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Sieben Ministerpräsidenten bestochen: Strom-Manager packt aus

In einem Interview mit der Asahi Shinbun (auch als Video im Internet zugänglich) hat der 91-jährige Naitō Chimori 内藤千百里, ehemaliger Vizepräsident des Energiekonzerns Kansai Denryoku 関西電力, zugegeben, von 1972 an 18 Jahre lang sieben verschiedene Ministerpräsidenten mit hohen Summen bestochen zu haben. Zu seinen Kunden gehörten Tanaka Kakuei 田中角栄, Miki Takeo 三木武夫, Fukuda Takeo 福田赳夫, Ōhira Masayoshi 大平正芳, Suzuki Zenkō 鈴木善幸, Nakasone Yasuhiro 中曽根康弘 und Takeshita Noboru 竹下登. Jedes Jahr haben sie nach seiner Aussage im Sommer und Winter jeweils 10 Mio. Yen von ihm in bar erhalten. Die noch lebenden unter ihnen bestreiten die Vorwürfe natürlich oder haben keine Erinnerung daran.
Aber falls Naitō nicht lügt, wird sehr deutlich und verständlich, wie sich Japans Stromkonzerne (von denen Kansai Denryoku nur einer ist) Einfluß und Gehör in Politik und Verwaltung verschafft haben, wie das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik „geschmiert“ wurde und warum z.B. beim Aufbau der japanischen Atomwirtschaft alle Warnungen in den Wind geschlagen wurden.
Die meisten der Betroffenen sind tot. Die Überlebenden täten Japan einen riesigen Gefallen, wenn sie sich wieder erinnern würden. Nicht nur zur Wahrheitsfindung, sondern zur Zukunftsgestaltung.

Autor: Reinhard Zöllner

Geb. 1961. Historiker und Japanologe. Seit 2008 Professor an der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.

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