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MERS-Panik in Korea

Die Zahl der Menschen, die wegen des Verdachts, sich mit der Lungenkrankheit MERS infiziert zu haben und deshalb isoliert wurden, ist in Südkorea auf über 1.300 angestiegen. Ein zweiter Reisender kehrte mittlerweile offenbar krank aus Saudi-Arabien zurück. Vier Fälle tertiärer Infektion — ohne Kontakt zu den ersten aufgetretenen Fällen — wurden bestätigt (darunter ein Arzt in einem Krankenhaus mit MERS-Patienten), weshalb die Regierung nun davor warnt, die Infektion könne jedermann treffen. Wer Symptome zeige, müsse deshalb eine Schutzmaske tragen und sich medizinisch untersuchen lassen.
Die Angst vor MERS zeigt Züge einer Panik. Die Namen der betroffenen Krankenhäuser werden zwar nicht offiziell bekanntgegeben, kursieren jedoch bereits im Internet. Mehr als 500 Schulen und Universitäten haben ihren Unterricht vorübergehend eingestellt; das zuständige Ministerium hat den Schulleitern hierfür freie Hand gegeben. Ein Einbruch des Wirtschaftswachstums durch ausbleibenden Binnenkonsum wird inzwischen ebenso befürchtet wie negative Folgen für die Tourismusindustrie durch das Ausbleiben ausländischer (vornehmlich chinesischer) Reisender.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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