{"id":756,"date":"2009-04-29T12:17:14","date_gmt":"2009-04-29T11:17:14","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=756"},"modified":"2009-04-29T12:17:14","modified_gmt":"2009-04-29T11:17:14","slug":"falsches-bild-am-falschen-ort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=756","title":{"rendered":"Falsches Bild am falschen Ort"},"content":{"rendered":"<p>Einen inhaltlich ziemlich verqueren, aber ungleich langen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D\/Doc~E26D41D3E3BD3435191E66DE0926AE4B1~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">Beitrag zur Diskussion<\/a> um die Studienreformen <em>alla Bolognese<\/em> verziert die FAZ in ihrer Online-Ausgabe vom 17.4.2009 mit einem Bild Alexander Humboldts &#8212; und der Unterschrift: &#8222;Falscher Mann am falschen Ort&#8220;. Die Unterschrift ist nun wieder ungewollt so richtig, da\u00df man fast an einen genialen Verfremdungseffekt glauben m\u00f6chte. Im Text wird n\u00e4mlich v\u00f6llig zurecht auf Wilhelm von Humboldt verwiesen, den preu\u00dfischen Kultusminister &#8212; und nicht auf dessen Bruder.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen versteigt sich der Verfasser Uwe Schimank, Soziologe an der mit klassischer Lehre kaum betrauten Fernuni Hagen, zu der Behauptung, im Hintergrund der Auseinandersetzung stehe die Abl\u00f6sung der alten bildungsb\u00fcrgerlichen Elite durch die aufstrebende und nach gutbezahlten Berufen gierende kleinb\u00fcrgerliche Schicht, gegen die (Wilhelm) Humboldts Argumente als Abwehrriegel der Professorenschaft gedient h\u00e4tten.<\/p>\n<p>An der soziologischen Beschreibung ist ja durchaus etwas dran. Aber erstens sollte man Humboldt doch etwas gr\u00fcndlicher lesen, dem es letztlich vor allem darauf ankam, innerhalb der Gesellschaft einen gesch\u00fctzten Ort der Freiheit des Denkens und Meinens zu etablieren, und der es als Aufgabe der Universit\u00e4t angesehen hat, junge Menschen zu dieser Freiheit zu erziehen. Die Gesellschaft tut gewi\u00df gut daran, dieses Ideal nicht nur deswegen fallenzulassen, weil es allen m\u00f6glichen gesellschaftlichen Akteuren l\u00e4stig oder teuer geworden ist.<\/p>\n<p>Und zweitens kann man an den Universit\u00e4tssystemen Ostasiens (vor allem Japans und Koreas) sehr gut beobachten, wie man beides erreichen kann: soziale Mobilit\u00e4t und akademische Freiheit, ohne daraus einen ideologischen Antagonismus zu stricken. Denn hier hat man eines verstanden: Wer lediglich studiert, um seinen sozialen Aufstieg zu schaffen &#8212; unabh\u00e4ngig von seiner Begabung f\u00fcr wissenschaftliche Aufgaben &#8211;, dem sollte man diesen Wunsch ohne \u00fcberfl\u00fcssige \u00dcberbespruchung auch erf\u00fcllen. Den Rest wird der Arbeitsmarkt regeln. Die wenigen, denen dies nicht gen\u00fcgt und die zu mehr bef\u00e4higt sind, f\u00f6rdert man dann durch ein wirklich anspruchsvolles Studium. So wird man allen gerecht, ohne gleichmacherisch alle auf dasselbe niedrige Niveau zu dr\u00fccken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen inhaltlich ziemlich verqueren, aber ungleich langen Beitrag zur Diskussion um die Studienreformen alla Bolognese verziert die FAZ in ihrer Online-Ausgabe vom 17.4.2009 mit einem Bild Alexander Humboldts &#8212; und der Unterschrift: &#8222;Falscher Mann am falschen Ort&#8220;. 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