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Südkorea will gegebenenfalls Abe nicht einladen

Sollte die erneut zur Regierungspartei gewordene LDP ihre Wahlkampf-Ankündigung wahrmachen, den 22. Februar zum „Takeshima-Tag“ zu erklären, ist unvorstellbar, daß der japanische Ministerpräsident wie bisher üblich zur Amtseinführung des neugewählten südkoreanischen Staatspräsidenten eingeladen wird; so verlautete jetzt aus südkoreanischen Quellen. Dann stünden die japanisch-koreanischen Beziehungen an einem neuen Tiefpunkt.
Allerdings muß man auch sagen: Japans Nachbarn sind selbst schuld. Daß sie die dreijährige Regierungszeit der jetzt abgewählten Demokraten nicht genutzt haben, um zu Japan ein besseres Verhältnis aufzubauen, wird sich noch rächen. Südkorea hat den Takeshima-Streit gezielt geschürt, Nordkorea ein paar Tage vor der Wahl noch schnell eine Rakete gestartet und China mal eben ein Militärflugzeug in den japanischen Luftraum geschickt — alles Wasser auf die Mühlen der Nationlisten in Japan. Die beste Taktik, um der LDP zu helfen. Also jetzt bitte keine Krokodilstränen.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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