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Aichi: Ausstellung zur Unfreiheit endet mit Skandal wegen „Trostfrauen“-Statue

Nach nur drei Tagen wurde am 23. August 2019 auf massiven öffentlichen Druck hin die Ausstellung „Meinungs-Unfreiheit: Danach“ (meine Übersetzung von Hyōgen no Fujiyūten: Sono Go 表現の不自由展・その後) vom Gouverneur der Präfektur Aichi abgesetzt. Sie war Teil der Aichi-Triennale 愛知トリエンナーレ, eines der größten japanischen Kultur-Events. Grund für die Schließung war, daß in dieser Ausstellung eine Replik der „Trostfrauen“-Statue zu sehen war, die seit Jahren ein Zankapfel zwischen Südkorea und Japan ist. Die Aichi-Triennale wurde wegen der Statue mit massiven Drohungen eingeschüchtert, doch entscheidend war, daß der Bürgermeister der Stadt Nagoya die Schließung forderte.
Bekanntlich versuchen Südkoreaner in vielen Teilen der Welt, Kopien dieser Statue als Mahnmal gegen die (aus ihrer Sicht) unzulängliche Aufarbeitung der „Trostfrauen“-Frage aufzustellen; mit wechselndem Erfolg, denn der japanische Widerstand dagegen ist auf vielen Ebenen sehr heftig.
Meine eigene Meinung hierzu war bislang: Wenn wir in dieser Frage weiterkommen wollen, dann muß eine solche Statue in Japan selbst zu sehen sein. Stellvertreterkriege in anderen Weltregionen nützen nichts.
Die traurigen Ereignisse um die Ausstellung in Japan zeigen nun, parallel zum sich dramatisch zuspitzenden und völlig überflüssigen Handelskrieg zwischen den beiden Ländern, daß das Meinungsklima in Japan selbst nicht einmal eine künstlerische Auseinandersetzung damit duldet. Was hier geschehen ist, ist beschämend und empörend und einer Demokratie unwürdig. Daß es ausgerechnet eine Ausstellung zum Thema „Meinungs-Unfreiheit“ trifft, ist geradezu zynisch.
Angesichts des Skandals in Aichi bleibt mir nichts, als meine bisherige Haltung zu revidieren. Solange es in Japan selbst nicht möglich ist, über diese Frage offen und frei zu diskutieren, und bis das erste öffentliche „Trostfrauen“-Denkmal in Tokyo selbst errichtet wird, werde ich ab sofort jede Initiative unterstützen, solche Statuen außerhalb Japans aufzustellen.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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