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Corona-Virus: Täglich grüßt der Rassismus … diesmal wieder in der FAZ

Der Ausbruch des Corona-Virus in China sorgt für steigende Panik in der westlichen Welt; allerdings sind es bislang überwiegend Chinesen, die davon betroffen sind. Grund genug für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), in ihrer Ausgabe vom 31.1.2020 auf S. 2 eine jener rassistischen Karikaturen zu veröffentlichen, für die ihre Karikaturenzeichner Greser und Lenz berüchtigt sind:

Offenbar finden die Zeichner es witzig, den fast zeitgleichen Beginn des neuen Jahres im chinesischen Mond-Sonnenkalender mit der japanischen Tradition, am Jahresende Beethoven 9. Sinfonie aufzuführen, und der berechtigten Sorge vor Infektionen zusammenzurühren. Passend zum Beethoven-Jahr 2020. Und zur laufenden Karnevalssaison.
Meine halb-japanische Tochter (19) ging vor wenigen Tagen mit einem jungen Japaner durch die Straßen von Berlin und mußte sich von einer Gruppe einheimischer „Männer“ nachrufen lassen: „Iih, das sind Japaner, die haben den Virus!“
Dank an die FAZ für das erneute muntere Anheizen solcher Stimmungen. Wirklich zum Totlachen.

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Hong Kong, China … die Revolution beginnt

Ich kann mich historisch an keine einzige erfolgreiche Revolution erinnern, in der nicht mehrere, mitunter höchst antagonistische Lager zusammenarbeiteten. Die anschließenden „Säuberungen“, in denen mühsam und gewaltvoll versucht wurde, Homogenität zu erzeugen („Die Revolution frißt ihre Kinder“), belegen das doch. Robespierre, Trotzki und selbst Mao haben das alles erlebt. Revolution nur mit der reinen Lehre kann nicht gelingen.

Es ist kritisiert worden, daß die gegenwärtige Protestbewegung in Hong Kong politisch sehr unterschiedliche und teilweise an die koloniale Vergangenheit der Stadt anknüpfende Forderungen erhebe. Wenn wir angesichts der anhaltenden Proteste für Hong Kong in diesen Tagen eine revolutionäre Stimmung unterstellen, dann sollte uns allerdings wirklich nicht wundern, daß sich darunter auch Stimmen finden, die unseren jeweils eigenen politischen Vorstellungen nicht entsprechen; so sind Revolutionen nun einmal. Und wenn ich mir die Ergebnisse der letzten Kommunalwahl sowie die Beteiligung an Massendemonstrationen in Hong Kong ansehe, dann kann ich auch nicht erkennen, daß hier privilegierte, reaktionäre Elitenkinder auf eigene Faust handelten. Die Bevölkerung hat sie auf die einzige ihr jetzt mögliche Weise hinreichend legitimiert. „Ermächtigt“ wäre zuviel gesagt; aber das ist, worum es letztlich geht.

Am 30. August 2019 hat Liao Yiwu in der FAZ auf das Schicksal von Yang Wei hingewiesen, der wegen Tiananmen jahrelang im Gefängnis saß und 1998 die Demokratische Partei Chinas gründete. Als einziger der Parteigründer entging er der erneuten Verhaftung durch Flucht ins Ausland. Soeben wurde er jedoch aus Kanada nach China abgeschoben, obwohl er offensichtlich als Spätfolter der Haftfolter geistig verwirrt war. Angeblich soll er in diesem Zustand im Gerichtssaal gerufen haben: „Schickt mich nach China zurück!“ Liao kommentiert:

Wenn sich die Leute in Hongkong nicht mehr wehren, werden wir alle eines Tages auch schreien: ‚Schickt mich nach China! Schickt mich nach China!‘

Und heute, am 10.1.2020, macht Liao in der FAZ (Druckausgabe, S. 11) die Verurteilung des chinesischen Pastors Wang Yi zu einer neunjährigen Gefängnisstrafe im Dezember bekannt; auch er ein „Mittäter“ von Tiananmen. Liao zitiert ein Gedicht, das Wang 2015 schrieb. Darin heißt es:

In dieser Zeit schreib unbedingt ein verdächtiges Gedicht! / Eine Zeile Chinesisch stürzt die Regierung. / … In dieser Zeit sag ein Gedicht auf, das sind zwei, drei Verbrechen. / Wenn du nichts aufsagst, wirst du aufgesagt.

„Wenn du nichts aufsagst, wirst du aufgesagt.“ —
Das geht mir deutlich näher als die Sorge um postkoloniale Kopfschmerzen.

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Okinawa: Burg Shuri in Naha abgebrannt

Weite Teile der Burg Shuri 首里城, des auf das 15. Jh. zurückgehenden Sitzes der Könige von Ryūkyū 琉球, in Okinawas Hauptstadt Naha 那覇 sind in der Nacht zum 31.10.2019 einem Brand zum Opfer gefallen. Das Feuer wurde gegen 2:40 Uhr entdeckt und konnte erst 11 Stunden später gelöscht werden. Menschen kamen nicht zu Schaden. Ein Wiederaufbau wird bereits geplant. Die Burg war bereits im Zweiten Weltkrieg zerstört und erst 1992 rekonstruiert worden. 2000 wurde sie von der UNESCO als Stätte des Weltkulturerbes registriert.

Burg Shuri (2013)
Thron des Königs von Ryukyu

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Erklärung zur Unterstützung von Künstlern, Wissenschaftlern und Journalisten in Japan

158 Japan-Experten aus vier Kontinenten, darunter 99 Professoren, haben eine Erklärung zur Unterstützung von Künstlern, Wissenschaftlern und Journalisten in Japan unterzeichnet. Sie fordert die japanische Regierung auf, das Recht auf Meinungsfreiheit zu schützen und die Entscheidung rückgängig zu machen, der Aichi Triennal 2019 die finanzielle Unterstützung zu entziehen.
Die Deklaration und die Liste der Unterzeichneten, unter denen sich zahlreiche hochangesehene und altgediente Vertreter der Japanologie finden, ist hier zu finden:
http://kotoba.japankunde.de/?page_id=6780
Eine Auswahl von Kommentaren, die ich von unterzeichnenden Kollegen erhielt:

Such acts cannot be let to stand. Such times as ours demand openness.

It is a very timely and much-needed document.

I almost never sign a petition, but I will make an exception for this case which seems to me extremely serious and worrying.

Bunkacho’s decision is frightening.

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Japan auf Sparkurs: Nur 600.000 Amnestien bei Thronbesteigung

Während die japanische Staatsverschuldung unverdrossen in die Höhe getrieben wird (trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 8 auf 10 Prozent ab 1.10.2019), zeigt sich das Kabinett in einem anderen Punkt geradezu geizig: Zur bevorstehenden Thronbesteigung des neuen Kaisers werden nur 600.000 Menschen von einer Amnestie profitieren können, wie sie zu Thronwechseln üblich ist. Zum Vergleich: 1989, beim Ableben des Shōwa-Kaisers, waren es 10 Millionen; 1990, bei der Thronbesteigung Akihitos, 2,5 Millionen. Da die Mehrzahl der Fälle Bußgelder betrifft, könnte man in dieser Sparsamkeit tatsächlich einen Beitrag zur Sanierung des Staatshaushaltes sehen.

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Neuer Akt der Zensur: Staatliche Zuschüsse für Ausstellung in Aichi gestrichen

Am 26. September veröffentlichte die japanische Agentur für kulturelle Angelegenheiten (Bunkachō 文化庁), eine Tochter des Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie, ihre Entscheidung, die finanzielle Unterstützung für die diesjährige Aichi Triennale, eines der größten internationalen Kunstfestivals in Japan, vollständig zu streichen. Die Entscheidung wurde getroffen, nachdem die auf der Triennale ausgestellte Ausstellung am 4. August 2019 nach nur drei Tagen geschlossen werden mußte, da das Büro der Triennale gewaltsam bedroht worden war, einschließlich Ankündigung von Terrorakten, weil die Ausstellung einer „Trostfrau“ eines südkoreanischen Künstlers angeblich die Gefühle des japanischen Volkes verletzte. Der Bürgermeister der Stadt Nagoya forderte, daß die öffentliche finanzielle Unterstützung von der Triennale zurückgezogen werde. Die Agentur hatte ursprünglich zugestimmt, die Triennale mit 78 Millionen Yen (ca. 724 Tsd. USD) zu unterstützen.
Die Agentur behauptet nun, dass die Organisatoren der Triennale,
„in Bezug auf die Ausstellung, trotz der Kenntnis wichtiger Tatsachen, die die Sicherheit der Ausstellungshalle, einschließlich der Besucher, und den reibungslosen Betrieb des Geschäfts bedrohten, die Entscheidung über die Förderfähigkeit [für die Unterstützung durch die Agentur] ohne Angabe dieser Tatsachen erhielten. Nachdem sie einen Zuschußantrag gestellt hatten, erklärten sie diesen Sachverhalt erst, als sie in der anschließenden Screening-Phase eine Anfrage von der Agentur für kulturelle Angelegenheiten erhielten.“
Der Kultusminister hat seitdem bestritten, daß die (äußerst seltene) Entscheidung, die Unterstützung zu streichen, mit dem Inhalt der Ausstellung zusammenhänge und daher als Zensur gelten könne.
Der Gouverneur von Aichi nannte diese Entscheidung jedoch „einen schwerwiegenden Verstoß gegen Artikel 21 der japanischen Verfassung“, der die Meinungsfreiheit garantiert, und kündigte an, gerichtliche Schritte einzuleiten.
Japanische Künstler und Medien standen der Entscheidung der Agentur ebenfalls sehr kritisch gegenüber. Die Asahi Shimbun bemerkte, daß sie „international zu Mißtrauen und Verachtung gegenüber der japanischen Kulturverwaltung führen kann“. Die Mainichi Shimbun forderte, daß „die politische Macht nicht in der Lage sein sollte, Ausstellungsinhalte und Werke durch Subventionsentscheidungen auszuwählen“.

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