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The next station is …

Man soll sich ja nicht beklagen, wenn man als Ausländer zu Gast ist. Auch nicht über die Qualität der automatischen Ansagen in den japanischen Verkehrsmitteln. Soweit sie englisch sind. Ich bin ja auch zum Glück nicht darauf angewiesen. Und die englischen Durchsagen in deutschen Zügen sind oft auch unbefriedigend („We will arrive Berlin-Southcross soon“).
Aber ich darf sicher darauf aufmerksam machen, daß viele Ansagen dazu eignen, Ausländer zur falschen Aussprache japanischer Ortsnamen zu verleiten — und sie damit in einen umgekehrten orientalisierenden Käfig zu stecken.
Zwei Beispiele aus Tokyo: Der Bahnhof Shinagawa 品川 wird japanisch korrekt so betont, daß der Ton ab der zweiten Silbe steigt und „oben“ bleibt. Shi-nágawa. In der englischen Durchsage fällt der Ton aber, das Wort wird zu Shi-nàgawa. Ähnlich ergeht es Nakano 中野: Statt Na-káno wird es zu Na-kà-nó und damit zu einem Fremd-Wort.
Auf diese Weise wird der Fremde effektiv barbarisiert. Soweit treibt es die Deutsche Bahn wenigstens nicht, denn in ihre Automatenansagen werden die deutschen Ortsnamen unübersetzt eingebunden. Nur manche Zugbegleiter wissen das nicht und machen aus Südkreuz ganz schnell „Southcross“. „Nakano“ entspräche dann wohl „Middlefield“. Soll es ja geben. Aber eben nicht in Japan.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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