{"id":7857,"date":"2023-07-14T16:52:11","date_gmt":"2023-07-14T14:52:11","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=7857"},"modified":"2023-07-15T05:34:34","modified_gmt":"2023-07-15T03:34:34","slug":"wie-wollt-ihr-leben-miyazaki-hayaos-letzter-film-veroeffentlicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=7857","title":{"rendered":"Wie wollt ihr leben? \u2013 Miyazaki Hayaos letzter Film ver\u00f6ffentlicht"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Titel &#8222;Wie wollt ihr leben?&#8220; &#8212; \u541b\u305f\u3061\u306f\u3069\u3046\u751f\u304d\u308b\u304b <em>Kimitachi wa d\u014d ikiru ka<\/em> &#8212; ver\u00f6ffentlichte 1937 der Schriftsteller Yoshino Gensabur\u014d \u5409\u91ce\u6e90\u4e09\u90ce (1899\u20131981) einen Roman, dessen Hauptfigur ein 15-j\u00e4hriger Mittelsch\u00fcler ist, der im Schulleben allerlei Unsch\u00f6nes erlebt. Sein Onkel hilft ihm, sich dennoch zu einem den Menschen zugewandten, von Mitmenschlichkeit gepr\u00e4gten Weg zu entscheiden.<br \/>\nF\u00fcr seinen voraussichtlich letzten Film, der heute, am 14.7.2023, in Japans Kinos Premiere hatte, hat Japans Meister-Regisseur Miyazaki Hayao \u5bae\u5d0e\u99ff (geb. 1941) sich f\u00fcr denselben Titel entschieden. Doch die Ber\u00fchrungspunkte mit Yoshinos Roman sind nur indirekt vorhanden. Das konnte aber vor Erscheinen des Publikums niemand au\u00dferhalb des Studio Ghibli wissen &#8212; denn es gab keinerlei Werbung f\u00fcr den Film, keine Vorank\u00fcndigung au\u00dfer dem Titel und einem Plakat. Selbst die Kinos tappten bis zum letzten Moment im Dunkeln, noch vor zwei Wochen war ihnen gar nicht klar, ob der Film \u00fcberhaupt erscheinen w\u00fcrde. Bei der Auff\u00fchrung selbst gab es, anders als sonst \u00fcblich, keine Handzettel, keine Accessoires, kein <em>E-Konte<\/em> &#8212; es war f\u00fcr die Besucher also wie ein Stochern in einer Blackbox.<\/p>\n<h3>Die Filmhandlung<\/h3>\n<p>Miyazaki hatte angedeutet, er werde in dem Film auch autobiographische Motive verwendet. Er hat sein Versprechen gehalten &#8212; in gewisser Weise, aber anders, als viele erwartet haben m\u00f6gen.<br \/>\nDer Film beginnt mit der Bombardierung T\u014dky\u014ds im Zweiten Weltkrieg. Als genauer Zeitpunkt wird &#8222;das 3. Jahr des Krieges&#8220; genannt; gemeint ist wohl: 1944, also 3 Jahre nach Pearl Harbor (was historisch mit dem Beginn der Luftangriffe \u00fcbereinstimmt). Der Viertkl\u00e4ssler Maki Mahito \u7267\u771f\u4eba (ein sprechender Name: &#8222;Mahito&#8220; bedeutet &#8222;der Aufrichtige&#8220;; der Familienname &#8222;Maki&#8220; bedeutet &#8222;Sch\u00e4fer&#8220;; also so etwas wie &#8222;der gute Hirte&#8220;) wird Zeuge, wie die gef\u00fcrchteten amerikanischen Brandbomben (\u713c\u5937\u5f3e <em>sh\u014didan<\/em>) die Stadt in ein Meer aus Flammen verwandeln. Seine Mutter kommt dabei um. Dieses Erlebnis und der Verlust der Mutter verfolgen den Jungen in seinen sp\u00e4teren Tr\u00e4umen; man sieht ihn dabei auch weinen.<br \/>\nNach diesem dramatischen Vorspann ist die Stimme Mahitos als Erz\u00e4hler aus dem Off zu h\u00f6ren; somit wissen die Zuschauer schon, da\u00df er die nun folgende Geschichte \u00fcberleben wird.<br \/>\nMit seinem Vater Sh\u014dichi zieht Mahito aufs Land. Dort besitzt die Familie seiner Mutter ein Anwesen. Sein Vater ist nun mit Natsuko, der j\u00fcngeren Schwester von Mahitos Mutter zusammen, die auch schon schwanger ist. (Wie dies zeitlich zusammenh\u00e4ngt, bleibt unklar. Offenbar ist seit dem Tod der Mutter bereits einige Zeit vergangen; sonst m\u00fc\u00dfte man annehmen, da\u00df sein Vater bereits zuvor ein Verh\u00e4ltnis mit Natsuko hatte.) Mahito tut sich mit der neuen Mutter und der neuen Umgebung jedoch schwer. Die Dienerschaft des Hauses besteht aus merkw\u00fcrdigen Alten, die offenbar schon sehr lange im Dienst der Familie stehen. Sein Vater leitet im Ort eine Fabrik, die Cockpits f\u00fcr Milit\u00e4rflugzeuge herstellt, was eines der autobiografischen Elemente des Filmes darstellt: Auch Miyazakis Vater war an der Produktion von Kriegsflugzeugen beteiligt. Mahito soll unterdessen zur Schule gehen, f\u00fcgt sich jedoch bereits nach dem ersten, im Streit mit seinen Mitsch\u00fclern verlaufenen Schultag selbst mit einem Stein eine Kopfwunde zu und mu\u00df daraufhin \u00e4rztlich behandelt werden. Auf diese Weise erreicht er jedoch, von der Schule freigestellt zu werden, und gewinnt dadurch Zeit, sich mit einem r\u00e4tselhaften Turm auf dem Grundst\u00fcck des Anwesens zu besch\u00e4ftigen, dessen Zugang versch\u00fcttet ist. Es hei\u00dft, der Turm sei von dem Urgro\u00dfvater seiner Mutter errichtet worden, der anschlie\u00dfend spurlos darin verschwunden sei. St\u00e4ndig wird Mahito au\u00dferdem von einem Graureiher (im Japanischen wegen seines blauen Kopfgefieders \u9752\u9dfa <em>aosagi<\/em>, also &#8222;Blaureiher&#8220; genannt) angegangen und sogar angegriffen, der sprechen zu k\u00f6nnen scheint. Jedenfalls verfolgt er Mahito noch in dessen Albtr\u00e4umen und behauptet: &#8222;Ich habe auf dich gewartet &#8212; deine Mutter lebt noch, komm mit!&#8220; Daraufhin bastelt sich Mahito Pfeil und Bogen. In den Pfeil hat er eine Feder des Kranichs eingearbeitet; der Pfeil entwickelt sich dadurch zu seiner \u00dcberraschung zu einem halbaktiven Suchkopf. Doch bevor das gro\u00dfe Abenteuer beginnt, findet Mahito auf seinem Schreibtisch ein Buch, das ihm seine Mutter schenken wollte: Eben jenes <em>Kimitachi wa d\u014d ikiru ka<\/em>, von dem der Film seinen Titel hat. Er beginnt darin zu lesen. Da erf\u00e4hrt er, da\u00df Natsuko verschwunden ist. Er begibt sich auf die Suche, begleitet von der alten, ziemlich mi\u00dfmutigen Dienerin Kiriko. Sie folgen Natsukos Spuren bis zum pl\u00f6tzlich weit ge\u00f6ffneten Eingang zum geheimnisvollen Turm. \u00dcber dem Eingang steht als programmatisches Motto<\/p>\n<blockquote><p>fecemi la divina podestate, la somma sapienza e \u2019l primo amore.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es handelt sich um ein ber\u00fchmtes Zitat aus dem 3. Gesang von Dantes <em>G\u00f6ttlicher Kom\u00f6die<\/em>, in der \u00dcbersetzung von K\u00f6nig Johann von Sachsen: &#8222;Die Allmacht hat der Gottheit mich gegr\u00fcndet, die h\u00f6chste Weisheit und die erste Liebe.&#8220;<br \/>\nIm Turm wartet bereits der Graureiher auf Mahito und lockt ihn mit dem Versprechen, ihm seine Mutter zu zeigen. Doch das ist nur eine T\u00e4uschung. Es kommt zum Kampf, Mahito trifft den Vogel mit seinem Pfeil, und es stellt sich heraus, da\u00df der Graureiher in Wirklichkeit ein anderes Wesen ist, das ich f\u00fcr eine Art <em>Tengu<\/em> \u5929\u72d7 halte: Es kann fliegen, k\u00e4mpfen und l\u00fcgen und hat eine rote Nase &#8212; alles Eigenschaften, die f\u00fcr dieses Fabelwesen gelten. Eine r\u00e4tselhafte Gestalt am oberen Ende des Turmes fordert den Tengu auf, Mahito zu Natsuko zu f\u00fchren. Daraufhin versinken Mahito und Kiriko im Fu\u00dfboden.<br \/>\nMahito findet sich nun an einem unbekannten Strand wieder. Im Hintergrund zeigen sich Segelboote in der Abendsonne. Er entdeckt an Land ein riesiges Dolmengrab, vor dem ein goldenes Tor mit der Inschrift steht:<\/p>\n<blockquote><p>Wer von mir lernt, wird sterben. (<em>Ware wo manabu mono wa shi su.<\/em>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch dies ist ein Zitat, diesmal von einem chinesischen Dichter namens Li Yong (674&#8211;747). Vollst\u00e4ndig lautet es: &#8222;Wer mir \u00e4hnelt, ist gew\u00f6hnlich; wer von mir lernt, wird sterben.&#8220; (\u4f3c\u6211\u8005\u4fd7\uff0c\u5b66\u6211\u8005\u6b7b) Was das Zitat hier bedeuten soll, wird im Film nicht klar. Aber nat\u00fcrlich l\u00e4\u00dft sich Mahito davon nicht abschrecken und \u00f6ffnet das Tor; in diesem Moment greifen ihn Horden von wilden Pelikanen an. Eine kr\u00e4ftig gebaute Frau auf einem Segelboot rettet Mahito jedoch und bes\u00e4nftigt mit einer magischen Zeremonie den Herrn des Grabes (dessen Identit\u00e4t ungekl\u00e4rt bleibt); sie fahren hinaus aufs Meer, angeln einen riesigen Fisch und kommen mit ihrer Beute an einer Insellandschaft an, wo sie von gruseligen schwarzen M\u00e4nnern und niedlichen wei\u00dfen Geisterchen empfangen werden, die an die <em>Kodama<\/em> aus Miyazakis <em>Sen to Chihiro<\/em> erinnern. Allerdings wird es gleich wieder gef\u00e4hrlich, denn sowohl die Geister als auch die riesigen Papageien, die dort Dienst tun, haben Hunger und wollen nicht nur den Fisch, sondern auch die Menschen essen. Die Geisterchen steigen abends in den Nachthimmel auf, um als Menschen geboren zu werden. Die Pelikane greifen sie an, um sie zu fressen. Eine andere junge Frau mit magischen Kr\u00e4ften, Himi, rettet zun\u00e4chst die Geisterchen und dann Mahito aus seiner brenzligen Situation. Sie f\u00fchrt Mahito in ihr Haus, wo sie ihn bewirtet. Es ist, wie Mahito bald ahnt, seine eigene Mutter. Auf sein Brot streicht sie eine Marmelade, auf deren Etikett TOMOR zu lesen ist &#8212; offenbar als Bruchst\u00fcck von TOMORROW, also &#8222;morgen&#8220;. Vom Haus aus erreichen die beiden jenen geheimnisvollen Turm, von dem das Abenteuer seinen Anfang nahm. Sie zeigt Mahito einen Gang mit vielen T\u00fcren; die T\u00fcr mit der Nummer 132 kann ihn zur\u00fcck in seine Gegenwart f\u00fchren. Mahito \u00f6ffnet die T\u00fcr, sieht auf der anderen Seite seinen Vater, der nach ihm sucht, beschlie\u00dft aber, nicht ohne Natsuko zur\u00fcckzukehren. Er findet sie mit Hilfe seiner Mutter. Sie liegt aufgebahrt in einer Geb\u00e4rh\u00fctte (\u7523\u5c4b <em>ubuya<\/em>). \u00dcber ihr befinden sich Ringe mit zeremoniellen wei\u00dfen Papierstreifen; auch Natsuko ist wei\u00df gekleidet, wie es f\u00fcr Leichname \u00fcblich ist. Doch Natsuko lebt. Mahito ruft sie, wobei er zum ersten Mal akzepiert, da\u00df sie seine neue Mutter ist (er nennt sie ab jetzt &#8222;Natsuko-K\u0101san&#8220;). Doch die Papierstreifen und die Steine k\u00e4mpfen gegen Mahito, weil er das Tabu (\u7981\u5fcc <em>kinki<\/em>) verletzt hat, wonach M\u00e4nner die Geb\u00e4rh\u00fctte nicht betreten d\u00fcrfen. Seine Mutter will Mahito und Natsuko ohne Erfolg befreien. Mahito durchschreitet einen glei\u00dfend hellen Tunnel und trifft auf einen alten Mann, der ihn als &#8222;Enkel&#8220; (\u5b50\u5b6b <em>shison<\/em>) anspricht; er ist der Urgro\u00dfvater von Mahitos Mutter. Er zeigt Mahito den Sternenhimmel und einen darin schwebenden riesigen Stein, der sein Lebenswerk sei. Es sei aber noch unvollendet.<\/p>\n<blockquote><p>Die Welt ist ein Lebewesen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Alte m\u00f6chte, da\u00df Mahito sein Werk fortsetzt. Das k\u00f6nne laut Vertrag mit den Steinen nur jemand tun, der mit ihm verwandt ist. Mahito k\u00f6nne die Welt zu einem sch\u00f6neren, friedlicheren Ort machen. Er m\u00fcsse daf\u00fcr nur jeden Tag den Turm aus steinernen Baukl\u00f6tzen neu aufbauen. Doch Mahito widerspricht; die Steine, die ihm der Alte anbietet, seien b\u00f6swillig und dasselbe wie Grabsteine. Unversehens findet sich Mahito nun an eine Steins\u00e4ule gefesselt wieder. Papageien wetzen Messer und bereiten ein Festmahl vor. Doch der Tengu-Reiher befreit ihn. Sie sehen, wie seine junge Mutter auf einer Bahre in den Turm getragen wird. Der F\u00fchrer (&#8222;Duch&#8220;) und K\u00f6nig der Papageien betritt im Triumph den Turm und l\u00e4\u00dft sie zum Alten bringen. Mahito und der Tengu verfolgen ihn. Der Alte verspricht Mahitos Mutter, ihn und Natsuko wieder in ihre Welt zur\u00fcckzulassen. Inzwischen erreichen Mahito und der Tengu den Alten, diesmal verfolgt vom K\u00f6nig der Papageien. Noch einmal bitte der Alte Mahito, aus 13 wei\u00dfen steinernen Baukl\u00f6tzen seinen eigenen Weltenturm zu bauen, um eine reiche, friedliche und sch\u00f6ne Welt zu erschaffen. Doch Mahito lehnt ab; er habe selbst b\u00f6sen Willen in sich und k\u00f6nne die Steine nicht ber\u00fchren. Er wolle mit Natsuko in seine Welt zur\u00fcckkehren. &#8222;Eine Welt voller Morden und Dummheit?&#8220;, fragt der Alte. &#8222;Ich werde dort Freunde finden&#8220;, entgegnet Mahito. Nun schleicht sich der K\u00f6nig der Papageien an, zerst\u00f6rt den Bauklotz-Turm und setzt damit den Einsturz des gesamten Bauwerks in Gang. Inzwischen bringt Kiriko Natsuko herbei. W\u00e4hrend Kiriko und Himi durch eine der numerierten T\u00fcren in die Vergangenheit zur\u00fcckgehen, kehren Mahito und Natsuko durch T\u00fcr 132 in ihre gewohnte Welt zur\u00fcck, wo sie bereits sehnlichst erwartet werden. Auch der Graureiher kommt mit ihnen. So findet Mahitos Familie wieder zusammen.<br \/>\n1947, zwei Jahre nach Kriegsende, ziehen Sh\u014dichi, Natsuko, Mahito und sein Halbgeschwisterchen nach T\u014dky\u014d zur\u00fcck.<\/p>\n<h3>Kritisches Nachwort<\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich lohnt sich der Film. Es ist unverkennbar, da\u00df er aus dem Hause Ghibli stammt. Die zeichnerische Gestaltung ist wie gewohnt eine perfekte Mischung aus traditionellen 2-D-Figuren mit wunderbaren Hintergrundbildern. Im Layout der menschlichen Charaktere gibt es keine \u00dcberraschungen; Mahito \u00e4hnelt Sh\u014d aus <em>Arietty<\/em>. Mahitos Stimme ist f\u00fcr einen Zehnj\u00e4hrigen allerdings ziemlich tief, was nicht verwundern kann, denn gesprochen wird er vom 18-j\u00e4hrigen Schauspieler Santoki S\u014dma \u5c71\u6642\u8061\u771f. Die weiblichen Gestalten, deren Pers\u00f6nlichkeiten f\u00fcr einen Miyazaki-Film erstaunlich bla\u00df bleiben, kommen (bis auf Kiriko) auch vertraut vor. Der Vater Sh\u014dichi (gesprochen vom Pops\u00e4nger Kimura Takuya \u6728\u6751\u62d3\u54c9) ist gr\u00f6\u00dfer und m\u00e4nnlicher als gew\u00f6hnlich, spielt aber nur eine Nebenrolle. Die Musik von Hisaishi J\u014d \u4e45\u77f3\u8b72 (von ihm selbst auf dem Klavier vorgetragen) erinnert stellenweise stark an die Filmmusik zu Takahata Isaos <em>Kaguyahime<\/em> &#8212; auch kein Wunder, denn sie stammt auch von Hisaishi. Der Themasong <em>Chiky\u016bgi<\/em> (&#8222;Globus&#8220;) wurde allerdings von Yonezu Kenshi \u7c73\u6d25\u7384\u5e2b (geb. 1991) geschrieben. All dies ist h\u00f6chst professionell.<br \/>\nWie in dem Dante-Zitat angedeutet, sind also g\u00f6ttliche (Sch\u00f6pfer-)Macht, Weisheit und (kindliche) Liebe die Themen dieses Filmes, und alle drei bilden ganz sicher den Stoff f\u00fcr einen guten Anime.<br \/>\nWenn ich trotzdem mit gemischten Gef\u00fchlen aus diesem Film gegangen bin, dann wohl, weil er auch meine Erwartungen letztlich nicht erf\u00fcllt hat. Er ist weder eine Verfilmung des durchaus lesenswerten gleichnamigen Romans noch eine Schl\u00fcsselgeschichte zur Biografie seines Regisseurs. Und auch die Danteschen Motive von Sch\u00f6pfermacht, Weisheit und Liebe sch\u00f6pft der Film nicht wirklich aus. Viele der hier auftretenden Motive kennt man als Ghibli-Fan bereits aus anderen Filmen Miyazakis: Die Suche nach der Mutter, wenngleich hier vermischt mit der Suche nach der Stiefmutter, nat\u00fcrlich aus <em>Totoro<\/em>. Die Suche nach der Familiengeschichte nat\u00fcrlich aus <em>Marnie<\/em>. Die Suche nach dem Schl\u00fcssel zur Rettung der Welt (mit unvermeidlichem Scheitern) aus <em>Laputa<\/em>. Den Kampf gegen Gier und Krieg aus <em>Mononokehime<\/em> und <em>Sen to Chihiro<\/em>. Das Leiden am Krieg aus <em>Kaze tachinu<\/em> oder <em>Howl<\/em>. Die Macht der unschuldigen Liebe aus <em>Ponyo<\/em>. Und die besten Filme Miyazakis zeichnen sich durch einen heilsamen Humor und eine tiefe Menschlichkeit aus, die wie in <em>Kurenai no buta<\/em> sogar v\u00f6llig ohne Geister und Magie auskommen k\u00f6nnen. In <em>Kimitachi wa d\u014d ikiru ka<\/em> blitzt von dem allen immer wieder etwas auf. Aber wer dieses Etwas bereits kennt, wird sich fast schmerzlich daran erinnern, da\u00df es in diesen anderen Meisterwerken schon vorgekommen ist, raffinierter auch; in Geschichten, die leichter zu verstehen, leichter nachzuerz\u00e4hlen sind und l\u00e4nger nachwirken, als es in diesem wohl letzten Film Miyazakis der Fall ist. Ein sch\u00f6ner Film ganz sicher also. Ein Ghibli-Film f\u00fcr Anf\u00e4nger sozusagen. Schade eben nur, da\u00df er am Ende eines gro\u00dfartigen Schaffensweges steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der neueste und wohl letzte Film von Miyazaki Hayao ist eine spannende Geschichte, deren junger Held Krieg und Verlust zu \u00fcberwinden versucht. Wunderbar inszeniert und gezeichnet &#8212; ganz befriedigen kann er dennoch nicht.<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":7864,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"fifu_image_url":"https:\/\/filedn.eu\/l2RtsSLksGkbe7UkUWMKqBu\/Sonstiges\/Ghibli\/kimitachi_poster.jpg","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[112,28,1],"tags":[431,672,152,411],"class_list":{"0":"post-7857","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-film","8":"category-japan","9":"category-uncategorized","10":"tag-anime","11":"tag-film","12":"tag-miyazaki-hayao","13":"tag-studio-ghibli","14":"bnp_pattern1","15":"cat-112-id","16":"cat-28-id","17":"cat-1-id","18":"has_thumb"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7857","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7857"}],"version-history":[{"count":30,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7857\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7895,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7857\/revisions\/7895"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7864"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7857"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}