultusminister Shimomura Hakubun 下村博文 hat die staatlichen Universitäten des Landes am 8. Juni angewiesen, in der nächsten Phase der laufenden Universitätsreform von 2016 bis 2021 ihre geisteswissenschaftlichen und pädagogischen Fakultäten sowie ihre Law Schools abzuschaffen. Genauer gesagt: Ihre staatlichen Mittelzuweisungen werden massiv gekürzt, wenn sie es nicht tun. Angesichts des demographischen Wandels und des wirtschaftlichen Niedergangs Japans müsse man sich auf Felder konzentrieren, die gesellschaftlich relevant und wirtschaftlich profitabel seien. Schließlich seien die staatlichen Universitäten dem Gemeinwohl verpflichtet.
Die Dreistigkeit, mit der hier die „Umwandlung der Universitäten in Aktiengesellschaften“ (so der Intellektuelle Uchida Tatsuru 内田樹) betrieben wird, hat in den Medien heftige Reaktionen hervorgerufen. Selbst die konservative Yomiuri Shinbun warnte davor, unter falscher Berufung auf gesellschaftliche Bedürfnisse „durch das Wegwerfen der Geistes- und Sozialwissenschaften eine universitäre Bildung ohne Tiefgang“ zu produzieren.
Die Universitäten sind sowieso dagegen — werden sich aber angesichts der drohenden Haushaltskürzungen dem Kahlschlag nicht widersetzen können. Japan ist dabei, sein kulturelles Kapital zu verschleudern, weil seine Politiker und Manager es so wollen.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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