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Zum Hintergrund des Zielradar-Zwischenfalls

Japans Protest dagegen, daß am 30. Januar eines seiner Kriegsschiffe vom Zielradar eines chinesischen Kriegsschiffes anvisiert wurde, ist auch in chinesischen Medien gemeldet worden. Der chinesische Standpunkt dazu erhellt aus folgendem Leserkommentar vom 6. Februar (so ungefähr jedenfalls, soweit ich das Chinesisch verstehe):

Die Japaner sind typische Diebe, die „Haltet den Dieb!“ schreien. Warum nahmen chinesische Kriegsschiffe letzte Woche in den internationalen Gewässern des Ostchinesischen Meeres ein japanisches Kriegsschiff ins Zielradar? Die Japaner haben die Voraussetzungen und den Hintergrund nicht erwähnt. Tatsache ist, daß die Kriegsschiffe der kleinen Japaner die chinesischen Seemanöver auf hoher See verfolgt haben und sich arrogant bis auf drei Kilometer der chinesischen Flotte genähert haben. Wer spielt also letztlich mit dem Feuer? Verdammt, die kleinen Japaner spielen Opfer, behaupten, die Chinesen würden sie ärgern, und versuchen mit aller Kraft das Mitleid ihrer amerikanischen Herren zu gewinnen.

Tatsächlich hat China am 30. Januar ein vorher angekündigtes Hochseemanöver durchgeführt, das sich nicht spezifisch gegen die Senkaku-Inseln richtete. Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls mit dem Zielradar befanden sich die Schiffe nach Mitteilung der Asahi Shinbun etwa 180 km von den umstrittenen Inseln entfernt. Die chinesische Regierung hat inzwischen versprochen, den Zwischenfall zu untersuchen. Chinesische Militärs warnen davor, China zu früh in einen Krieg zu verwickeln. Dadurch könnte Chinas Modernisierung einen Rückschlag erleiden. Die South China Morning Post, die zu den wichtigsten Medien in Hongkong gehört, zitiert indessen einen Verteidigungsexperten der Shanghaier Universität für Politik und Recht, Ni Lexiong, mit den Worten, der Vorfall sei „eine Warnung des chinesischen Militärs an die japanischen Schiffe“ gewesen.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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