Japans Atomkraftregulierungskommission (Genshiryoku Kisei Iinkai 原子力規制委員会, Nuclear Regulation Authority, NRA) hat auf Meldungen über den unkontrollierten Austritt radioaktiven Wassers auf dem Gelände des havarierten Atomkraftwerks Fukushima I reagiert und am 19.8.2013 zunächst einen Zwischenfall der Stufe 1 („Störung“) auf der siebenteiligen internationalen Skala für die Bewertung nuklearer Ereignisse (INES) gemeldet. Nachdem die Betreiberfirma TEPCO mitgeteilt hat, die Menge des austretenden hochradioaktiven Wassers betrage ca. 300 t täglich, hat die NRA am 21. August die INES-Stufe 3 („Ernster Störfall“) ausgerufen. Zur Erinnerung: Nach dem Unfall vom 11. März 2011 wurde zunächst INES-4 verkündet. TEPCO will dem Problem dadurch begegnen, daß es das zum Reaktor fließende Grundwasser hebt und umleitet, bevor es kontaminiert wird. Das Problem dabei ist, daß die Details, wie das Grundwasser tatsächlich strömt, noch unklar sind. Die Regierung will mit Steuergeldern eine neue Sperre ins Meer vor dem Reaktor bauen, um den Abfluß verstrahlten Wassers in den Ozean aufzuhalten. Dadurch würde allerdings ein Rückstau entstehen, der die Standfestigkeit der Reaktorgebäude selbst gefährden könnte.

Einen Tag vor der Hochstufung auf INES-3, am 20.8., teilte die Verwaltung der Präfektur Fukushima zudem mit, seit Juni seien 16 neue bestätigte oder Verdachtsfälle auf Schilddrüsenkrebs bei unter 18-Jährigen festgestellt worden. Auf die seit dem März 2011 untersuchte Gesamtzahl von 193.000 Kindern und Jugendlichen sind es jetzt insgesamt 18 bestätigte und 25 vermutete Fälle von Krebs; ein Verdachtsfall bestätigte sich bisher nicht. Die Präfekturverwaltung hält einen Zusammenhang mit dem Reaktorunglück für ausgeschlossen. Von den 44 Betroffenen wurde ein Viertel in den ersten vier Monaten nach dem Unfall untersucht und wies weniger als 2 mSv Strahlenexposition auf. Die Größe der gefundenen Tumore hat sich im Laufe der mehrfachen Untersuchungen kaum verändert, weshalb man annimmt, daß sie sich schon vor dem 11.3.2011 entwickelt haben. Auf öffentliche Kritik an ihren Schlußfolgerungen will die Präfekturverwaltung durch die Einrichtung eines unabhängigen Ärztegremiums reagieren, das die bisherigen Untersuchungsverfahren und Ergebnisse evaluieren soll.