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Was Google Trends über die politische Stimmung verrät

Seit Beginn der Datenerhebung 2004 haben noch nie so viele Menschen in den USA sich auf den Seiten von Google für das Wort „impeachment“ (Amtsenthebung) interessiert wie seit dem Januar 2017, als Präsident Donald Trump sein Amt antrat. Trump hat damit seine Vorgänger bereits jetzt um Längen hinter sich gelassen. Das geht aus den Daten von Google Trends hervor.

Wieder einmal erweist sich Google Trends als hervorragendes Meßinstrument für Stimmungen in einer Bevölkerung. Ich habe damit bereits 2011 in der Analyse der deutschen und japanischen Stimmung nach der nuklearen Erdbebenkatastrophe von Fukushima benutzt. Wer sich übrigens dafür interessiert, wie stark (oder besser: wie schwach) die deutsche Öffentlichkeit inzwischen noch an Fukushima interessiert ist, sehe sich auch die folgende Grafik an:

Und noch ein Wort zu Japan. Dort hat es die japanische Regierung geschafft, das von ihr verfolgte Projekt einer tiefgreifenden Veränderung der japanischen Regierung aus dem öffentlichen Bewußtsein zu eliminieren (oder sagen wir es anders herum: das Interesse der Japaner an diesem Thema ist stark erlahmt), nachdem sie Anfang 2016 noch auf lauten Widerspruch gestoßen war. Inzwischen herrscht wieder Ruhe an der Bürgerfront, wie sich im Suchverhalten nach dem Wort „Verfassungsreform“ (kaiken 改憲) zeigt.

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Fukushima: Kameraroboter entdeckt geschmolzene Brennstäbe, mißt tödliche Strahlung

Zur Untersuchung des havarierten Atomkraftwerks Fukushima I hat die Firma Tepco (Tōkyō Denryoku 東京電力) am 30.1.2017 einen mit einer Kamera ausgerüsteten Roboter in den metallenen Sockel unterhalb des Druckbehälters von Reaktor 2 gesenkt. Die Bilder zeigen, daß die Metallwände geschwärzt sind (offenbar durch aus dem Druckbehälter ausgelaufenes Brennmaterial), daß sich an ihnen Klumpen von geschmolzenen Brennstäben angelagert haben und daß ein Teil des Sockels „fehlt“.
Für die Auswertung der Fotografien berechnete Tepco aus dem elektronischen Bildrauschen der Aufnahmen, daß im Druckbehälter eine Gammastrahlung von bis zu 530 Sv/h herrscht. Es handelt sich um den höchsten bisher in Fukushima gemessenen Wert. Für Menschen wäre diese Strahlung binnen weniger Sekunden tödlich. Nachdem diese Nachricht international für Schlagzeilen gesorgt hat, hat Tepco klargestellt, daß es sich hierbei nicht um eine neue Entwicklung handele, sondern vielmehr um die erstmals möglich gewordene Messung der Strahlung, die innerhalb des Druckbehälters herrscht.
Die Kameratechnologie, mit der diese Messung möglich wurde, ist eine Neuentwicklung von Astrophysikern der Universität Kyōto.
Tepco stellt die Fotografien auf seiner Homepage zur Verfügung.
Damit bestätigt sich, was Wissenschaftler seit 2011 vermuteten: Die Brennstäbe in Reaktor 2 sind geschmolzen und haben sich durch den Druckbehälter in den Boden unterhalb des AKW durchgefressen.

Ablagerungen von Brennmaterial am Sockel von Reaktor 2 in Fukushima 1
Foto: Tepco


Foto: Tepco

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„Tote Lehre“ — Eine Bilanz nach 20 Jahren

Der Leitartikel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 11.2.2017 von Jürgen Kaube trägt die Überschrift „Tote Lehre“. Er beklagt, daß die Bildungsmisere, in der sich Deutschland offenkundig befindet, auch durch „Gleichgültigkeit“ auf Seiten der Lehrenden verursacht wurde — insbesondere in den Geisteswissenschaften.
Gerade habe ich ein Wintersemester mit bis zu 14 Stunden Lehre pro Woche hinter mir. Im Sommer habe ich freundlicherweise, zum ersten Mal seit 2011, ein Forschungsfreisemester. Im Oktober, wenn ich mit der Lehre weitermache, werde ich exakt 20 Jahre Professor sein.
In diesen 20 Jahren habe ich an vermutlich 60 Studienordnungen mitgewirkt — genau weiß ich es nicht, weil ich die Übersicht verloren habe. Die Halbwertzeit einer Studienordnung, nach deren Regeln gelehrt und gelernt werden soll, beträgt vielleicht zwei Jahre. Dann kommt eine „Reakkreditierung“ oder eine andere, zumeist sinnfreie Intervention, die uns dazu zwingt, in zeitraubenden Sitzungen Kapazitätsberechnungen, Modulbeschreibungen, Studiengangsberichte etc. neu auszuhandeln.
Dabei bleibt freilich die Hauptsache auf der Strecke: Die Lehre. Das Verhältnis zu den „Studierenden“ beschränkt sich auf das Einsammeln von Abwesenheitserklärungen, seit die NRW-Landesregierung vor zwei Jahren die Anwesenheitspflicht abgeschafft hat; das mechanische Abhaken von Listen von Voraussetzungen, damit ein Student endlich zu einer Prüfung zugelassen werden darf; das Anhören von Referaten, die zum überwiegenden Teil innerhalb einer Woche — also schlecht — vorbereitet werden; das Lesen von Hausarbeiten, die zum beträchtlichen Teil genau so geschrieben sind, wie man es von schlecht vorbereiteten Schülern erwartet: ohne präzise Fragestellung, in fehlerhaftem Deutsch, auf der Grundlage hastiger Recherchen, ohne Verständnis für methodische Probleme. Es fehlt eben auch den Studenten die Zeit, die sie eigentlich bräuchten, um mit Tiefgang und geistiger Freiheit zu studieren. Der Fetisch, dem wir alle dienen, lautet: 3 + 2. 3 Jahre für den Bachelor, 2 Jahre für den Master; zusammen nicht mehr als 5 Jahre, in denen Abiturienten zu Akademikern reifen sollen. Das ist die Vorgabe des Bologna-Systems.
Leider funktioniert das nicht. Nirgendwo. Denn „Bologna“ setzt nach seinen eigenen Vorgaben voraus, daß Studenten rund ums Jahr — Semesterferien eingeschlossen — nahezu 40 Stunden in der Woche „arbeiten“ (d.h.: studieren — einschließlich Lektüre und eigenen Recherchen). Nur dann wäre das Pensum in dieser Zeit zu bewältigen. Das tut aber so gut wie niemand (was auch früher nicht anders war), und deshalb verlängern sich die „Regelstudienzeiten“ in der Praxis: 6 Jahre, 7 Jahre und sogar noch länger sind keine Seltenheit.
Zum anderen sind die Vorkenntnisse der Abiturienten dermaßen gering, daß ein Anknüpfen an Dinge, die ich vor 20 Jahren als Allgemeinbildung betrachtet hätte, heute nicht mehr möglich ist. In meinem Feld sehe ich das vor allem am Rückgang der Fähigkeit, historische Vorgänge einzuschätzen. Kaum ein Student hat während seiner Schulzeit etwas über die Frühe Neuzeit oder das 19. Jahrhundert gehört; wenn ich daher etwas über Kaempfer und Siebold erzähle, kann dies kaum jemand mit dem Dreißigjährigen Krieg oder der Revolution von 1848 verbinden. Sämtliche Vergleiche zwischen europäischer und japanischer Geschichte sind für die heutigen Studenten nahezu so exotisch wie Vergleiche mit lateinamerikanischer Geschichte. Noch schlimmer ist: Viele können nicht einmal richtig lesen; und damit meine ich: exakt lesen, verstehend lesen, vergleichend lesen.
Meine jüngste Schlußfolgerung ist daher ganz simpel: Niemand hat etwas davon, wenn ich Fachidioten erziehe, die alles über Tokugawa Ieyasu wissen, aber nichts über den Westfälischen Frieden. Oder über Yoshida Shōin, aber nicht über Immanuel Kant. Deshalb setze ich in Zukunft wieder stärker auf Grundwissen und Grundfertigkeiten.
Und ab der nächsten Studienordnung, die jetzt in Arbeit ist und hoffentlich ab dem Wintersemester 2018/19 in Kraft ist, wird es auch wieder Proseminare geben — was seit „Bologna“ eigentlich völlig verpönt war.
Davor steht allerdings die Akkreditierung. Sie wird je Studiengang etwas 25.000 Euro kosten. Das entspricht etwa dem Jahresgehalt einer halben Mitarbeiterstelle. Einer Stelle, die wir für die Lehre dringend bräuchten.

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Das Hiroshima-Nagasaki-Projekt an der Uni Bonn

Barbara Geschwinde vom WDR hat im „Mosaik“ vom 31.1. das Übersetzungsprojekt zu Aussagen von Zeitzeugen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima Nagasaki vorgestellt, an dem Studierende und Dozenten der Abteilung für Japanologie und Koreanistik an der Universität Bonn unter Leitung von Dr. Naoko Tamura-Foerster beteiligt sind.

Zum selben Thema läuft bis Ende März auch eine Posterausstellung im Universitätsmuseum der Universität Bonn.

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Für Unterrichtszwecke habe ich eine Serie von 6 Lehrvideos zur Geschichte Japans und Koreas erstellt. Sie führen in insgesamt knapp 24 Minuten durch 6.500 Jahre Geschichte … Sicher etwas vermessen, auf jeden Fall auch unvollständig und stark verkürzt. Aber für den ersten Überblick hoffentlich geeignet.
Die Playlist befindet sich hier.

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Koreanisches Gericht legalisiert Tempelraub von Tsushima

Ein Gericht in der südkoreanischen Stadt Däjŏn 大田 hat den 2012 begangenen Raub einer Statue des Boddhisatva Kannon von der japanischen Insel Tsushima im Ergebnis für legal erklärt — die Statue soll in Korea bleiben. Damit droht den japanisch-koreanischen Beziehungen erneut eine Belastungsprobe.

Die Statue stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde nach koreanischer Auffassung damals von japanischen Piraten aus einem Tempel in Korea geraubt. Seither befand sie sich auf der Insel Tsushima, bis sie im Oktober 2012 von sechs Koreanern geraubt und nach Korea zurückgebracht wurde. Die Koreaner wurden inzwischen wegen des Raubes zu Strafen verurteilt. Das Gericht befand nun allerdings, die Statue selbst dürfe in Korea bleiben.

Die koreanische Regierung wollte die Rückgabe, doch der Tempel, dem diese Statue vor 700 Jahren angeblich gehörte, erhob dagegen Klage. In einem anderen Entführungsfall wurde 2015 eine Buddhastatue zurückgegeben, weil in Korea niemand darauf Anspruch geltend machte.

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