{"id":8194,"date":"2025-09-24T18:53:24","date_gmt":"2025-09-24T16:53:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=8194"},"modified":"2025-09-25T09:51:06","modified_gmt":"2025-09-25T07:51:06","slug":"ministerpraesident-ishibas-rede-vor-den-vereinten-nationen-vom-24-9-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=8194","title":{"rendered":"Ministerpr\u00e4sident Ishibas Rede vor den Vereinten Nationen vom 23.9.2025"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einf\u00fchrung<\/h3>\n\n\n<p><em>Der scheidende japanische Ministerpr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shigeru_Ishiba\">Ishiba Shigeru<\/a>\u3000\u77f3\u7834\u8302 stellte in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung am 23. September 2025 die Vereinten Nationen als unverzichtbares Fundament f\u00fcr Frieden, Sicherheit und Entwicklung dar, wies aber zugleich auf deren strukturelle Grenzen hin, insbesondere durch das Vetorecht im Sicherheitsrat. Ishiba betont die Notwendigkeit einer Reform des Rates, um dessen Legitimit\u00e4t und Handlungsf\u00e4higkeit zu st\u00e4rken, und rief eindringlich zu Verantwortung und globaler Governance auf. Neben sicherheitspolitischen Fragen &#8212; von Ru\u00dflands Krieg gegen die Ukraine \u00fcber den Nahostkonflikt (die Anerkennung Pal\u00e4stinas sei nur eine Frage der Zeit) bis zu Nordkoreas Atomprogramm &#8212; legte er gro\u00dfen Nachdruck auf humanit\u00e4re Prinzipien, das Konzept der \u201emenschlichen Sicherheit\u201c sowie auf wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit, etwa in Afrika. Besonders betonte er Japans Engagement f\u00fcr nukleare Abr\u00fcstung, die F\u00f6rderung einer \u201efreien und offenen indopazifischen Ordnung\u201c und die Bedeutung einer widerstandsf\u00e4higen Demokratie, die Totalitarismus, Populismus und Nationalismus entgegensteht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ishiba machte deutlich, da\u00df Japan sich als verantwortlicher, multilateraler Akteur versteht, der Reformen anstrebt, um die UNO handlungsf\u00e4higer zu machen, internationale Kooperation vor nationale Alleing\u00e4nge stellt und Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie nukleare Abr\u00fcstung als Leitlinien seiner Au\u00dfenpolitik begreift. Japan pr\u00e4sentiert er dabei als moralisch verpflichteten, aber pragmatisch agierenden Partner, der Stabilit\u00e4t, Toleranz und Zusammenarbeit \u00fcber Konfrontation und Machtpolitik stellt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Rede ist ein bemerkenswertes Zeugnis der liberalen Haltung, welche in Japans politischem Mainstream immer noch vorherrscht. Angesichts bedrohlicher autorit\u00e4rer Tendenzen in vielen Teilen der Welt ist sie ein erfreuliches und unzweideutiges Bekenntnis zur westlichen Wertegemeinschaft, wie sie auch f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union repr\u00e4sentativ ist. Ich dokumentiere sie im folgenden in vollst\u00e4ndiger \u00dcbersetzung aus dem Japanischen nach dem Manuskript, welches vom Japanischen Au\u00dfenministerium <a href=\"https:\/\/www.mofa.go.jp\/mofaj\/fp\/un\/pageit_000001_02451.html\">ver\u00f6ffentlicht<\/a> wurde, erg\u00e4nzt um auf die Rede bezogene Kommentare der japanischen Medien.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Allgemeines<\/h3>\n\n\n\n<p>Frau Pr\u00e4sidentin, meine Damen und Herren,<\/p>\n\n\n\n<p>worin besteht der Zweck der Vereinten Nationen, bei denen wir uns hier versammelt haben? Kommt die UNO gegenw\u00e4rtig ihrer ihr zugedachten Rolle nach?<\/p>\n\n\n\n<p>Vor nunmehr 80 Jahren wurden die Vereinten Nationen gegr\u00fcndet, um zum Kern einer von kollektiver Sicherheit getragenen neuen internationalen Ordnung zu werden. Der Erste Weltkrieg war der erste totale Krieg der Geschichte. Um seine Wiederkehr zu verhindern, wurde der V\u00f6lkerbund geschaffen. Doch er vermochte den Zweiten Weltkrieg nicht zu verhindern. In Reflexion darauf wurden die Vereinten Nationen als Organisation zum Schutz des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit gegr\u00fcndet \u2013 mit den Siegerm\u00e4chten im Zentrum. Aber erf\u00fcllen die Vereinten Nationen acht Jahrzehnte sp\u00e4ter tats\u00e4chlich die ihnen urspr\u00fcnglich zugedachte Rolle? K\u00f6nnen sie ihre Funktionen vollumf\u00e4nglich entfalten?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Entstehung der UNO \u2013 Frieden und Sicherheit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Frau Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n\n\n\n<p>Frieden und Sicherheit sind keineswegs gegeben: Ohne aktives Bem\u00fchen stellen sich Frieden und Sicherheit nicht ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie in der Charta festgeschrieben, ist der wichtigste Zweck der UNO die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit. Die Hauptverantwortung daf\u00fcr tr\u00e4gt der Sicherheitsrat. Den f\u00fcnf Staaten, die bei der Gr\u00fcndung eine f\u00fchrende Rolle spielten, wurden st\u00e4ndige Sitze und das Vetorecht einger\u00e4umt; eben deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung. Unter dem Sicherheitsrat wurde auch die Schaffung einer UN-Truppe vorgesehen. F\u00fcr den Fall, da\u00df der Sicherheitsrat nicht funktioniert, wurden das individuelle und das kollektive Selbstverteidigungsrecht anerkannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Sicherheitsrat konnte wegen des Vetorechts der St\u00e4ndigen Mitglieder in vielen Krisenf\u00e4llen die notwendigen Entscheidungen nicht treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich haben die Mitgliedstaaten ihre Weisheit geb\u00fcndelt und verschiedene Mechanismen sch\u00f6pferisch weiterentwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>1950 wurde die Resolution \u201eVereinigt f\u00fcr den Frieden\u201c verabschiedet, wodurch die Generalversammlung handeln konnte.<sup><a id=\"f1\"><a href=\"#n1\">1<\/a><\/a><\/sup> 1956, in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Suezkrise\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Suezkrise\">Suezkrise<\/a>, nahmen die beteiligten Staaten, darunter die als St\u00e4ndige Mitglieder fungierenden Vereinigten K\u00f6nigreich und Frankreich, die Resolution einer Dringlichen Sondertagung der Generalversammlung an, und die K\u00e4mpfe wurden eingestellt. Es wurden auch in der Charta nicht vorgesehene Friedenssicherungseins\u00e4tze geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zweiter_Golfkrieg\">Golfkrieg<\/a> wurde durch eine Resolution des Sicherheitsrats der Einsatz von Gewalt durch Mitgliedstaaten gebilligt. Seit 2022 werden St\u00e4ndige Mitglieder, die ihr Vetorecht aus\u00fcben, aufgefordert, dies vor der Generalversammlung zu erl\u00e4utern. Gleichwohl vermag der Sicherheitsrat bis heute seine Funktionen nicht ausreichend zu erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das augenf\u00e4lligste Beispiel ist die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russisch-Ukrainischer_Krieg\">russische Invasion in die Ukraine<\/a>. Ein St\u00e4ndiges Mitglied des Sicherheitsrats, das eine besondere Verantwortung f\u00fcr Frieden und Sicherheit tragen sollte, \u00fcberf\u00e4llt seinen Nachbarn und ersch\u00fcttert das Fundament der internationalen Ordnung. Sicherheitsratsresolutionen scheitern am Veto; Generalversammlungsresolutionen, die den sofortigen R\u00fcckzug Russlands fordern, werden zwar angenommen, aber nicht umgesetzt. Ru\u00dfland interpretiert Artikel 51<sup><a id=\"f2\"><a href=\"#n2\">2<\/a><\/a><\/sup> der Charta eigenm\u00e4chtig und setzt unter dem Banner kollektiver Selbstverteidigung den Angriff auf die Ukraine fort. Das erinnert an den \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Prager_Fr%C3%BChling\">Prager Fr\u00fchling<\/a>\u201c 1968; Artikel 51 der UN-Charta darf keinesfalls willk\u00fcrlich gebraucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Vetorecht war wohl eine unvermeidliche Wahl als Sicherheitsventil, um einen direkten Zusammensto\u00df der Gro\u00dfm\u00e4chte zu vermeiden. Doch die der UNO innewohnenden Grenzen liegen inzwischen offen zutage.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n\n\n\n<p>im R\u00fcckblick auf den Weg der Vereinten Nationen gilt: Eine Reform des Sicherheitsrats mu\u00df jetzt entschlossen umgesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl eine Erweiterung der st\u00e4ndigen als auch der nichtst\u00e4ndigen Sitze ist notwendig. Obwohl die Zahl der Mitgliedstaaten gegen\u00fcber der Gr\u00fcndungszeit auf das Vierfache gestiegen ist, ist die Zahl der St\u00e4ndigen Mitglieder unver\u00e4ndert geblieben. Es gen\u00fcgt freilich nicht, die Sitze willk\u00fcrlich zu vermehren. Doch ist es m\u00f6glich, die Repr\u00e4sentativit\u00e4t zu erh\u00f6hen, ohne die Handlungsf\u00e4higkeit des Rats zu beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer Ausweitung der Sitze mu\u00df auch der Umgang mit dem Vetorecht st\u00e4ndiger Mitglieder bedacht werden. F\u00fcr neue St\u00e4ndige Mitglieder schlagen wir, die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/G4_nations\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/G4_nations\">G4<\/a>,<sup><a id=\"f3\"><a href=\"#n3\">3<\/a><\/a><\/sup> vor, das Vetorecht f\u00fcr 15 Jahre auszusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Sicherheitsrat erweitert wird und die Vereinten Nationen mit gr\u00f6\u00dferer Legitimit\u00e4t die anstehenden Aufgaben angehen, wird die Organisation zumindest besser sein als heute \u2013 um es bewu\u00dft bescheiden zu sagen: \u201ebesser als jetzt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/UN_Zukunftspakt\">Zukunftspakt\u201c<\/a><sup><a id=\"f4\"><a href=\"#n4\">4<\/a><\/a><\/sup> haben wir Staats- und Regierungschefs der UN-Mitgliedstaaten im vergangenen Jahr die dringende Notwendigkeit einer Reform des Sicherheitsrats erkannt und eine Verst\u00e4rkung der Bem\u00fchungen zugesagt. Doch wie weit sind die Beratungen in diesem Jahr vorangekommen? Wir tragen die Verantwortung, die Gespr\u00e4che zur Verwirklichung der Reform zu beschleunigen und rasch zu einem Ergebnis zu kommen. Wir haben keine Zeit f\u00fcr gegenseitiges Blockieren \u00fcber die Modalit\u00e4ten der Erweiterung. Wir m\u00fcssen uns der Tatsache bewu\u00dft sein, da\u00df in dieser Welt, w\u00e4hrend ich hier spreche, Menschen ohne Schuld und Tadel<sup><a id=\"f5\"><a href=\"#n5\">5<\/a><\/a><\/sup> ihr Leben verlieren. Der Wiederaufbau einer verantwortlichen globalen Governance, die entschlossene Umsetzung der Reform des Sicherheitsrats &#8212; dazu ruft Japan die internationale Gemeinschaft mit Nachdruck auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n\n\n\n<p>am Ende des Kalten Krieges gab es zweifellos eine Phase, in der die Hoffnung auf Frieden in der Welt aufkeimte. Doch sie war nur von kurzer Dauer. Ethnische Konflikte, wie im ehemaligen Jugoslawien, und die synchronen Terroranschl\u00e4ge [vom 11. September 2001], bei denen auch dieses New York<sup><a id=\"f6\"><a href=\"#n6\">6<\/a><\/a><\/sup> Ziel war: Akteure, die keine Staaten sind, verf\u00fcgen \u00fcber eine Zerst\u00f6rungskraft, die der von Staaten gleichkommt &#8212; eine Lage, die man bei der Gr\u00fcndung der UNO nicht f\u00fcr m\u00f6glich hielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Territorien, Ethnien, Religionen, wirtschaftliche Ungleichheit &#8212; diese Saatkeime des Konflikts werden aus der Welt leider nicht verschwinden. In einer multipolarer werdenden internationalen Gemeinschaft spitzen sie sich eher zu. Welche Rolle sollen die Vereinten Nationen in dieser harten Zeit erf\u00fcllen?<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n\n\n\n<p>in Bezug auf Pal\u00e4stina befinden wir uns in einer \u00e4u\u00dferst ernsten und besorgniserregenden Phase, welche die seit Langem von der Weltgesellschaft erstrebte und von meinem Land konsequent unterst\u00fctzte \u201eZwei-Staaten-L\u00f6sung\u201c in ihren Grundlagen ersch\u00fcttern k\u00f6nnte. Die Ausweitung der Bodenoperationen der israelischen Streitkr\u00e4fte in der Stadt Gaza versch\u00e4rft die bereits schwere humanit\u00e4re Krise im Gazastreifen &#8212; einschlie\u00dflich Hungersnot &#8212; erheblich. Das ist f\u00fcr mein Land absolut inakzeptabel, und ich verurteile es mit sch\u00e4rfsten Worten. Wir fordern die sofortige Einstellung der Operationen. \u00c4u\u00dferungen hochrangiger israelischer Regierungsvertreter, die einer vollst\u00e4ndigen Negierung der pal\u00e4stinensischen Staatsidee gleichkommen, erf\u00fcllen uns mit \u00e4u\u00dferster Emp\u00f6rung. Das unvorstellbare Leid der Menschen in Gaza darf keinesfalls ignoriert werden. Japan hat stets an der Seite von Leben und W\u00fcrde der Menschen in Gaza gestanden &#8212; unter anderem durch humanit\u00e4re Hilfe wie die Behandlung Verwundeter in Japan &#8212; und wird weiterhin alle Anstrengungen unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab tats\u00e4chlich einst Epochen, in denen Juden und Araber \u00fcber Jahrhunderte friedlich zusammenlebten. Viele Menschen sind tief ersch\u00fcttert \u00fcber den Terror der Hamas und das Elend in Gaza, die wir heute sehen. Den unter dem Oslo-Prozess m\u00fchsam errungenen, vom internationalen Gemeinwesen Schritt f\u00fcr Schritt aufgebauten Weg zum Nebeneinander zweier Staaten d\u00fcrfen wir nicht abrei\u00dfen lassen. <b>F\u00fcr mein Land ist die Anerkennung des Staates Pal\u00e4stina keine Frage des Ob, sondern des Wann.<\/b> Einseitige Handlungen der israelischen Regierung d\u00fcrfen keinesfalls akzeptiert werden. Sollten weitere Schritte unternommen werden, die den Weg zur \u201eZwei-Staaten-L\u00f6sung\u201c versperren, wird mein Land neue Ma\u00dfnahmen ergreifen &#8212; das stelle ich hiermit unmi\u00dfverst\u00e4ndlich fest. Das Wichtigste ist, da\u00df Pal\u00e4stina in tragf\u00e4higer Form besteht und mit Israel koexistiert. Japan wird weiterhin eine realistische und aktive Rolle spielen, die uns dem Ziel der Zwei-Staaten-L\u00f6sung, und sei es nur ein einzelner Schritt, n\u00e4herbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir Pal\u00e4stina als verantwortlichen Akteur in die internationale Gemeinschaft aufnehmen wollen, muss auch die pal\u00e4stinensische Seite eine verantwortungsvolle Regierungsf\u00fchrung aufbauen. Wie in der Resolution der Generalversammlung vom 12. September best\u00e4tigt, fordern wir die Hamas mit Nachdruck auf, die Geiseln unverz\u00fcglich freizulassen und die Waffen an die Pal\u00e4stinensische Autonomiebeh\u00f6rde zu \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Japan wird den Staatsaufbau Pal\u00e4stinas &#8212; also wirtschaftliche Eigenst\u00e4ndigkeit und wirksame Regierungsf\u00fchrung &#8212; nachdr\u00fccklich unterst\u00fctzen. In dem von uns unterst\u00fctzten Industriepark f\u00fcr Agrarverarbeitung in Jericho im Westjordanland<sup><a id=\"f7\"><a href=\"#n7\">7<\/a><\/a><\/sup> besch\u00e4ftigen derzeit 17 pal\u00e4stinensische Unternehmen mehr als 300 dort lebende Menschen; es werden aus Oliven hergestellte Nahrungserg\u00e4nzungsmittel, Nahrungs- und Arzneimittel sowie andere h\u00f6herwertige Produkte exportiert. Die wirtschaftliche Eigenst\u00e4ndigkeit [Pal\u00e4stinas] mu\u00df gesichert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne pflichtbewu\u00dfte und leistungsf\u00e4hige Beamte kann ein Staat niemals funktionieren. Korruption im \u00f6ffentlichen Dienst darf es nicht geben. Japan hat in den vergangenen 27 Jahren mehr als 7.000 Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser f\u00fcr die St\u00e4rkung des Verwaltungspersonals ausgebildet und wird auch weiterhin die Entwicklung von Fachkr\u00e4ften in Pal\u00e4stina aktiv f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesen Vorhaben werden wir mit Partnerl\u00e4ndern in S\u00fcdostasien, darunter auch muslimische Staaten wie Indonesien und Malaysia, zusammenarbeiten. Zu diesem Zweck hat Japan vor zw\u00f6lf Jahren, 2013, einen entsprechenden Rahmen geschaffen und vorangetrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Land unterst\u00fctzt nachdr\u00fccklich die Idee, durch die Ausweitung des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abraham_Accords_Declaration\">Abraham-Abkommens<\/a> dauerhaften Frieden und Stabilit\u00e4t in der gesamten Region des Nahen Ostens zu schaffen. Dieses Abkommen tr\u00e4gt den Namen des gemeinsamen Stammvaters von Juden, Christen und Muslimen. Es ist \u00e4u\u00dferst bedauerlich, da\u00df die Umsetzung des Abraham-Abkommens in den vergangenen zwei Jahren ins Stocken geraten ist, doch bin ich \u00fcberzeugt, da\u00df sein Wert nicht verloren geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n\n\n\n<p>nukleare Drohungen werden von einem St\u00e4ndigen Mitglied des Sicherheitsrats in aller Seelenruhe ausgesprochen.<sup><a id=\"f8\"><a href=\"#n8\">8<\/a><\/a><\/sup> Ich bin zutiefst besorgt, da\u00df die Schwelle f\u00fcr einen m\u00f6glichen Einsatz von Kernwaffen sinken k\u00f6nnte und die Wirksamkeit nuklearer Abschreckung neue Risse erh\u00e4lt. Wir m\u00fcssen uns jetzt offensiv der Frage der Kernwaffen stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin mir der Stimmen im In- und Ausland bewu\u00dft, die von Japan als einzigem von Atombomben getroffenen Land den Beitritt zum Vertrag \u00fcber das Verbot von Kernwaffen fordern. Doch wir m\u00fcssen zun\u00e4chst eine \u201eWelt ohne Atomkrieg\u201c bewahren und dann eine \u201eWelt ohne Kernwaffen\u201c verwirklichen. Wir m\u00fcssen eine Welt ohne Atomkrieg und k\u00fcnftig eine Welt ohne Kernwaffen Wirklichkeit werden lassen. Daf\u00fcr ist der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Atomwaffensperrvertrag\">Atomwaffensperrvertrag<\/a>, in dem Kernwaffenstaaten und Nichtkernwaffenstaaten zusammenkommen, der wirksamste und realistischste, ja der einzige Rahmen. Japan appelliert mit Nachdruck an den Geist von Dialog und Kooperation, damit die \u00dcberpr\u00fcfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag im kommenden Jahr erfolgreich verl\u00e4uft und die Welt einer \u201eWelt ohne Kernwaffen\u201c wenigstens einen Schritt n\u00e4herkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mein Land, das sich in einem \u00e4u\u00dferst schwierigen sicherheitspolitischen Umfeld mit Blick auf Kernwaffen befindet, bleibt die erweiterte Abschreckung der Vereinigten Staaten, einschlie\u00dflich ihres nuklearen Schutzes, auch k\u00fcnftig notwendig, um Leben und Eigentum unserer Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen. Ich kann keine Position einnehmen, welche die Abschreckung ablehnt. Das ist die Realit\u00e4t einer verantwortlichen Sicherheitspolitik. Doch das durch Kernwaffen verursachte Leid und die Trag\u00f6die, die Japan erlitten hat, d\u00fcrfen sich niemals wiederholen. <b>Da\u00df <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hiroshima\">Hiroshima<\/a> der erste Ort des Atombombenabwurfs war, ist eine historische Tatsache; sie ist unver\u00e4nderlich. Ob aber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nagasaki\">Nagasaki<\/a> die letzte mit einer Atombombe bombardierte Stadt bleibt, h\u00e4ngt vom unerm\u00fcdlichen Einsatz und der Weisheit der Menschheit ab.<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele in der Welt ist das Bild der Atombombe der aus der Luft kurz nach dem Abwurf aufgenommene, aufsteigende Atompilz. Doch was geschah tats\u00e4chlich unter dieser Pilzwolke vor 80 Jahren in Hiroshima und Nagasaki? Am 6. August dieses Jahres nahm ich an der Friedensgedenkfeier in Hiroshima teil und stellte ein kurzes Gedicht vor:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Die dicken Knochen werden wohl die des Lehrers sein; daneben haben sich kleine Sch\u00e4delknochen versammelt.<sup><a id=\"f9\"><a href=\"#n9\">9<\/a><\/a><\/sup><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es ist ein Gedicht der Dichterin Sh\u014dda Shinoe, eingraviert auf dem \u201eDenkmal f\u00fcr die Lehrer und Kinder der Volksschule \u2013 Opfer der Atombombe\u201c nahe dem Hypozentrum. In lodernden Flammen klammern sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler verzweifelt an ihre Lehrkraft. Und die Lehrkraft, die diese Kinder nicht sch\u00fctzen konnte &#8212; ihre Stimme der Bitternis ist zu vernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zahlreichen Zivilisten wurden in einem Augenblick Leben und Zukunft geraubt. Die \u00dcberlebenden litten lange unter den gesundheitlichen Folgen der Strahlung. Dieses Leid dauert auch achtzig Jahre nach den Abw\u00fcrfen an. Ich w\u00fcnsche mir nachdr\u00fccklich, da\u00df die F\u00fchrenden dieser Welt und die jungen Menschen, die die Zukunft gestalten, Hiroshima und Nagasaki besuchen und sich ein Bild von der Realit\u00e4t des Leids machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n\n\n\n<p>Nordkorea stellt diese Bem\u00fchungen f\u00fcr eine \u201eWelt ohne Kernwaffen\u201c geradezu frontal infrage. Sein Programm f\u00fcr Kernwaffen und Raketen ist eine ernsthafte Bedrohung f\u00fcr Frieden und Sicherheit der internationalen Gemeinschaft. Ich fordere Nordkorea mit Nachdruck auf, die zahlreichen einschl\u00e4gigen Resolutionen des Sicherheitsrats vollst\u00e4ndig umzusetzen &#8212; mit dem Ziel vollst\u00e4ndiger Denuklearisierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt zwischen Japan und Nordkorea die Entf\u00fchrungsfrage. Die Entf\u00fchrten und ihre Familien sind alt geworden; dieses zeitlich dringende Thema ist eine humanit\u00e4re Frage, die keinen Aufschub duldet.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Grundlage der Erkl\u00e4rung von Py\u014fngyang<sup><a id=\"f10\"><a href=\"#n10\">10<\/a><\/a><\/sup> zwischen Japan und Nordkorea streben wir eine umfassende L\u00f6sung der offenen Fragen \u2013 Entf\u00fchrungen, Nuklear- und Raketenprogramme \u2013 an, die Bereinigung der ungl\u00fccklichen Vergangenheit und die Normalisierung der Beziehungen. An dieser Linie halten wir fest. Japan ruft Nordkorea weiterhin zum Dialog auf. Wir bitten die internationale Gemeinschaft nachhaltig um ihr Verst\u00e4ndnis und ihre Unterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Entwicklung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Frau Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n\n\n\n<p>die Rolle der Vereinten Nationen ersch\u00f6pft sich nicht in Sicherheitsfragen im engen Sinne. F\u00fcr die Verwirklichung von internationalem Frieden und Sicherheit sind auch die wirtschaftlichen und sozialen Aktivit\u00e4ten der UNO unverzichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Das von Japan betonte Konzept der \u201emenschlichen Sicherheit\u201c richtet den Blick auf das Individuum und sch\u00fctzt die menschliche W\u00fcrde. Japan verfolgt durch seine Hilfe niemals besondere wirtschaftliche Vorteile oder milit\u00e4rische St\u00fctzpunkte. Vielmehr will es schlicht mit allen L\u00e4ndern der Welt gemeinsam lachen, gemeinsam weinen und gemeinsam arbeiten. Das ist das Grundprinzip der internationalen Zusammenarbeit meines Landes.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dieser Entschlossenheit heraus hat Japan im vergangenen Monat in Yokohama die <a href=\"https:\/\/www.mofa.go.jp\/region\/africa\/ticad\/ticad9\/index.html\">9. Afrikanische Entwicklungskonferenz<\/a> (TICAD) ausgerichtet. Seit ihrer Gr\u00fcndung 1993 hat Japan konsequent den Ansatz verfolgt, Afrikas eigene L\u00f6sungswege zu unterst\u00fctzen. Auch in der diesj\u00e4hrigen Konferenz haben wir bekr\u00e4ftigt, zusammen mit afrikanischen Staaten innovative L\u00f6sungen f\u00fcr die Herausforderungen zu entwickeln, denen sie gegen\u00fcberstehen, und dabei japanische Technik und Erfahrung einzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur F\u00f6rderung von Handel und Investitionen zwischen Afrika und dem Indischen Ozean sowie zur weiteren Integration innerhalb Afrikas haben wir zudem die \u201eInitiative f\u00fcr einen Wirtschaftsraum Indischer Ozean\u2013Afrika\u201c vorgestellt. Bei ihrer Umsetzung werden wir eng mit Indien zusammenarbeiten. Japan wird sich auch k\u00fcnftig nach Kr\u00e4ften f\u00fcr die Verwirklichung eines \u201efreien und offenen Indopazifik\u201c (FOIP) einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schlu\u00df<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Frau Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n\n\n\n<p>kein Land kann eine helle Zukunft er\u00f6ffnen, wenn es sich nicht seiner Geschichte stellt. Die Schrecken des Krieges d\u00fcrfen niemals wiederholt werden. Am 15. August, dem diesj\u00e4hrigen Jahrestag des Kriegsendes, habe ich mir dies erneut fest ins Herz geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele aus der Generation, die den zweiten Weltkrieg der Menschheit erlebte, sind inzwischen in ihren L\u00e4ndern aus dem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens gegangen. Doch die internationale Gemeinschaft steuert erneut auf Spaltung und Konfrontation zu. Tag f\u00fcr Tag verlieren in der Ukraine, im Nahen Osten und auch in Ostasien, wo Japan liegt, Menschen ihr Leben. Die Sicherheit dieser Regionen ist eng miteinander verwoben. Die auf Rechtsstaatlichkeit gegr\u00fcndete freie und offene internationale Ordnung, die wir bisher angestrebt haben, steht jetzt vor einer historischen Bew\u00e4hrungsprobe. Ich m\u00f6chte mit Nachdruck appellieren: <b>Angesichts dieser Herausforderung ist es entscheidend, eine gesunde und widerstandsf\u00e4hige Demokratie weiter zu pflegen und standhaft zu verteidigen.<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin kein Optimist, der meint, mit der Ausbreitung der Demokratie kehre automatisch Frieden in die Welt ein. Totalitarismus und verantwortungsloser Populismus m\u00fcssen abgewiesen, engstirniger Nationalismus darf nicht zugelassen, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit nicht geduldet werden. Eine solche gesunde und widerstandsf\u00e4hige Demokratie ist es, so bin ich \u00fcberzeugt, die der freien und offenen internationalen Ordnung, ihrer Bewahrung und St\u00e4rkung sowie dem Weltfrieden und der internationalen Sicherheit entscheidend dient.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Fundament sind der Mut und die Redlichkeit, der Vergangenheit ins Auge zu schauen, die Pflege des Bewu\u00dftseins f\u00fcr Menschenrechte, ein gesunder \u00f6ffentlicher Diskursraum &#8212; einschlie\u00dflich eines Journalismus mit Mission &#8212; sowie jener Liberalismus, welcher die Ansichten anderer dem\u00fctig anh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Pr\u00e4sidentin,<\/p>\n\n\n\n<p>70 Jahre sind vergangen seit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bandung-Konferenz\">Bandung-Konferenz<\/a>, bei der sich die L\u00e4nder Asiens und Afrikas erstmals zusammenschlossen, um f\u00fcr Weltfrieden und Zusammenarbeit einzutreten. Es war die erste gro\u00dfe internationale Konferenz, an der Japan nach Kriegsende teilnahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen in Asien begegneten Japan nach dem Krieg mit einem Geist der Toleranz. Sicher war dies mit unerme\u00dflichen inneren Konflikten verbunden. Doch dank dieses Geistes der Toleranz konnte Japan unter dem Schwur der Friedfertigkeit seine Kr\u00e4fte f\u00fcr den dauerhaften Weltfrieden einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Austausch mit den f\u00fchrenden Politikern Koreas, Chinas, S\u00fcdostasiens und anderer L\u00e4nder habe ich mich in der \u00dcberzeugung best\u00e4rkt, die zukunftsgerichteten Beziehungen weiter auszubauen, und habe diese \u00dcberzeugung mit den Staats- und Regierungschefs geteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Jahr habe ich L\u00e4nder in Asien und Lateinamerika besucht und zahlreiche Gespr\u00e4che mit vielen in Japan weilenden Staats- und Regierungschefs gef\u00fchrt &#8212; insgesamt mit 90 L\u00e4ndern und vier internationalen Organisationen. Dabei habe ich vielfach gesp\u00fcrt, da\u00df Japan in der Welt gebraucht wird. Japan will auch k\u00fcnftig ein Land bleiben, das die Welt braucht. Das w\u00fcnsche ich mir nachdr\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6ge die Reform des Sicherheitsrats baldm\u00f6glichst Wirklichkeit werden.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6ge eine \u201eWelt ohne Atomkrieg\u201c, eine \u201eWelt ohne Kernwaffen\u201c Wirklichkeit werden.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6ge eine Welt entstehen, die globale Herausforderungen gemeinsam \u00fcberwindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Und m\u00f6gen wir Zusammenhalt der Spaltung und Nachsicht der Konfrontation voranstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Japan wird weiterhin an der Seite der internationalen Gemeinschaft gehen. Unersch\u00fctterlich werden wir an vorderster Front bleiben. Mit dieser Entschlossenheit m\u00f6chte ich meine Rede schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Japanische Medienreaktionen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Rezeption der japanischen Medien konzentrierte sich auf die Frage der staatlichen Anerkennung Pal\u00e4stinas. F\u00fchrende Tageszeitungen kritisierten, da\u00df Japan sie noch nicht vollzogen hat. Die liberale <em>Asahi Shinbun<\/em> \u671d\u65e5\u65b0\u805e kommentierte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Es ist \u00e4u\u00dferst bedauerlich, da\u00df Japan die Anerkennung diesmal vertagt hat. Premierminister Ishiba erkl\u00e4rte in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung: \u201eEs ist keine Frage, ob wir anerkennen, sondern wann.\u201c Doch jetzt, da die Zahl der Toten in Gaza 65.000 \u00fcbersteigt &#8212; kann das noch \u00fcberzeugend wirken? (&#8222;Isuraeru Koritsu dewa Anzen mamorenu&#8220;, <em>Asahi Shimbun<\/em>, Kommentar, 25.9.2025<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In \u00e4hnlicher Weise warnte auch die konservative <em>Yomiuri Shinbun<\/em> \u8aad\u58f2\u65b0\u805e, Japans Z\u00f6gern k\u00f6nne zu einem Imageschaden f\u00fchren:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Japan hat diesmal die Anerkennung Pal\u00e4stinas als Staat vertagt. Man d\u00fcrfte zu dem Schlu\u00df gekommen sein, da\u00df ein solcher Schritt derzeit wenig Wirkung h\u00e4tte, um die Greueltaten Israels zu stoppen. Vermutlich bestand auch die Sorge, da\u00df ein Widerspruch seitens der USA die japanisch-amerikanischen Beziehungen belasten k\u00f6nnte. Doch da inzwischen selbst das Vereinigte K\u00f6nigreich, das zu den USA in einem \u201ebesonderen Verh\u00e4ltnis\u201c steht, die Anerkennung ausgesprochen hat, k\u00f6nnte Japan andernfalls als stillschweigender Duldender der israelischen Verbrechen erscheinen. (<em>Yomiuri Shimbun<\/em>, Kommentar, 24.9.2025, S. 3<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die liberale <em>Mainichi Shinbun<\/em> \u6bce\u65e5\u65b0\u805e ging dagegen auf die innenpolitischen Hintergr\u00fcnde der Rede ein und hob hervor, da\u00df sich Ishiba pers\u00f6nlich sehr intensiv mit ihr besch\u00e4ftigt hatte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Als Premierminister Shigeru Ishiba am Abend des 23. September vor der UN-Generalversammlung in New York seine Rede im Rahmen der allgemeinen Aussprache hielt, gebrauchte er die Formulierung \u201eeigentliche Liberalit\u00e4t\u201c. Damit wollte er offenbar seine tiefe Besorgnis \u00fcber den wachsenden Nationalismus und Exklusivismus im In- und Ausland zum Ausdruck bringen und die Bedeutung von Demokratie und Liberalismus hervorheben.<br>Im Inland war bei den Sommerwahlen zum Oberhaus die Sanseit\u014d-Partei, die mit dem Slogan \u201eJapaner zuerst\u201c antrat, erstarkt. Zudem kam es zu einer Kontroverse um das Austauschprojekt \u201eHometown\u201c zwischen Japan und Afrika der staatlichen Entwicklungsorganisation JICA, bei dem sich im Internet falsche Informationen verbreiteten, etwa Japan werde von afrikanischen Migranten \u00fcberschwemmt. &#8230; Ishiba, in der LDP als moderat-konservativ mit liberaler Neigung bekannt, hatte die Rede nach Angaben von Vertrauten \u201emehr als zehnmal \u00fcberarbeitet\u201c, ehe sie in dieser Form vorgetragen wurde. (Tadokoro Yanako \u7530\u6240\u67f3\u5b50: &#8222;Ishiba Shush\u014d, Kokuren S\u014dkai de &#8222;Honrai no riberarizumu&#8220; uttae Haigai-shugi ni Kikikan.&#8220; <em>Mainichi Shinbun<\/em>, 25.9.2025)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n<p>Auch die tendenziell regierungskritische <em>Okinawa Times<\/em> \u6c96\u7e04\u30bf\u30a4\u30e0\u30b9 berichtete im Vorfeld, Ishiba sehe in dieser Rede wie eine Grundsatzerkl\u00e4rung seines politischen Denkens:<\/p>\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Zwar vermeidet der Premier nach Angaben aus seinem Umfeld ausdr\u00fccklich eine Stellungnahme zum Zweiten Weltkrieg selbst &#8230;, doch d\u00fcrfte seine Rede dennoch von Gedanken zum 80. Nachkriegsjahr gepr\u00e4gt sein. Die Generalversammlung versteht der Premier als wichtige Gelegenheit, seine Sicht darzulegen. &#8230; Gegen\u00fcber seinem Umfeld erkl\u00e4rte er, er habe die Rede \u201eimmer wieder \u00fcberarbeitet und mit M\u00fche feingeschliffen\u201c. (&#8222;Shush\u014d, Sengo 80-nen ni omoi &#8212; Kokuren Enzetsu Kenkai wa Kaihi&#8220; <em>Okinawa Times<\/em>, 21.9.2025, Morgenausgabe, S. 3)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Anmerkungen von Reinhard Z\u00f6llner<\/h3>\n\n\n\n<p><sup><a id=\"n1\"><a href=\"#f1\"><\/a><\/a>1<\/sup> Die UN-Generalversammlung verabschiedete am 3. November 1950 die Resolution 377 A <a href=\"https:\/\/docs.un.org\/en\/A\/RES\/377(V)\"><em>Uniting for Peace<\/em><\/a>. Sie sieht vor, da\u00df die Generalversammlung eine Sache unverz\u00fcglich \u00fcbernimmt und Empfehlungen zu kollektiven Ma\u00dfnahmen bis hin zum Einsatz bewaffneter Gewalt aussprechen kann, wenn der Sicherheitsrat wegen fehlender Einigkeit der f\u00fcnf St\u00e4ndigen Mitglieder handlungsunf\u00e4hig ist. Daf\u00fcr schuf sie den Mechanismus der \u201eau\u00dferordentlichen Sondertagung\u201c (ESS). Seitdem wurde eine ESS elfmal einberufen, zuletzt im Februar 2022 zur russischen Invasion in die Ukraine; die 10. und 11. ESS werden seit Jahren mehrfach vertagt und wiederaufgenommen und umfassen zahlreiche Plenarsitzungen.<\/p>\n\n\n\n<p><sup><a id=\"n2\"><a href=\"#f2\">2<\/a><\/a><\/sup> Artikel 51 der UN-Charta best\u00e4tigt, da\u00df ein bewaffneter Angriff gegen ein UN-Mitglied dessen nat\u00fcrliches Recht auf individuelle oder kollektive Selbstverteidigung nicht beeintr\u00e4chtigt. Dieses Recht gilt so lange, bis der Sicherheitsrat selbst die notwendigen Ma\u00dfnahmen zur Wahrung von Frieden und Sicherheit ergriffen hat. Alle dabei ergriffenen Ma\u00dfnahmen zur Selbstverteidigung m\u00fcssen dem Sicherheitsrat unverz\u00fcglich gemeldet werden und ber\u00fchren nicht dessen Befugnis und Pflicht, jederzeit eigene Ma\u00dfnahmen zur Wahrung oder Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit zu treffen.<\/p>\n\n\n\n<p><sup><a id=\"n3\"><a href=\"#f3\">3<\/a><\/a><\/sup> Brasilien, Deutschland, Indien und Japan.<\/p>\n\n\n\n<p><sup><a id=\"n4\"><a href=\"#f4\">4<\/a><\/a><\/sup> Der UN-Zukunftspakt ist ein multilaterales Abkommen, das im Rahmen des UN-Zukunftsgipfels im September 2024 von der Generalversammlung verabschiedet wurde. Er formuliert konkrete Verpflichtungen in den Themenbereichen nachhaltige Entwicklung und Finanzierung, Frieden und Sicherheit, Wissenschaft, Digitales und Innovation, Jugend und k\u00fcnftige Generationen sowie Governance-Transformation. Ziel ist es, die internationalen Institutionen an die ver\u00e4nderte globale Wirklichkeit anzupassen, um effektiver auf aktuelle Herausforderungen wie Klimawandel, Ungleichheit, digitale Transformation und Konflikte reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><sup><a id=\"n5\"><a href=\"#f5\">5<\/a><\/a><\/sup> \u7121\u8f9c\u306e\u4eba\u3005\u3001\u7f6a\u306e\u306a\u3044\u4eba\u3005 <em>muko no hitobito, tsumi no nai hitobito<\/em>: Ein japanischer Pleonasmus f\u00fcr &#8222;unschuldige Menschen&#8220;. Beide Ausdr\u00fccke bedeuten dasselbe.<\/p>\n\n\n\n<p><sup><a id=\"n6\"><a href=\"#f6\">6<\/a><\/a><\/sup> \u3053\u306e\u30cb\u30e5\u30fc\u30e8\u30fc\u30af\u3082 <em>kono Ny\u016b Y\u014dku mo<\/em>: New York ist der Sitz der Vereinten Nationen, wo Ishiba die Rede hielt.<\/p>\n\n\n\n<p><sup><a id=\"n7\"><a href=\"#f7\">7<\/a><\/a><\/sup> Um die Eigenst\u00e4ndigkeit der pal\u00e4stinensischen Wirtschaft zu f\u00f6rdern, unterst\u00fctzt Japan den Aufbau des <a href=\"https:\/\/www.jica.go.jp\/oda\/project\/1300452\/index.html\">Jericho Agro-Industrial Park<\/a> (JAIP). Das Projekt zielt darauf ab, die wirtschaftliche Entwicklung in Pal\u00e4stina voranzubringen, wo unzureichende Infrastruktur, logistische Abh\u00e4ngigkeit von Israel und die Stagnation des verarbeitenden Gewerbes die Schaffung von Wohlstand und Arbeitspl\u00e4tzen behindern. Die pal\u00e4stinensische Industrie- und Freihandelszonenbeh\u00f6rde (PIEFZA) wird dabei in ihrer F\u00e4higkeit gest\u00e4rkt, Anreize f\u00fcr ans\u00e4ssige Unternehmen zu schaffen und den Park professionell zu betreiben. Das Projekt verfolgt das Ziel, die wirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten im JAIP nachhaltig zu erweitern. Konkret werden die Dienstleistungen in vier Bereichen verbessert: die Einrichtung eines One-Stop-Shops und logistischer Angebote, die Entwicklung von Business Development Services, die F\u00f6rderung von Finanzierungszug\u00e4ngen sowie die St\u00e4rkung der betrieblichen Managementfunktionen des JAIP.<\/p>\n\n\n\n<p><sup><a id=\"n8\"><a href=\"#f8\">8<\/a><\/a><\/sup> Gemeint ist Ru\u00dfland. Diese Drohungen <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/10.18449\/2022A28\/\">begannen mit der russischen Invasion<\/a> der Ukraine im Februar 2022 und wurden seither mehrfach wiederholt.<\/p>\n\n\n\n<p><sup><a id=\"n9\"><a href=\"#f9\">9<\/a><\/a><\/sup> Dieses Gedicht von 1947 stammt von der Dichterin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sh%C5%8Dda_Shinoe\">Sh\u014dda Shinoe<\/a> \u6b63\u7530\u7be0\u679d (1910&#8211;1965), die selbst ein Atombombenopfer war und an Brustkrebs starb. Sie erlebte am 6. August 1945 den Atombombenabwurf in ihrem Haus, etwa 1,5 km vom Hypozentrum entfernt, und verarbeitete die Eindr\u00fccke in zahlreichen Kurzgedichten. <a href=\"https:\/\/www.chikyukotobamura.org\/muse\/life201208_37.pdf\">Das Gedicht<\/a> wurde 1947 heimlich ver\u00f6ffentlicht, da in der unmittelbaren Nachkriegszeit die US-amerikanische Besatzungsmacht Kritik an der Atombombe streng zensierte. Sp\u00e4ter wurde das Gedicht in die gro\u00dfangelegte Anthologie Sh\u014dwa Many\u014dsh\u016b \u662d\u548c\u842c\u8449\u96c6 aufgenommen, die in 20 B\u00e4nden rund 50.000 Gedichte des gesamten Sh\u014dwa-Zeitalters versammelt und als \u201eStimme des Volkes\u201c verstanden wird. Das Gedicht schildert die grausame Realit\u00e4t nach der Bombe: ein Lehrer, dessen Gebeine mit den kleinen Sch\u00e4deln der Kinder beieinanderliegen. Es ist auf dem \u201eDenkmal f\u00fcr Lehrer und Kinder der Nationalen Grundschule, Opfer der Atombombe\u201c im Friedenspark Hiroshima eingraviert. Das Bild zeigt das verzweifelte Vertrauen der Kinder in ihre Lehrkraft und zugleich deren Ohnmacht, sie zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p><sup><a id=\"n10\"><a href=\"#f10\">10<\/a><\/a><\/sup> Die Erkl\u00e4rung wurde am 17.9.2002 zwischen Japan, vertreten durch Ministerpr\u00e4sident Koizumi Jun-ichir\u014d, und Nordkorea, vertreten durch Kim Jongil, abgeschlossen. Sie sieht Kooperation und Normalisierung der bilateralen Beziehungen vor. Beide Seiten verzichteten auf Wiedergutmachungsanspr\u00fcchen aus der Vergangenheit, Nordkorea sagte die Aufkl\u00e4rung der Entf\u00fchrungsf\u00e4lle japanischer Staatsb\u00fcrger sowie ein Raketenmoratorium zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Japans Ministerpr\u00e4sident Ishiba Shigeru bekennt sich in einer bemerkenswerten Rede vor den Vereinten Nationen zu Japans internationalem Engagement f\u00fcr Frieden und Demokratie. Er kritisiert Israel, Ru\u00dfland und Nordkorea &#8212; aber indirekt auch die USA, indem er Toleranz und friedliches Zusammenleben fordert. 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