Als Schicksalsgemeinschaft feierte man in Berlin und Tōkyō das Bündnis, welches das nationalsozialistische Deutschland und das in die Hände nationalistisch-imperialistischer Politiker gefallene Japan zwischen 1936 und 1945 zelebrierten. Obwohl es militärisch gesehen wenig wert war, weckte es doch Interesse aneinander. Besonders bizarr war die Japanbegeisterung auf Seiten der Nazis — und da vor allem bei der SS und ihrer Führung, welche die Samurai und ihr angebliches Ethos gern zum Vorbild für ihre eigenen Soldaten stilisierten. Dies war zwar nichts als oberflächliche Propaganda, aber für die deutsche Japanologie bedeutete es ungewöhnliches Interesse an ihrer Arbeit — was nach der Niederlage eher peinlich war und gern verschwiegen wurde.
Um diese Japanbegeisterung während der Nazijahre geht es in einem Rundfunkbeitrag von Ursula Storost, der am 1. Oktober 2025 in der Reihe „Zeitfragen“ im Deutschlandfunk Kultur erschienen ist. Interviewpartner waren Benjamin Schiffl, Soziologe an der Universität Frankfurt, der sich mit dem Verhältnis der deutschen Intellektuellen zu Japan beschäftigt hat, und ich selbst.
Der Beitrag kann hier nachgehört werden:

Eine kleine, aber wichtige Korrektur zum Beitrag: Eugen Herrigel lehrte natürlich nicht in Erfurt (dort gab es damals gar keine Universität), sondern in Erlangen. Und wo wir gerade dabei sind: Samurai waren keine „Soldaten höherer Ränge“.

Das Beitragsbild wurde am 11.2.1938 vom japanischen Architekten Itō Chūta gezeichnet und trägt den Titel: „Wie Japan Deutschland sieht“. Es zeigt einen schmächtigen Japaner, der einem muskulösen Weißen, dessen Gesicht an Adolf Hitler erinnert, gegenüber den Arm zum „Deutschen Gruß“ hebt und „O wie schön! Heil Hitler!“ ruft.