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Wanderung zum Hallasan auf der Insel Jeju

Der höchste Berg Südkoreas ist der Hallasan 漢拏山 (1.950 m), und er liegt auf der größten Insel Südkoreas, Jeju 済州島 (1.850 m2). Wenn man (aus dienstlichen Gründen, wegen des Jeju World Forum 2016) schon einmal auf der Insel ist, sollte man den Berg doch auch gleich einmal besteigen — dachte ich mir.
Dafür gibt es verschiedene offizielle Routen, von denen nur zwei zum Gipfel führen. Die eine der beiden, die ich gewählt habe, gilt als bergsteigerisch wenig anstrengend, doch als sehr lang (mehr als 9 km bis zum Gipfel). Und man muß morgens zeitig aufbrechen, denn erstens wird der Zugang zum Gipfel nach etwa 6,5 km Aufstieg bereits im 13 Uhr gesperrt (in der kalten Jahreszeit sogar schon um 12 Uhr), und zweitens ist die Route so beliebt, daß man in großes Gedränge gerät, wenn man „nach dem Aufstehen“ hingeht.
Also stand ich heute bereits um 6:00 Uhr auf, verzichtete aufs Frühstück und fuhr mit dem Bus (Linie 781) vom Rathaus Jeju zum Startpunkt für den Aufstieg, Seongpanak (vom Rathaus aus dauert die Fahrt rund eine halbe Stunde), der auf 728 m Höhe liegt. Gegen 7:20 Uhr begann die Tour.
Ausgerüstet war ich mit einem (leider nicht ganz wasserdichten) Rucksack mit Getränken, Essen, Fotoapparat und Wäsche zum Wechseln. Zu langer Hose und kurzem Hemd trug ich bei vorherigen Wanderungen bewährte Trainingsschuhe. Beim nächsten Mal, soviel sei vorweggenommen, würde ich allerdings Wanderstiefel nehmen. Es sei denn, das Wetter wäre deutlich besser als heute.

Landschaft auf dem Hallasan Wanderweg auf dem Hallasan

Der Wanderweg ist überhaupt nicht zu verfehlen. Er besteht entweder aus Basaltgestein, das unregelmäßig und sehr uneben in meist sanfter Steigung ausgelegt ist, oder Stufen mit einem Querholz oder Bohlenwegen. Die vier Kilometer bis zur ersten Hütte (die nur Toiletten bietet und eine kurze Gelegenheit zum Verschnaufen) schaffte ich locker in einer Stunde. Ich wollte Vorsprung vor den (zu diesem frühen Zeitpunkt noch wenigen) Koreanern gewinnen, außerdem nieselte es, und der Weg bietet außer recht eintöniger Vegetation nicht viel zu sehen (drei kleine Brücken, wenn ich richtig gezählt habe). Unterwegs plauderte ich mit einer jungen Koreanerin, die bereits zum fünften Mal aufstieg und mir empfahl, nicht gleich zum Gipfel zu gehen, sondern bei Kilometer 6 den Eingang zum Saraoreum genannten kleinen Nebenkrater zu nehmen. Die Aussicht sei schöner als auf dem Gipfel.
Das tat ich dann auch. Der Saraoreum liegt bereits bei 1.310 m, und um zu ihm zu gelangen, muß man ein paar hundert Meter steile Treppen steigen. Oben angekommen, sah ich — so gut wie nichts.
Inzwischen war nämlich der Regen stärker geworden. Der gesamte Berg war in eine graue Wolke gehüllt.

Saraoreum-Kratersee im Regen

Ich ging ein Stück am See entlang und entschied mich auf dem Rückweg zur Hauptroute, die Besteigung abzubrechen. Inzwischen war das Gros der aufstiegslustigen Einheimischen eingetroffen. Hätte es nicht geregnet, wären es zweifellos noch mehr gewesen. Doch bereits so setzte ein ziemliches Gedränge ein. Alle standen unter dem Druck, bis 13:00 Uhr zur zweiten Hütte zu gelangen. Ich hätte das natürlich leicht geschafft, mir fehlten ja nur noch ein paar hundert Meter. Doch dort hätte das steilste Stück des Aufstiegs begonnen, für das noch einmal zwei Stunden anzusetzen wären — bei gutem Wetter kein Problem, aber bei inzwischen strömendem Regen für mich sinnlos. Also gab ich auf.
Der Rückweg dauerte deutlich länger als mein Aufstieg. Denn durch den Regen standen jetzt tiefe Pfützen auf dem Pfad, so daß ich streckenweise von Stein zu Stein hüpfen mußte, was mit den Trainingsschuhen durchaus mühsam war. Außerdem kamen mir ständig Gruppen von Koreanern entgegen, die verbissen nach oben strebten und relativ wenig Raum für die Rückkehrer ließen. Erst kurz vor Schluß rief mir eine Koreanerin fröhlich Anyeong haseyo! zu. Ab 11:00 Uhr riß der Strom der Wanderer völlig ab, denn es wäre zu spät gewesen, um noch zum Gipfel zu kommen. Kurz vor dem Parkplatz kam mir noch ein junges Pärchen entgegen, in Alltagskleidung und mit Regenschirmen. Ich bin gespannt, bis wohin sie wohl gekommen sind.
Für Auf- und Abstieg, zusammen etwas über 14 km, brauchte ich 4:08 Stunden. Kein Grund, stolz zu sein. Aber angesichts der Witterung war die Umkehr wohl die weiseste Entscheidung. Hätte ich ein paar Stunden auf dem Gipfel ausgeharrt, hätte der Regen vermutlich irgendwann aufgehört. Von der Stadt aus sah ich allerdings, daß der Berg den ganzen Rest des Tages unter Wolken lag. Eine richtig gute Aussicht hätte ich also vermutlich auch dann nicht haben können.
Also bis zum nächsten Mal — im Sonnenschein!

KML-Datei zum Download

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Zeitzeugen-Projekt der Bonner Japanologie

Unter Leitung der Bonner Japanologie-Dozentin Dr. Tamura Naoko haben sich Studierende unseres Bonner Master-Studienganges Asienwissenschaften bereits zum zweiten Mal an dem internationalen Übersetzungsprojekt NET-GTAS (Network of Translators for the Globalization of the Testimonies of Atomic Bomb Survivors) beteiligt, in dessen Rahmen Zeitzeugenberichte von Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki in viele Sprachen übertragen werden.

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Kotowaza — Magische Sprichwörter (7)

Eine Naturkatastrophe kommt, wenn man sie verdrängt hat.
天災は忘れた頃にやってくる。
Tensai wa wasureta koro yatte kuru.

Anmerkungen

Bei diesem Sprichwort weiß man sogar, von wem es stammt: Nämlich von Terada Torahiko 寺田寅彦 (1878–1935), einem prominenten japanischer Physiker, der auf dem Gymnasium Schüler des Schriftstellers Natsume Sōseki 夏目漱石 gewesen war und sich in Berlin in Geophysik fortbildete. 1934 schrieb er wörtlich:

Wir sind uns hinreichend der Tatsache bewußt, daß mit dem Fortschritt der Zivilisation tendenziell auch das Ausmaß der Schäden von Naturkatastrophen zunimmt, und es wäre normal, dagegen Abwehrmaßnahmen zu planen. Warum aber sind diese nicht im geringsten ausgearbeitet? Hauptsächlich, weil solche Naturkatastrophen letztlich äußerst selten auftreten und die Menschen vergessen haben, daß der vordere Wagen umgestürzt ist, während sie gerade dabei sind, den hinteren Wagen herauszuholen.

Leider hat sich daran bis heute nichts geändert.

Nützlichkeit

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Trägt Japans Regierung Mitschuld an Erdbebentoten?

Japans Massenmedien trauen sich nicht recht, einen schlimmen Verdacht auszusprechen, wonach die japanische Regierung womöglich Mitschuld am Tod von Japanern während der anhaltenden Erdbebenwelle in der Präfektur Kumamoto 熊本 trägt. Die Indizien hierfür werden von der Presse nur bröckchenweise unters Volk gebracht, während in den „Sozialen Medien“ Eins und Eins schon längst zusammengezählt werden und die Frage nach der Verantwortung von Ministerpräsident Abe Shinzō 安倍晋三 bereits gestellt wird.

14. April

Die Erdbebenserie begann um 21:30 Uhr am Abend des 14. April. Obwohl hierbei stellenweise die in Japan höchste Intensitätsstufe 7 erreicht wurde, lag die Zahl der Todesopfer erstaunlich niedrig: 9 Menschen verloren in dieser Nacht ihr Leben.
Wenige Minuten später richtete die Regierung in Tōkyō einen Krisenstab ein. Der zuständige Minister ist Kōno Tarō 河野太郎 von der LDP, seit Oktober 2015 als Minister ohne Geschäftsbereich für Deregulierung, Verbraucherschutz und Katastrophen im Kabinett. D.h., es gibt kein eigenes Katastrophenschutz-Ministerium, sondern in Notfällen wird mit Sonderstäben gearbeitet, die in der Staatskanzlei koordiniert werden.
Da es heftige Nachbeben gab und während der Dunkelheit kaum eine Chance bestand, die Gebäude auf Schäden zu untersuchen, verbrachten zahlreiche Menschen die Nacht lieber im Freien als in ihren Häusern.

15. April

Am Morgen des 15. April lagerten viele Einwohner von Kumamoto und Umgebung deshalb auf blauen Plastikplanen in den als Notfallsammelplätze vorgesehenen öffentlichen Parkanlagen.

Im Freien übernachtende Einwohner von Kumamoto am Morgen des 15.4.2016 (Foto: Nakasato Akira/Mainichi Shinbun)
Im Freien übernachtende Einwohner von Kumamoto am Morgen des 15.4.2016 (Foto: Nakasato Akira/Mainichi Shinbun)

Am Morgen des 15. April um 7:05 Uhr erstattete Minister Kōno Ministerpräsident Abe Bericht.1 Um 11:15 Uhr versprach er Abe, die „im Freien“ (okugai 屋外) übernachtenden Menschen noch am selben Tag „im Innern“ (okunai 屋内) unterzubringen.2 Die der politischen Sabotage an Abe unverdächtige (rechtsgerichtete) Zeitung Sankei Shinbun 産経新聞 berichtete über dieses Gespräch aus einer etwas anderen Perspektive:

Ministerpräsident Abe Shinzō traf sich am Vormittag mit Katastrophenschutzminister Kōno Tarō und wies ihn … an, noch am gleichen Tag in Vorbereitung auf die Verschlechterung der Wetterlage für die Katastrophenopfer, welche ins Freie geflüchtet waren, Fluchtplätze im Innern [von Gebäuden] sicherzustellen.

D.h., die Anweisung ging eindeutig auf den Wunsch des Ministerpräsidenten zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte Abe bereits beschlossen, am 16. April Kumamoto zu besuchen, um dort Krisenmanagement zu demonstrieren. Er wollte anschließend nach Hokkaidō 北海道 weiterreisen und dort eine Wahlkampfrede halten, denn dort stand eine wichtige Nachwahl fürs japanische Unterhaus an.
Für die geplante Abe-Reise hätten blaue Plastikplanen mit übernächtigten Menschen offenbar keinen positiven Werbeeffekt bedeutet. Es stand zudem zu befürchten, daß durch die mitreisenden internationalen Journalisten Bilder von auf Plastikplanen nächtigenden Japanern um alle Welt gegangen wären. Also sollten die Menschen aus dem Freien verschwinden. Die offizielle Begründung lautete, es sei Regen vorhergesagt.
Kōno wies die zuständigen kommunalen Behörden nun entsprechend an. Um 20:53 h twitterte Kōno, er sei „ständig in Kontakt mit dem Gouverneur von Kumamoto [Kabashima Ikuo 蒲島郁夫] und dem Vizeminister Matsumoto [Fumiaki 松本文明]“.3 Doch dabei gab es offenbar heftigen Widerstand. Die Zeitung Mainichi Shinbun 毎日新聞 berichtete um 23:25 h nämlich:

Laut Vizeminister Matsumoto drückte der Gouverneur, als „Katastrophenschutzminister Kōno (Tarō) ihm nachdrücklich mitteilte, ‚Mir wurde heute eindringlich aufgetragen: «Löse noch heute die Evakuierungslager unter freiem Himmel auf!»‘ seinen Unmut mit den Worten aus: ‚Die Leute sind nicht nach draußen gegangen, weil es an Evakuierungslagern fehlt. Sie sind rausgegangen, weil sie Angst vor den Nachbeben haben und nicht im Innern der Gebäude bleiben können. Ihr habt keine Ahnung von der Gefühlslage vor Ort!'“

Es handelt sich um eine dreifache Schachtelung von Zitaten, wobei der Ausdruck „Evakuierungslager unter freiem Himmel“ (aozora hinanjo 青空避難所) offenbar von Ministerpräsident Abe selbst gegenüber Kōno verwendet wurde. Der Vorwurf des Gouverneurs, die Regierungszentrale habe kein Verständnis für die Gefühlslage (kimochi 気持ち) der Menschen vor Ort, verrät erhebliche Verärgerung.

16. April

Zwei Stunden nach dieser Meldung ereigneten sich um 1:30 h und 1:40 h in der Kumamoto-Region zwei Beben mit einer Magnitude von 7.1 und einer Intensität von 6+. Bei diesen Beben, die inzwischen nicht als Nachbeben gewertet werden (sondern das schwere Beben vom 14.4. wird vielmehr als Vorbeben angesehen), kamen diesmal rund 40 Menschen um. Ein beträchtlicher Teil von ihnen starb, weil sie in der Nacht gemäß der Forderung der Regierung Zuflucht „im Innern“ — nämlich in ihren Häusern — gesucht hatten: Die seit dem 14. April vorgeschädigten Gebäude kollabierten.
Die Aufräum-Aktion vom Vortag endete als totales Desaster. Fast 200.000 Menschen flohen nun aus ihren Häusern. Abes Besuch in Kumamoto wurde abgesagt, ebenso sein Wahlkampfauftritt auf Hokkaidō. Die aktuellen Fernsehbilder hätten nicht zur Werbung getaugt, und es wäre wohl zu befürchten gewesen, daß Abe die „Gefühlslage“ der Menschen in Kumamoto sehr deutlich zu spüren bekommen hätte.

23. April

Am 23. April holte Abe seinen Besuch in Kumamoto nach, wo die schlimmsten Trümmer inzwischen beseitigt worden waren. Am 24. April fand die Nachwahl auf Hokkaidō statt. Der Kandidat des Regierungslagers siegte.

Japan als Potemkinsches Dorf

Wenigstens ist es dem Regierungslager bislang gelungen, eine ausgedehnte Berichterstattung über die Frage nach Abes Verantwortlichkeit zu verhindern. Außer der Lokalausgabe der Mainichi Shinbun hat niemand die Nachricht aufgegriffen. Das war 2011 ganz anders, als der Besuch von Ministerpräsident Kan Naoto 菅直人 im Kernkraftwerk Fukushima II eilfertig skandalisiert wurde. Doch heute hat sich Japans Presse ganz in den Dienst einer Maschinerie ergeben, der es nur darauf ankommt, ein makelloses Bild Japans zu präsentieren. Die Olympischen Spiele von 2020 in Tōkyō und die hochgesteckten Ziele für die Förderung des internationalen Tourismus bilden hierfür das nationale Druckmittel, um das schöne Bild eines sauberen und heiteren Japan ja nicht zu beschmutzen: Japan verkommt zur Potemkinschen Kulisse für die Selbstdarstellung seiner Politiker.
Nein, mit der Gefühlslage der Bevölkerung hat dies nichts zu tun. Die hat auch weiterhin Angst vor Erdbeben.

Anmerkungen

1 Tweet von Kōno Tarō vom 15.4.2016, 12:59 h
2 Tweet von Kōno Tarō vom 15.4.2016, 16:35 h
3 Tweet von Kōno Tarō vom 15.4.2016, 20:53 h

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Wie liest man eine Erdbebenmeldung?

Deutsche Medien sind leider in ihren Meldungen über Erdbeben (die ja überwiegend im weit entfernten Ausland stattfinden) notorisch unzuverlässig, weil sie sich nicht an sinnvolle Standards halten.

„Stärke“ ist Unfug!

Typischerweise beginnt eine Meldung in Deutschland so:

… hat sich ein Erdbeben der Stärke X

Bereits hier lohnt sich das Abschalten. „Stärke“ ist keine brauchbare Beschreibung eines Erdbebens. Man muß stets unterscheiden zwischen „Magnitude“ (das ist die geologische Meßgröße für ein Erdbeben) und „Intensität“ (das ist die Meßgröße für die Auswirkungen, die ein Erdbeben auf der Erdoberfläche mit sich bringt). Denn ein noch so „starkes“ Erdbeben (mit hoher Magnitude) muß keinen großen Schaden anrichten, wenn es tief unter der Erdoberfläche stattfindet. Leider ist den meisten deutschen Journalisten dies offenbar unbekannt. Was hier „Stärke“ genannt wird, ist meist die Magnitude, die allein eben noch nicht viel aussagt.

„Richterskala“ ist Unfug!

Häufig geht es deshalb weiter in der Meldung:

… auf der nach oben hin offenen Richterskala

Bei einem Erdbeben, wie es in Italien oder Griechenland immer wieder einmal vorkommt, mag das vielleicht angehen. Aber die meisten Erdbeben, über die in Deutschland berichtet wird, haben ganz andere Dimensionen und sprengen deshalb die von Charles Richter und Beno Gutenberg 1935 in einer logarithmischen Formel aufgestellte Magnitudenskala: Ab einer bestimmten Größe versagt ihre Formel. Sie wurde deshalb 1977 von Kanamori Hiroo modifiziert und heißt seitdem Momenten-Magnitude. Wichtig ist, daß sie logarithmisch ist: Ein Erdbeben der Magnitude 9,0 ist 1000-fach stärker als ein Erdbeben der Magnitude 7,0 und 32-fach stärker als bei der Magnitude 8,0!

Intensitätsskalen

Aber noch einmal: Über die dabei auftretenden Schäden an Mensch und Natur ist damit noch nichts gesagt. Deshalb werden in japanischen Medien nicht die Magnitudenwerte zuerst genannt, sondern die Intensität. In Japan gilt dabei eine Skala, die 1900 von Ōmori Fusakichi in 7 Stufen erstellt wurde. Sie wurde nach dem Kōbe-Ōsaka-Erdbeben 1996 auf 10 Stufen erweitert, doch durch einen Numerierungstrick bleibt die Stufe 7 die höchste. Ein Erdbeben der Stufe (jap. 震度 shindo) 7 (wie es jetzt in Kumamoto sich ereignet hat) ist das „stärkste“ (also intensivste) Beben, das sich nach japanischen Maßstäben messen läßt!
Bis zu einer Intensität von 4 muß man sich demgegenüber wenig Gedanken machen. Jedenfalls nicht in Japan, wo die meisten Gebäude so konzipiert worden sind, daß sie Erdbeben standhalten sollen. In Italien, Griechenland oder dem Rheingraben gilt dies nicht. Deshalb wird dort auch eine andere Intensitätsskala verwendet, nämlich die 1897 von Giuseppe Mercalli erstellte zehnteilige Skala. Für Japan ist sie einfach nicht aussagekräftig genug. Vielleicht lernen dies deutsche Medien auch noch irgendwann einmal, aber viel Hoffnung habe ich nicht.

Skala der Erdbebenintensität (Modifizierte Ōmori-Skala)

Stufemax. Beschleunigung (mm/s)Wirkungen (u.a.)
0< 500nicht spürbar
1< 1.500kaum spürbar
2< 2.500spürbar; Deckenleuchten pendeln
3< 3.500gut spürbar; kann Angst auslösen
4< 4.500löst Angst aus; Schlafende wachen auf; hoch gelagerte Gegenstände können herabfallen
5-< 5.000verbreitete Angstzustände; Gehen erschwert; Möbel machen Geräusche; Bücher fallen aus Regalen
5+< 5.500Angst; Bewegungen erschwert; Fernseher fallen um; Eßgeschirr fällt aus den Regalen; Aufzüge setzen aus
6-< 6.000Stehen erschwert; Möbel fallen um; Türen klemmen; manche Häuser werden beschädigt
6+< 6.500Stehen umöglich; Dachziegel fallen herab; Fensterglas bricht; Mauern fallen um; Versorgungsleitungen werden beschädigt; Häuser werden zerstört
7ab 6.500freie Bewegungen unmöglich; Möbel verrutschen unkontrolliert; Grabsteine fallen um; auch stabile Häuser werden zerstört; Gas und Strom fallen aus; Straßen und Eisenbahnen werden beschädigt; Bergrutsche
Ursprünglich 1900 von Ōmori Fusakichi als 7-teilige Skala entwickelte, 1996 auf 10 Stufen erweiterte, in Japan gültige Bewertung der Intensität eines Erdbebens

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Erdbebenserie in Kumamoto-Region hält an

Die Serie schwerer Erschütterungen in der Region Kumamoto 熊本 seit dem 14.4.2016 reißt nicht ab. Während es nach dem 17.4. zunächst so aussah, als gingen die Zahl und Intensität der Beben zurück, wurden ab dem 18.4. erneut heftige Erdbeben registriert. Sie verteilen sich auf den Umkreis von Kumamoto selbst, auf die Region Aso 阿蘇 (nahe dem gleichnamigen Vulkan) sowie die Region Ōita 大分 in der gleichnamigen Nachbarpräfektur. Bis zum Abend des 19.4. wurden hier 639 Erdbeben gemessen. Forscher gelang es bisher nicht zu klären, wie diese Erdbeben zusammenhängen. Das erste schwere Beben vom 14.4. wird inzwischen als Vorbeben des noch schwereren Bebens vom 16.4. betrachtet. Doch es ist nicht klar, ob die weiteren Beben als Nachbeben erklärt werden können. Zudem wird befürchtet, daß sich die Bebenkette entlang der Mittleren Tektonischen Linie von Kyūshū nach Shikoku und von dort aus nach Honshū ausdehnen kann. Auf dieser Linie lägen auch Ōsaka und der Fuji-Berg. Jedenfalls mahnen die Behörden die Bevölkerung zur Vorsicht. Viele Japaner auch in anderen Landesteilen haben vorsorglich ihre Notrationen aufgefüllt. Eine ältere Japanerin drückte sich angesichts der allgemeinen Verunsicherung so aus:

Wir haben das Gefühl, auf einer Reihe entzwei gebrochener Reisschalen zu sitzen.

Schwere Erdbeben in Kumamoto und Umgebung vom 14. bis 19.4.2016 (Quelle: Japanisches Wetteramt, Stand: 19.4.2016)
DatumUhrzeitRegionMagnitudeIntensität
2016-04-1923:27Kumamoto3.23
2016-04-1922:30Kumamoto3.73
2016-04-1920:50Kumamoto4.95-
2016-04-1920:37Kumamoto3.23
2016-04-1919:49Miyazaki-Küste3.41
2016-04-1918:20Kumamoto3.33
2016-04-1918:18Kumamoto3.33
2016-04-1918:12Kumamoto4.03
2016-04-1918:09Amakusa-Ashikita3.93
2016-04-1918:06Kumamoto4.03
2016-04-1918:01Kumamoto3.73
2016-04-1917:56Kumamoto5.55+
2016-04-1916:25Aso3.43
2016-04-1915:09Aso4.03
2016-04-1915:01Aso3.23
2016-04-1914:58Miyazaki-Küste3.92
2016-04-1914:18Aso3.23
2016-04-1913:40Kumamoto3.33
2016-04-1912:57Kumamoto4.03
2016-04-1909:26Kumamoto3.53
2016-04-1908:56Aso3.33
2016-04-1908:20Aso3.73
2016-04-1908:16Aso3.73
2016-04-1906:25Aso3.33
2016-04-1906:24Aso4.04
2016-04-1903:41Aso3.33
2016-04-1903:12Kumamoto2.93
2016-04-1901:57Kumamoto3.84
2016-04-1823:26Aso3.13
2016-04-1822:35Aso3.23
2016-04-1822:25Aso3.43
2016-04-1821:51Aso3.53
2016-04-1821:21Kumamoto3.94
2016-04-1821:02Aso3.43
2016-04-1820:59Aso2.93
2016-04-1820:54Aso3.13
2016-04-1820:51Aso5.85+
2016-04-1820:45Aso5.85+
2016-04-1820:31Kumamoto2.43
2016-04-1819:59Kumamoto3.33
2016-04-1818:57Kumamoto3.83
2016-04-1817:07Ōita-Mitte3.73
2016-04-1815:03Kumamoto3.23
2016-04-1813:10Ōita-Mitte2.63
2016-04-1813:10Kumamoto3.23
2016-04-1812:41Kumamoto3.83
2016-04-1811:58Miyazaki-Küste3.31
2016-04-1809:06Kumamoto3.43
2016-04-1808:39Kumamoto4.14
2016-04-1807:57Kumamoto3.83
2016-04-1807:16Kumamoto3.43
2016-04-1805:43Kumamoto3.14
2016-04-1804:49Kumamoto3.84
2016-04-1804:06Kumamoto3.43
2016-04-1803:39Kumamoto3.23
2016-04-1800:13Kumamoto3.63
2016-04-1722:59Kumamoto3.74
2016-04-1719:45Aso3.33
2016-04-1719:33Ōita-Mitte2.82
2016-04-1719:26Kumamoto4.44
2016-04-1718:28Ōita-Mitte3.33
2016-04-1717:56Kumamoto2.93
2016-04-1717:21Ōita-Mitte2.83
2016-04-1716:11Kumamoto3.73
2016-04-1716:00Kumamoto3.53
2016-04-1715:38Ōita-Mitte2.93
2016-04-1714:44Kumamoto3.53
2016-04-1714:15Kumamoto2.73
2016-04-1713:43Kumamoto3.83
2016-04-1713:17Aso4.44
2016-04-1712:36Kumamoto3.33
2016-04-1712:30Kumamoto4.13
2016-04-1712:23Aso2.63
2016-04-1711:55Kumamoto3.54
2016-04-1711:38Aso3.23
2016-04-1711:02Kumamoto4.13
2016-04-1710:02Kumamoto3.74
2016-04-1709:43Kumamoto3.84
2016-04-1709:01Kumamoto3.43
2016-04-1708:41Ōita-Mitte2.63
2016-04-1706:20Kumamoto3.33
2016-04-1706:04Kumamoto3.63
2016-04-1705:46Kumamoto3.53
2016-04-1704:58Kumamoto2.73
2016-04-1704:50Kumamoto4.54
2016-04-1703:33Aso4.04
2016-04-1703:30Kumamoto3.43
2016-04-1703:10Kumamoto2.53
2016-04-1701:40Kumamoto3.23
2016-04-1701:02Aso4.04
2016-04-1700:59Kumamoto3.93
2016-04-1700:49Kumamoto2.93
2016-04-1700:29Kumamoto3.44
2016-04-1700:27Ōita-Nord2.53
2016-04-1700:19Aso4.94
2016-04-1700:07Kumamoto3.33
2016-04-1623:57Aso3.54
2016-04-1623:29Ōita-Mitte3.73
2016-04-1622:56Kumamoto3.33
2016-04-1622:28Kumamoto3.23
2016-04-1622:13Kumamoto3.53
2016-04-1622:09Kumamoto3.54
2016-04-1621:53Aso3.63
2016-04-1621:47Kumamoto3.43
2016-04-1621:32Kumamoto2.63
2016-04-1621:08Kumamoto4.54
2016-04-1621:05Aso2.83
2016-04-1620:47Kumamoto3.73
2016-04-1618:28Kumamoto3.94
2016-04-1617:44Kumamoto4.14
2016-04-1617:21Kumamoto3.44
2016-04-1617:08Kumamoto2.73
2016-04-1616:59Kumamoto3.33
2016-04-1616:58Kumamoto3.73
2016-04-1616:05Kumamoto5.35-
2016-04-1615:50Kumamoto3.93
2016-04-1615:47Kumamoto3.53
2016-04-1615:21Ōita-Mitte3.03
2016-04-1615:19Kumamoto3.53
2016-04-1615:03Aso3.33
2016-04-1614:49Kumamoto3.63
2016-04-1614:34Kumamoto3.43
2016-04-1614:30Kumamoto4.54
2016-04-1614:07Aso4.54
2016-04-1613:32Ōita-Mitte3.23
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