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Shinto Goes Global

Früher erging es Ausländern in Japan so, daß sie, falls sie zufällig in der Nähe eines laufenden Festes gefunden wurden, aufgegriffen und als exotische Kuriosität in den Festzug eingereiht wurden. Junge, hübsche blonde Frauen wurden sogar in einen Happi-Anzug eingekleidet, mit einem Stirnband versehen und durften von einem Festwagen oder Mikoshi-Tragschrein herab mit Fächern wedeln und die schweißtriefenden Träger und Tänzer anfeuern.
Das geht heute viel professioneller und globalisierter ab. Das „Komitee für das Schultern von Mikoshi als internationaler Austausch“ (国際交流のおみこしを担ぐ会) des Stadtteils Toshima in Tokyo wirbt mit zweisprachigen Flugblättern um Ausländer, die am 28. September mittragen helfen — eine 90minütige Schulung mit Imbiß, zwei Stunden Schlepperei und ein geselliges Beisammensein eingeschlossen.
Ach ja. Es kostet auch eine Kleinigkeit. Studenten zahlen 1.000 Yen, alle übrigen 2.000. Aber dafür werden sie mit dem Gefühl belohnt, etwas für die Internationalisierung des Shinto getan zu haben. Was auch immer dies sein mag. Anfragen zum Sinn des Lebens bitte an http://www.omikoshi.jp.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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