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Japaner geben Abe Mehrheit für Verfassungsänderung

Bei den Wahlen zum japanischen Unterhaus, die Premierminister Abe Shinzō 安倍晋三 unter dem Vorwand der Nordkorea-Krise ausgerufen hat, hat die regierende Koalition aus Liberaldemokraten (LDP) und Kōmeitō am 22.10.2017 eine Zweidrittelmehrheit der Mandate errungen. Damit wird es ihr aus eigener Kraft möglich sein, die von Abe angestrebte Änderung der Verfassung zu beschließen.
Die Zweidrittelmehrheit liegt bei 310 Mandaten. Die Regierungskoalition hat mindestens 312 errungen. Wegen eines am Wahltag tobenden Taifuns verzögerte sich in manchen Landesteilen die Stimmenauszählung. Die LDP erhielt mindestens 283 Mandate, die Kōmeitō 29 Sitze (und verlor damit 5 Sitze). Die erst kurz vor der Wahl aus dem liberalen Flügel der bisherigen Demokratischen Partei hervorgegangene und von Edano Yukio 枝野幸男 geführte Konstitutionelle Demokratische Partei wurde mit 54 Sitzen stärkste Oppositionspartei. Zur neuen Fraktion gehört auch der ehemalige Premierminister Kan Naoto 菅直人, der seinen Wahlkreis in Tōkyō 2012 und 2014 verloren hatte, ihn aber jetzt zurückeroberte. Der konservative Flügel der Demokraten hatte sich mit den Anhängern der Gouverneurin von Tōkyō, Koike Yuriko 小池百合子, zur Partei der Hoffnung zusammengeschlossen, erreichte jedoch nur enttäuschende 49 Mandate. 12 Sitze gewannen die Kommunisten, 10 die rechtsgerichtete Vereinigung für die Renovation Japans, 1 die Sozialdemokraten. Zudem wurden 23 Unabhängige gewählt, darunter der ehemalige demokratische Premierminister Noda Yoshihiko 野田佳彦.

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Neuerscheinung: Sources of Japanese-Korean Relations

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6. Atombombentest Nordkoreas

Am 3.9. hat Nordkorea offenbar zum sechsten Mal einen unterirdischen Atombombentest durchgeführt. Die Explosion war erheblich heftiger als bei den Versuchen zuvor. Experten nehmen daher an, daß die eingesetzte Bombe zu einem neuen, weitaus stärkeren Typ gehört. Nordkorea behauptet, es habe sich um eine Wasserstoffbombe gehandelt.
Die Erschütterungen waren weit über das Erdbebenzentrum hinaus spürbar, wie das USGS National Earthquake Information Center berechnet hat.
Japans Regierung hat den Test bereits verurteilt und droht mit weiteren einseitigen Sanktionen. Erst letzte Woche hat China Japan deshalb kritisiert, weil es Sanktionen gegen chinesische und namibische Unternehmen verhängt hatte, die mit Nordkorea handelten.

Nordkoreas Atomwaffentests

DatumUhrzeit (UTC)PositionMagnitudeStärke (KT TNT) (geschätzt)
9.10.20061:3541.311°N 129.114°E0,7-2
25.5.20091:0041.306°N 129.029°E4,55-12
12.2.20132:5841.30°N 129.004°E5,15-12
6.1.20161:3041.300°N 129.047°E5,16-9
9.9.20160:3041.298°N 129.015°E5,310-30
3.9.201703:3041.343°N 129.036°E6,3100-150
Angaben über Uhrzeit, Magnitude und Position nach USGS

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Goethe in Japan: Lifestyle-Zeitschriften als kulturelle Gedächtnisorte

„Ich möchte ein echter Mann werden.“ Fast klingt es wie ein Zitat aus Goethes Werther, was in großen Lettern auf dem Titel der Maiausgabe der Zeitschrift prangt, die des Meisters Namen trägt: Goethe.
Aber weit (?) gefehlt. Urheber ist Aiba Masaki 相葉雅紀, der 35-jährige Popstar und Sänger der in ganz Ostasien vergötterten Boygroup Arashi, dessen schlanke Figur auch das Titelbild bildet. Niemand also, der an der „Krankheit zum Tode“ litte. Obwohl man das bei Popstars wohl auch nicht ausschließen kann.

Goethe

Das war dann auch schon die einzige Verwandtschaft, die sich zwischen der Lifestyle-Zeitschrift und ihrem deutschen Namensgeber konstruieren läßt. Das Blatt bietet ansonsten eben Lifestyle für lebenshungrige japanische Männer.
Eine andere Zeitschrift mit deutschem Namen wendet sich an die japanische Frau. Und heißt auch genau so: Frau. Ihre Juliausgabe zeigt einen anderen ostasiatischen Star: Kang Dae-sung, in Japan bekannt als D-LITE, 7 Jahre jünger als Aiba und Sänger der koreanischen Boygroup Bigbang — eine der repräsentativsten Bands des K-Pop. Das ganze Heft dieser Zeitschrift, an der nichts deutsch ist außer ihrem Namen, ist dem Thema „Südkorea“ gewidmet. D.h., es gibt ein paar Informationen wie „Korean Food Basics“, und der Rest besteht aus, nun ja, Empfehlungen zum Shopping in Korea. Trotz aller politischen Konflikte taugt koreanischer Lifestyle in Japan also immer noch zur Ansprache junger Japanerinnen.

Frau

Thematisch etwas eingegrenzter, aber dafür mit ausführlichem Horoskop-Teil präsentiert sich die Zeitschrift Spur (シュプール shupūru zu lesen und damit eindeutig deutsch) in ihrer Augustausgabe. Hier geht es um Mode, um „Geschichten von der Liebe zur Kleidung“, wie es auf dem Titel heißt: „Wir kleiden uns in Erinnerungen.“ (私たちは思い出を着ている) Das ist ein hübscher, fast philosophischer Gedanke, und die junge Frau auf dem Titelbild ist entsprechend retro gestylt. Deutschland findet auch hier nicht statt, aber wer hätte das bei einer Modezeitschrift mit dem Untertitel „National Fashion Story Project“ schon erwartet?

Spur

Solche Zeitschriften sind ja keine japanische Besonderheit. Man muß sie auch nicht von vorn bis hinten lesen, um zu erkennen, daß sie eine Qualität besitzen, die den Tagesmedien abgeht: Sie sind Träger des kulturellen Gedächtnisses. J-Pop, K-Pop, Retromode … alles Schauplätze, an denen sich für junge Menschen in Ostasien die Sehnsucht nach kultureller Geborgenheit offenbart. Wenn das dann noch unter geheimnisvollen deutschen Namen geschieht, sind wir ein Stück weit hineingenommen in diese Sehnsucht nach Männlichkeit, Fraulichkeit und den Spuren, die uns kleiden.

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Unsichere Zukunft für Japans akademisches Proletariat

Mit einem Vergleich endete im April ein Gerichtsverfahren, das die Gewerkschaft der befristeten Lehrkräfte 2013 gegen die Leitung der privaten Waseda-Universität angestrengt hatte. Hintergrund war die Entscheidung der Universität, befristete Lehrkräfte (hijōkin kōshi 非常勤講師) ab 2018 nur noch für maximal 5 Jahre und maximal 4 Unterrichtseinheiten zu beschäftigen.
Dies hätte dramatisch von der bisherigen Praxis abgewichen und viele der 3.700 Betroffenen wirtschaftlich schwer getroffen. Die Waseda-Universität zahlt 30.000 Yen (230 Euro) pro Semester für eine 90-minütige Unterrichtseinheit. Bei 4 Einheiten wären dies also 920 Euro — viel zu wenig zum Leben im teuren Tōkyō. Einige der aktuellen Lehrkräfte kommen auf 10 Einheiten pro Woche, viele arbeiten gleichzeitig an mehreren Universitäten oder in anderen Jobs. Im Durchschnitt kamen sie 2007 auf ein Jahreseinkommen von 3 Mio. Yen (rund 24.000 Euro). Aber dies ist der Bruttoverdienst, und eines haben alle Lehrbeauftragten in Japan gemeinsam: Die Universitäten zahlen für sie keine Sozialabgaben. Ihre Rente, Kranken- und Pflegeversicherung müssen die Lehrbeauftragten also selbst erwirtschaften.Ihre Lehraufträge werden über ein Jahr abgeschlossen. Jedes Jahr beginnt also ein neues Nachrechnen und Bewerben. Immerhin ließen private Universitäten wie die Waseda ihre Lehrbeauftragten bislang bis zum Alter von 70 Jahren arbeiten — genau wie ihre regulären Professoren, die freilich bei nur 4 Unterrichtseinheiten pro Woche auf ein Jahresgehalt von 13,5 Mio. Yen (fast 104.000 Euro) kommen.
Für ihre Pläne hatte die Universität allerdings einen guten Grund. 2013 wurde ein Gesetz zum Schutz der Arbeitnehmer verabschiedet. Darin wurde geregelt, daß Arbeitnehmer, die 5 Jahre befristet beschäftigt werden, auf Antrag einen unbefristeten Vertrag erhalten müssen; daß eine „unlogische“ Verweigerung der Weiterbeschäftigung verboten ist; und daß eine „unlogische“ Differenz der Arbeitsbedingungen von befristeten und unbefristeten Arbeitnehmern verboten ist. Die Universitätsleitung wollte sich also einerseits durch die Beschäftigungshöchstdauer vor einer Entfristungswelle schützen und andererseits durch die Beschränkung der Unterrichtsstunden eine „logische“ Differenz zwischen unbefristeten Lehrbeauftragten und Professoren nachweisen. Dabei verfügen viele der Lehrbeauftragten über eine vielen Professoren mindestens gleichwertig akademische Qualifikation und sind promoviert, was für Professoren an japanischen Universitäten immer noch nicht überall gilt.
Die Gewerkschaft war auf dem besten Wege, den Prozeß gegen die Waseda zu gewinnen. Im April einigten sich beide Seiten jedoch. Alle Lehrbeauftragten, die schon vor 2014 dort arbeiteten, können jetzt einen Antrag auf Entfristung stellen. Alle übrigen werden maximal 10 Jahre lang beschäftigt. Wer bislang mehr als 9 Unterrichtsstunden erteilt hat, darf dies auch weiterhin; für alle anderen gelten 8 als Obergrenze. Und es gibt 10 Prozent Gehaltserhöhung.
Schon 2014 wurden außerdem 20 Japanisch-Lehrbeauftragte, deren Stundenlohn ohnehin nur bei knapp der Hälfte der übrigen Dozenten liegt, entlassen, die bereits 5 Jahre lang an der Waseda tätig gewesen waren. Auch dies wurde zurückgenommen; sie dürfen jetzt wieder bis 70 tätig sein.
Der Arbeitskampf an der Waseda hat deshalb die Aufmerksamkeit auf Japans akademisches Proletariat gelenkt, das vor allem an den Privatuniversitäten einen Großteil der Lehrleistungen erbringt und in vielen Fällen ohne soziale Absicherung und Aufstiegschancen von der Hand in den Mund lebt — trotz erstklassiger Studienabschlüsse. Trotz hoher Studiengebühren leiden Japans Privatuniversitäten an Geldnot, und ihre Perspektiven sind angesichts des dramatischen Geburtenrückgangs schlecht. Die meisten (damals noch als Fachhochschulen bezeichnet) lebten vor 1945 davon, daß die Professoren der staatlichen Universitäten durch Lehraufträge ihr Gehalt aufbesserten. Nach 1945 wurde den Professoren dies verboten. Deshalb stellten die Privaten befristete Dozenten in großen Zahlen ein, um weiterhin mit geringen Personalkosten rechnen zu können. Mit der Abschaffung des verpflichtenden Studium Generale 1991 war dann die Abschaffung vieler unbefristeter Positionen verbunden. Der allgemeine Zug zur Reduktion festangestellter Mitarbeiter, der sich seit damals in vielen Wirtschaftsunternehmen bemerkbar macht, machte auch vor den Universitäten nicht halt. Fast die Hälfte der privaten Universitäten unterschreitet nach Feststellung der Regierung die vorgesehene Zahl festangestellter Mitarbeiter. Die Regierung plant jetzt deshalb die Zahl der unbefristet Beschäftigten weiter zu reduzieren und unwirtschaftlich arbeitende Universitäten aufzulösen oder zu fusionieren. Dadurch wird die Lage auf dem akademischen Arbeitsmarkt natürlich zusätzlich verschärft.
Und es sind nicht nur die Privaten zum Handeln gezwungen. Die staatliche Tōhoku-Universität meldete Ende 2016, sie werde 3.243 von 5.771 bisherigen Lehrbeauftragten wegen der 5-Jahres-Regel ab 2018 nicht mehr weiterbeschäftigen. Die staatliche Universität Yokohama hat beschlossen, Lehrbeauftragte nach Ablauf von 5 Jahren ein Semester lang ohne Vertrag zu lassen — um ihnen den Entfristungsanspruch zu nehmen.
Vor deutschen Arbeitsgerichten hätten solche Tricks an staatlichen Universitäten keine Chance. Aber dennoch besteht kein Grund zur Selbstzufriedenheit. An vielen deutschen Universitäten, auch in Bonn, werden nämlich Fremdsprachendozenten grundsätzlich nur zwei Jahre lang beschäftigt, weil sie sonst unkündbar werden — und zwar in ihrem ganzen Leben. Danach dürfen sie nur noch als Lehrbeauftragte tätig werden — ohne Sozialversicherung.

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Die Ludowinger und die Takeda: Jetzt wieder verfügbar

Nach der Liquidation des Verlags Dieter Born war meine Dissertation Die Ludowinger und die Takeda: Feudale Herrschaft in Thüringen und Kai no kuni (1995) nicht mehr im Buchhandel erhältlich. Da es immer wieder Nachfragen gab, habe ich sie neu verlegen lassen. Nun ist sie auch in einer digitalen Version erhältlich.

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