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Heute vor 90 Jahren: Mukden-Zwischenfall

Am 18. September 1931 — auf den Tag genau vor 90 Jahren — sprengten japanische Soldaten in einer geheimen Kommandoaktion Gleise der Südmanjurischen Eisenbahngesellschaft in die Luft. Sie provozierten damit wie gewünscht den Einmarsch frischer japanischer Truppen in die Manjurei (zur Bewachung der Eisenbahn waren ohnehin schon Truppen dort stationiert) und die Besetzung der Stadt Mukden (heute Shenyang) durch Japan, um gegen den „Terrorismus“ zu kämpfen (deshalb Mukden-Zwischenfall, japanisch Manshū Jihen 満州事変). Ein halbes Jahr später wurde unter dem Schutz der japanischen Besatzungsarmee die Manjurei als unabhängiger Staat ausgerufen.
Diese Aktionen fanden ohne Wissen und Einwilligung der japanischen Regierung und des Parlamentes statt. Doch die zivilen Kräfte konnten sich gegenüber dem expansionistischen Flügel innerhalb der Armee nicht durchsetzen. Der Völkerbund reagierte mit Kritik an Japan, weshalb Japan sich aus dem Völkerbund zurückzog und sich mit Deutschland und Italien zusammenschloß. Binnen weniger Jahre weiteten sich die japanischen Aktivitäten in China aus, was schließlich zum nahtlosen Übergang in den Zweiten Weltkrieg führte.

Die Tageszeitung Akahata 赤旗, das Organ der Kommunistischen Partei Japans, kommentierte in ihrer gestrigen Ausgabe:

Krieg ist weder ein natürliches Phänomen noch ist er unvermeidlich. Die Regierung und das Militär hetzten die Bevölkerung mit verschwörerischer Propaganda wie der „mandschurisch-mongolischen Lebenslinien-Theorie“ auf. Von den politischen Parteien unterstützten, ausgenommen die Kommunistische Partei Japans, vor allem die konservativen und sozialdemokratischen Parteien aktiv den Krieg. Die Mitwirkung der Massenmedien, einschließlich der großen Zeitungen, am Krieg bis zur Niederlage im August 1945 ist ein großer Makel der Geschichte.

In Japan herrscht gerade Wahlkampf. Dennoch ist die Mahnung, welche verhängnisvolle Rolle unkritische Berichterstattung und Gefälligkeitspolitik spielten, nur zu berechtigt.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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