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Tepcos Feind von rechts: Kobayashi Yoshinori kämpft gegen Atomkraft

In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift SAPIO (Herausgeber: der eher rechtslastige Verlag Shōgakukan 小学館) ergreift der wegen seiner rechtsextremen Ansichten berüchtigte Manga-Zeichner Kobayashi Yoshinori 小林よしのり Partei — gegen die Atomkraft. Das Magazin gab ihm 8 Seiten Raum für seine „Argumente für den Ausstieg aus der Atomenergie“ (Datsu-Genpatsuron 脱原発論, SAPIO, 22.2.2012, S. 55-62). Er und mit ihm das ganze japanische Volk seien Opfer einer kollektiven Gehirnwäsche geworden, er sei nunmehr voller Respekt für die Wissenschaftler, die 30 Jahre lang gegen die Atomkraft argumentierten (Bild 1). Es gebe aber ignorante Rechte, die im Namen des Nationalismus die Atomkraft verteidigten. Ihm selbst sei wegen seiner Anti-AKW-Haltung mit Brandstiftung gedroht worden. Es sei aber unverantwortlich, wegen einer veralteten, noch dazu von den USA erfundenen Technik Japans Zukunft aufs Spiel zu setzen — denn ein Unfall reiche aus, um Japan auf 100.000 Jahre zu kontaminieren. Außerdem basiere die Atomkraft auf Sozialdarwinismus und Diskriminierung (Bild 2). Diejenigen Rechten, die sich dennoch für sie einsetzen, „folgen einem bestimmten Muster. Beharren auf der männlichen Erbfolge im Kaiserhaus. Hinnehmen radioaktiver Verseuchung nach einem AKW-Unfall. Diskriminierung von Koreanern. Das gehört zusammen.“ (Bild 3) Für ihn sei aber klar: Wer heute noch die Atomkraft unterstütze, seien Besitzstandswahrer und Anhänger von Diskriminierung (Bild 4) — wie das Bild zeigt, gekauft von der Atomlobby — und gerade keine echten Nationalisten.
Ein weiterer, deutlicher Hinweis darauf, daß das rechte Lager in Japan in der Atom-Frage gespalten ist.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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