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Wende rückwärts: Japans neuer Energieplan rechnet mit Atomenergie

Die japanische Regierung hat am 11.4.2014 (genau drei Jahre und einen Monat nach dem Großen Ostjapanischen Erdbeben) einen mittelfristigen „Energie-Grundplan“ (Enerugī Kihon Keikaku エネルギー基本計画) beschlossen. Darin wird der Atomenergie die Stellung einer wichtigen Quelle zur Sicherung der Energie-Grundlast zugeschrieben. Damit wird der Weg für die Erlaubnis zur Wiederinbetriebnahme der seit 2011 still liegenden Kernkraftwerke freigemacht.
Der angestrebte Anteil von Atomenergie am Energiemix wurde jedoch offengelassen. Er soll jedoch durch Stromsparen und erneuerbare Energien sowie eine erhöhte Produktivität thermischer Kraftwerke „so stark wie möglich verringert“ werden. In drei Jahren, so Kabinettsminister Suga, wolle man weitersehen. Das vor vier Jahren verkündete Ziel, bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien auf 20 % des Energiemixes zu steigern, wird nicht ausdrücklich aufgegeben. Auch am Nuklearkreislauf, einer Chimäre der Atomwirtschaft, wird festgehalten. Der an bautechnischen Problemen gescheiterte Schnelle Brüter Monju soll jedoch für internationale Forschungen zur Verringerung des Atommülls umgewidmet werden. „Aktuell gibt es keine Pläne für den Bau neuer Atomkraftwerke“, fügte Wirtschaftsminister Mogi hinzu.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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