{"id":8147,"date":"2025-08-02T17:05:28","date_gmt":"2025-08-02T15:05:28","guid":{"rendered":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=8147"},"modified":"2025-08-02T17:07:17","modified_gmt":"2025-08-02T15:07:17","slug":"suedkorea-vor-dem-kipppunkt-und-was-japan-und-deutschland-daraus-lernen-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=8147","title":{"rendered":"S\u00fcdkorea vor dem Kipppunkt \u2013 und was Japan und Deutschland daraus lernen sollten"},"content":{"rendered":"\n<p>Der deutsche Youtube-Kanal <em><strong>kurzgesagt<\/strong><\/em> tr\u00e4gt seit l\u00e4ngerem durch jugendgerecht-poppig aufgemachte Informationsvideos zum Diskurs besonders unter jungen Menschen \u00fcber aktuelle politische und kulturelle Fragen bei. Im April 2025 ver\u00f6ffentlichter er eine Folge in englischer Sprache unter dem dramatischen Titel: <strong>South Korea is over<\/strong>. Nach vier Monaten verzeichnet dieser Beitrag mehr als 13 Mio. Aufrufe und fast 75.000 Kommentare \u2013 viele davon von jungen S\u00fcdkoreanern verfa\u00dft, denen die Inhalte des Videos besonders nahegehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber S\u00fcdkorea wird hier nur als extremes Beispiel f\u00fcr ein Thema genannt, das die Menschen besonders in den Entwicklungsl\u00e4ndern \u00fcberall angeht \u2013 den drohenden Kollaps unserer Sozial- und Kultursysteme aufgrund des immer schneller werdenden demografischen Wandels. Ich habe das Video bereits in meinem Koreanistik-Unterricht in Bonn eingesetzt, mit gro\u00dfer Betroffenheit und lebhaften Diskussionen. Doch die Debatte mu\u00df noch viel weitere Kreise ziehen. Deshalb fasse ich im folgenden zun\u00e4chst die Aussagen des Videos zusammen und vergleiche anschlie\u00dfend die Situation mit Japan und Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class=\"bnp_responsive_embed\"><noscript><iframe title=\"SOUTH KOREA IS OVER\" width=\"760\" height=\"428\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Ufmu1WD2TSk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/noscript><iframe title=\"SOUTH KOREA IS OVER\" width=\"760\" height=\"428\" data-src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Ufmu1WD2TSk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"lozad\"><\/iframe><\/div>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein beispielloser Absturz der Geburtenrate<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>S\u00fcdkorea steht am Rand eines beispiellosen demografischen Wandels \u2013 ein Wandel, der laut aktuellen Prognosen bis 2060 in einen weitreichenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Kollaps m\u00fcnden k\u00f6nnte. Was auf den ersten Blick wie dystopische Zukunftsliteratur wirkt, ist in Wahrheit l\u00e4ngst Realit\u00e4t \u2013 nur noch nicht in ihrer vollen Wucht sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Um eine Bev\u00f6lkerung stabil zu halten, braucht es im Durchschnitt 2,1 Kinder pro Frau. In S\u00fcdkorea lag diese Zahl 2023 bei nur noch <strong>0,72<\/strong> \u2013 der niedrigste Wert, der jemals irgendwo auf der Welt gemessen wurde. In der Hauptstadt Seoul liegt sie sogar bei <strong>0,55<\/strong>. Das bedeutet: Wenn dieser Trend anh\u00e4lt, wird sich die Bev\u00f6lkerung innerhalb weniger Generationen drastisch verkleinern. Rechnet man das durch, werden aus 100 S\u00fcdkoreanern nach vier Generationen nur noch <strong>5<\/strong> \u00fcbrig bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sind die Auswirkungen heute noch kaum sichtbar. Die Wirtschaft w\u00e4chst, die Arbeitsm\u00e4rkte sind noch gef\u00fcllt. Doch das ist die tr\u00fcgerische Ruhe vor dem Sturm. Denn: <strong>Demografie wirkt langsam \u2013 aber unausweichlich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das S\u00fcdkorea des Jahres 2060: Alt, leer, ersch\u00f6pft<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Projektionen der UN zeigen, da\u00df die s\u00fcdkoreanische Bev\u00f6lkerung bis 2060 um etwa <strong>30\u202f% schrumpfen<\/strong> wird \u2013 16 Millionen Menschen weniger. Und die Altersstruktur wird sich dramatisch verschieben: <strong>Jede zweite Person wird \u00fcber 65 Jahre alt sein<\/strong>, w\u00e4hrend Kinder und junge Erwachsene eine verschwindend kleine Minderheit darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bedeutet das konkret?<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die <strong>Wirtschaft<\/strong> wird stagnieren oder schrumpfen, da es schlicht an Arbeitskr\u00e4ften fehlt. Selbst bei technologischem Fortschritt werden die Verluste nicht aufgefangen.<\/li>\n\n\n\n<li>Das <strong>Renten- und Gesundheitssystem<\/strong> wird kollabieren. Bereits heute leben 40\u202f% der Senioren unter der Armutsgrenze.<\/li>\n\n\n\n<li>Der <strong>soziale Zusammenhalt<\/strong> wird erodieren. Vereinsamung, leere St\u00e4dte, verlassene Schulen und Kinderg\u00e4rten sind vorprogrammiert.<\/li>\n\n\n\n<li>Die <strong>Kultur<\/strong> wird verarmen. Ohne junge Menschen fehlt die Kraft f\u00fcr kreative Innovation \u2013 K-Pop und K-Drama werden vielleicht nostalgische Erinnerungen sein.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum ist S\u00fcdkorea so extrem betroffen?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>S\u00fcdkorea vereint gleich mehrere Faktoren, die geburtenfeindlich wirken:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Lange Arbeitszeiten<\/strong>, hohe Leistungsanforderungen, geringe Freizeit<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Hohes Bildungs- und Karrierebewu\u00dftsein<\/strong>, vor allem bei Frauen<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Extrem hohe Wohn- und Ausbildungskosten<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Geringe staatliche Familienf\u00f6rderung<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Konservative Familienvorstellungen<\/strong>, z.\u202fB. Stigmatisierung von nichtehelichen Geburten<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Unfaire Aufteilung h\u00e4uslicher und elterlicher Pflichten<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Im Ergebnis entscheiden sich immer mehr junge S\u00fcdkoreaner entscheiden sich bewu\u00dft gegen Kinder, und ein anderer Teil hat einfach keine realistischen Chancen, eine Familie zu gr\u00fcnden und zu unterhalten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Japan \u2013 das Zukunftsbild schon heute<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Was S\u00fcdkorea bevorsteht, <strong>durchlebt Japan bereits<\/strong> \u2013 nur mit geringerem Tempo. Die Geburtenrate liegt bei etwa <strong>1,20<\/strong>, die Bev\u00f6lkerung sinkt seit \u00fcber einem Jahrzehnt. Heute sind bereits <strong>rund 29\u202f% der Japaner \u00fcber 65 Jahre alt<\/strong>. Ganze Regionen ver\u00f6den, leerstehende H\u00e4user (\u201cAkiya\u201d \u7a7a\u5bb6) pr\u00e4gen das Bild des l\u00e4ndlichen Raums \u2013 es sind bereits rund <strong>9 Millionen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wirtschaftlich sp\u00fcrt Japan die Konsequenzen. Die Staatsverschuldung liegt bei \u00fcber <strong>250\u202f% des BIP<\/strong>, das Rentensystem wird zunehmend durch staatliche Zusch\u00fcsse gest\u00fctzt. Gesellschaftlich k\u00e4mpft Japan mit einer \u201eEinsamkeitsepidemie\u201c \u2013 Ph\u00e4nomene wie <strong>\u201eKodokushi\u201c \u5b64\u72ec\u6b7b<\/strong>, der einsame Tod alter Menschen, sind l\u00e4ngst Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Deutschland \u2013 der langsamere Fall?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Auch Deutschland ist keine Insel der Stabilit\u00e4t. Die Geburtenrate liegt bei <strong>1,36<\/strong> \u2013 also ebenfalls deutlich unter dem Ersatzniveau. Anders als Japan und S\u00fcdkorea konnte Deutschland seine Bev\u00f6lkerung noch durch <strong>Zuwanderung stabil halten<\/strong>. Derzeit leben rund <strong>84 Millionen Menschen<\/strong> hier \u2013 mehr als je zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch: Auch Deutschland altert. Bereits heute sind \u00fcber <strong>22\u202f% \u00fcber 65<\/strong>, bis 2060 k\u00f6nnte dieser Wert auf <strong>\u00fcber 30\u202f%<\/strong> steigen. Ohne Reformen drohen Rentenl\u00fccken, Fachkr\u00e4ftemangel, schrumpfende Regionen \u2013 vor allem im Osten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Deutschland unterscheidet, ist (noch) die h\u00f6here soziale Durchmischung, st\u00e4rkere Familienf\u00f6rderung und flexiblere Gesellschaftsstruktur. Doch ohne gezielte Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnte sich auch hier das s\u00fcdkoreanische Szenario wiederholen \u2013 nur langsamer.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Demografie und Verteidigungsf\u00e4higkeit \u2013 ein oft \u00fcbersehener Zusammenhang<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Aspekt, der im \u00f6ffentlichen Diskurs h\u00e4ufig zu kurz kommt, ist die <strong>Auswirkung des demografischen Wandels auf die milit\u00e4rische Verteidigungsf\u00e4higkeit<\/strong> eines Landes. Auch hier zeigt sich das ganze Ausma\u00df der Krise:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>S\u00fcdkorea: Wehrpflicht unter Druck<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>S\u00fcdkorea unterh\u00e4lt eine Wehrpflicht \u2013 etwa 18 Monate m\u00fcssen junge M\u00e4nner leisten. Derzeit umfa\u00dft das Milit\u00e4r rund <strong>5\u202f% der M\u00e4nner im kampff\u00e4higen Alter<\/strong>. Doch bereits in naher Zukunft wird sich die Zahl der jungen M\u00e4nner drastisch verringern. Um die heutigen Truppenst\u00e4rken zu halten, m\u00fc\u00dften 2060 rund <strong>15\u202f% der verbliebenen jungen M\u00e4nner<\/strong> eingezogen werden \u2013 ein unrealistisches Szenario.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts des ungel\u00f6sten Konflikts mit Nordkorea stellt sich die existenzielle Frage, <strong>ob das Land sich milit\u00e4risch noch verteidigen kann<\/strong>, wenn die Bev\u00f6lkerung rapide altert und schrumpft.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Japan: Freiwilligenarmee mit Nachwuchsproblemen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Japan hat keine Wehrpflicht. Die sogenannten Selbstverteidigungsstreitkr\u00e4fte bestehen aus Freiwilligen. Doch auch hier zeigt sich die demografische Realit\u00e4t:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Truppen haben <strong>zunehmend Schwierigkeiten, Nachwuchs zu rekrutieren<\/strong>, besonders in spezialisierten technischen Bereichen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die \u00dcberalterung der Gesellschaft bedeutet, da\u00df der Pool an jungen Rekruten schrumpft.<\/li>\n\n\n\n<li>Gleichzeitig steigen die geopolitischen Spannungen im Pazifikraum.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Japan wird in Zukunft gezwungen sein, entweder die Rekrutierung zu liberalisieren, die Einsatzgrenzen anzuheben oder auf automatisierte Systeme zu setzen \u2013 alles unter versch\u00e4rften Bedingungen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Deutschland: R\u00fcckkehr zur Wehrpflicht?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Deutschland hat die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt und setzt seither auf eine Freiwilligenarmee. Doch schon heute leidet die Bundeswehr unter:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>massivem Personalmangel<\/strong>,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>geringer gesellschaftlicher Akzeptanz<\/strong>,<\/li>\n\n\n\n<li>und <strong>technischen Defiziten<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Mit dem demografischen Wandel versch\u00e4rft sich das Problem: Der Anteil junger Menschen schrumpft, w\u00e4hrend gleichzeitig sicherheitspolitisch wieder \u00fcber Landesverteidigung nachgedacht wird.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sicherheit braucht Zukunft<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens seit dem Ukraine-Krieg wird \u00fcber eine <strong>R\u00fcckkehr zur Wehrpflicht<\/strong> diskutiert \u2013 doch ob ein Land mit zunehmendem Altersdurchschnitt diese strukturelle Kehrtwende verkraftet, ist fraglich.<\/p>\n\n\n\n<p>Verteidigungsf\u00e4higkeit ist mehr als Technik und Budget \u2013 sie h\u00e4ngt unmittelbar von der <strong>demografischen Vitalit\u00e4t<\/strong> eines Landes ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn junge Menschen fehlen, fehlen nicht nur Arbeitskr\u00e4fte und Innovation \u2013 sondern auch Soldaten, Ausbilder, Techniker, Sanit\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>S\u00fcdkorea, Japan und Deutschland stehen also vor dem gemeinsamen Dilemma, ihre staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t auf mittlere Sicht glaubw\u00fcrdig zu sichern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage ist nicht mehr, <em>ob<\/em> die Schrumpfung kommt \u2013 sondern, <em>wie man mit ihren Folgen umgeht<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Demografie trifft Nachhaltigkeit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Was bedeuten die dramatischen demografischen Ver\u00e4nderungen in L\u00e4ndern wie S\u00fcdkorea, Japan und Deutschland schlie\u00dflich f\u00fcr die Nachhaltigkeit? Auf den ersten Blick k\u00f6nnte man meinen: Wenn die Bev\u00f6lkerung schrumpft, verringert sich auch der \u00f6kologische Fu\u00dfabdruck. Weniger Menschen bedeuten schlie\u00dflich weniger CO\u2082, weniger Ressourcenverbrauch, weniger Siedlungsdruck. Doch das ist nur die halbe Wahrheit \u2013 und eine gef\u00e4hrlich verk\u00fcrzte Perspektive.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn Nachhaltigkeit ist weit mehr als reine Umweltbilanz. Sie umfa\u00dft auch wirtschaftliche Tragf\u00e4higkeit, soziale Resilienz und Zukunftsf\u00e4higkeit. Und genau hier liegen die eigentlichen Probleme:<\/p>\n\n\n\n<p>Eine alternde Gesellschaft verbraucht nicht zwangsl\u00e4ufig weniger \u2013 sie konsumiert nur anders. Statt Kinderbetreuung und Bildungsinfrastruktur steigen Ausgaben f\u00fcr Pflege, Gesundheit und altersgerechtes Wohnen. Die Wohnfl\u00e4che pro Person nimmt oft sogar zu. Gleichzeitig fehlt es an jungen, innovationsfreudigen Menschen, die neue Wege einschlagen und Wandel gestalten wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirtschaftlich bedeutet der demografische Wandel ein doppeltes Dilemma: Weniger Erwerbst\u00e4tige m\u00fcssen f\u00fcr immer mehr Senioren aufkommen \u2013 bei gleichzeitig sinkenden Steuereinnahmen. Was bleibt, sind \u00fcberlastete Sozialsysteme und ein Staat, der kaum noch investieren kann \u2013 auch nicht in die \u00f6kologische Transformation. Klimaschutz, Digitalisierung, Energiewende: All das erfordert langfristige, oft unpopul\u00e4re Entscheidungen. Doch wo politische Entscheidungen vom W\u00e4hleralter diktiert werden, geraten Zukunftsfragen schnell ins Hintertreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch sozial zeigt sich ein bedr\u00fcckendes Bild: Einsamkeit im Alter, Vereinzelung, schwindender Zusammenhalt. Viele l\u00e4ndliche Regionen werden ausbluten \u2013 und mit ihnen lokale Wirtschaft, Zivilgesellschaft und kulturelles Erbe. Nachhaltigkeit aber braucht stabile Gemeinschaften, regionale Kreisl\u00e4ufe und soziale N\u00e4he. Schon heute lebt in Deutschland jede f\u00fcnfte Person allein \u2013 2024 waren es 17 Millionen Menschen \u2013, vor allem Alte, aber eben auch Junge.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch bietet der Schrumpfungsproze\u00df theoretisch auch Chancen: Weniger Wachstumsdruck k\u00f6nnte Raum schaffen f\u00fcr Renaturierung, R\u00fcckbau und kluge Regionalentwicklung. Die Frage ist nur, ob Gesellschaften in der Lage sind, diesen Wandel aktiv zu gestalten \u2013 oder ob sie ihm einfach hinterherlaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die demografische Entwicklung ist also kein Nebenschauplatz, sondern ein zentrales Thema der Nachhaltigkeitsdebatte. Ohne Nachwuchs, ohne Innovationskraft, ohne solidarische Generationenbeziehungen kann keine Gesellschaft dauerhaft nachhaltig sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was tun? Ein radikales Umdenken ist n\u00f6tig<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die demografische Wende ist kein theoretisches Zukunftsszenario mehr \u2013 sie hat begonnen. Der \u201edemografische G\u00fcterzug\u201c, wie es der Text des Videos nennt, rollt bereits \u2013 und <strong>er wird nicht von selbst anhalten<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenn wir erkennen, da\u00df niedrige Geburtenraten <strong>nicht nur ein Arbeitsmarktproblem<\/strong>, sondern ein <strong>existentielles Risiko f\u00fcr unsere Gesellschaften<\/strong> darstellen, k\u00f6nnen wir wirkungsvoll gegensteuern.<\/p>\n\n\n\n<p>Was es jetzt braucht, ist <strong>ein kompletter kultureller und politischer Kurswechsel<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Mehr Zeit und Raum f\u00fcr Familie statt Arbeit<\/li>\n\n\n\n<li>Faire Verteilung der Lasten durch Pflege und Haushalt zwischen den Geschlechtern<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Gesellschaft, die <strong>Kinder willkommen hei\u00dft<\/strong>, statt sie als Belastung zu betrachten<\/li>\n\n\n\n<li>Finanzielle und strukturelle Entlastung f\u00fcr junge Familien<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>S\u00fcdkorea f\u00fchrt uns heute vor Augen, wie tiefgreifend diese Zusammenh\u00e4nge sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Deutschland t\u00e4te gut daran, genau hinzusehen \u2013 nicht nur aus demografischer, sondern auch aus \u00f6kologischer Verantwortung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Das Beitragsbild von Reinhard Z\u00f6llner zeigt Kinder in einem japanischen Kindergarten im Jahr 2016.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00fcdkorea steuert auf einen demografischen Kollaps zu \u2013 mit weitreichenden Folgen f\u00fcr Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Was dort geschieht, ist ein Warnsignal f\u00fcr andere alternde Gesellschaften wie Japan und Deutschland. Der Beitrag beleuchtet die drohenden Entwicklungen im internationalen Vergleich und zeigt, warum schrumpfende Bev\u00f6lkerungen nicht nur ein soziales, sondern auch ein zentrales Nachhaltigkeitsproblem sind.<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":8149,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"fifu_image_url":"https:\/\/live.staticflickr.com\/1448\/25486095866_f549454e73_h.jpg","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[173,28,9],"tags":[529,201,446,904,903],"class_list":{"0":"post-8147","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesellschaft","8":"category-japan","9":"category-korea","10":"tag-demographie","11":"tag-deutschland","12":"tag-kinder","13":"tag-nachhaltigkeit","14":"tag-zukunft","15":"bnp_pattern1","16":"cat-173-id","17":"cat-28-id","18":"cat-9-id","19":"has_thumb"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8147","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8147"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8147\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8151,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8147\/revisions\/8151"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8147"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8147"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8147"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}