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Erklärung des japanischen Außenministers zur Trostfrauenfrage

Über die Trostfrauen-Frage zwischen Japan und Südkorea haben bislang u.a. die Büroleiter intensive Beratungen durchgeführt. Auf deren Ergebnissen fußend, gebe ich namens der japanischen Regierung die folgende Erklärung ab.

(1) Die Trostfrauen-Frage hat, unter Beteiligung der damaligen Armee, Ehre und Würde zahlreicher Frauen zutiefst verletzt. Unter diesem Gesichtspunkt fühlt sich die japanische Regierung schmerzlich verantwortlich.
Ministerpräsident Abe spricht als Ministerpräsident von Japan erneut allen Personen gegenüber, die als Trostfrauen viele Leiden und Schmerzen erfuhren und an Leib und Seele schwer heilbare Wunden davontrugen, von ganzem Herzen die Bitte um Entschuldigung und das Gefühl selbstkritischer Reue aus.

(2) Die japanische Regierung, die sich auch bisher dieses Problems ernsthaft angenommen hatte, ergreift jetzt auf der Grundlage dieser Erfahrungen aus dem Haushalt der japanischen Regierung Maßnahmen, welche die seelischen Wunden aller ehemaligen Trostfrauen heilen sollen. Konkret wird die südkoreanische Regierung eine Stiftung errichten, die den ehemaligen Trostfrauen Unterstützung leisten soll und für welche aus dem japanischen Regierungshaushalt einmalig Kapital aufgebracht wird; beide Regierung führen in Zusammenarbeit Projekte durch, um die Ehre und Würde der ehemaligen Trostfrauen wiederherzustellen und ihre seelischen Wunden zu heilen.

(3) Die japanische Regierung stellt zugleich mit der obigen Erklärung fest, daß unter der Voraussetzung der getreuen Umsetzung der oben unter (2) genannten Maßnahmen durch diese Erklärung dieses Problem endgültig und unumkehrbar gelöst wird.
Zudem verzichten die japanische Regierung und die südkoreanische Regierung darauf, hernach in den Vereinten Nationen oder in der Völkergemeinschaft einander wegen dieses Problems zu tadeln oder zu kritisieren.

[Seoul, 28.12.2015 — Kishida Fumio 岸田文雄]

[Aus dem Japanischen von Reinhard Zöllner.]

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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