{"id":6975,"date":"2021-07-28T18:46:40","date_gmt":"2021-07-28T16:46:40","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6975"},"modified":"2023-02-06T23:28:46","modified_gmt":"2023-02-06T22:28:46","slug":"you-are-enemy-die-vergiftete-beziehung-zu-suedkorea-isoliert-japans-jugend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6975","title":{"rendered":"You are Enemy: Die vergiftete Beziehung zu S\u00fcdkorea isoliert Japans Jugend"},"content":{"rendered":"<p>Eine wahre Geschichte aus dem Jahr 2021: Eine junge Deutsche, selbst mit Migrationshintergrund, will Japanisch lernen und sucht sich daf\u00fcr einen Tandempartner. Der junge Mann, mit dem sie online zusammenkommt, bringt beim Kennenlernen das Gespr\u00e4ch auf Hobbys und Vorlieben. Arglos \u00e4u\u00dfert die Deutsche: &#8222;Ich mag K-Pop.&#8220; K-Pop ist koreanische Popmusik, unter Jugendlichen in aller Welt seit Jahren \u00e4u\u00dferst beliebt. Aber nicht bei allen, wie sie nun erfahren mu\u00df. Der junge Japaner erwidert in der Behelfssprache Englisch: &#8222;You are enemy.&#8220; Denn er hasse Korea und alles, was mit dessen Kultur zusammenh\u00e4nge.<br \/>\nDie junge Deutsche erleidet einen Kulturschock. Sie interessiert sich wirklich f\u00fcr Japan und hat gerade deswegen sich vorgenommen, Japanisch zu lernen, um mit Japanern ihrer Altersgruppe ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Da wirkt die Antwort ihres Tandempartners wie eine kalte Dusche. Sie stellt sich jetzt die Frage: Wozu Japanisch lernen, wenn das Gegen\u00fcber an einem freundschaftlichen Dialog gar nicht interessiert ist? Wozu sich mit Japanern abgeben, wenn diese voller Vorurteile und Ha\u00df stecken?<br \/>\nEs ist traurig, aber wahr, da\u00df die Zahl von Japanern mit einer solchen Geisteshaltung &#8212; zumindest, was das Verh\u00e4ltnis zu Korea angeht &#8212; in den letzten Jahren gestiegen ist. Den Beweis liefert die japanische Regierung selbst, die seit 1978 regelm\u00e4\u00dfig in der Bev\u00f6lkerung Umfragen vornehmen l\u00e4\u00dft, in denen nach der Einstellung gegen\u00fcber fremden L\u00e4ndern gefragt wird. Die Tendenz der Antworten ist ziemlich klar. Bis etwa 1998 f\u00fchlten etwa 40 Prozent der Befragten wenigstens etwas N\u00e4he zu S\u00fcdkorea; danach nahm dieser Anteil stetig zu und erreichte zwischen 2009 und 2011 seinen H\u00f6hepunkt mit mehr als 60 Prozent. 1998 war das Jahr, in dem Pr\u00e4sident Kim T\u00e4jung und Premierminister Obuchi Keiz\u014d eine &#8222;neue Partnerschaft&#8220; beider L\u00e4nder ausriefen und in dem die &#8222;koreanische Welle&#8220; mit Popmusik und TV-Dramen auch Japan erreichte. Anfang 2011 leistete S\u00fcdkorea in gro\u00dfem Umfang Hilfe nach der nuklearen Erdbebenkatastrophe in Fukushima und Nordostjapan. Doch in der zweiten H\u00e4lfte dieses Jahres kam es zu einem Wendepunkt: S\u00fcdkoreas Verfassungsgericht verlangte Anstrengungen der Regierung zugunsten der &#8222;Trostfrauen&#8220;, im Dezember wurde die &#8222;Trostfrauen&#8220;-Statue vor der japanischen Botschaft in Seoul errichtet. Und in Japan errangen die Konservativen wieder die Regierungsmacht. Die Folgen f\u00fcr das Meinungsklima in Japan waren dramatisch. Seither liegen die Sympathiewerte f\u00fcr S\u00fcdkorea stets bei weniger als 40 Prozent &#8212; also schlechter als noch zu Zeiten der Milit\u00e4rdiktatur. Umgekehrt ist die Zahl der Japaner, die \u00fcberhaupt keine N\u00e4he zu ihrem Nachbarland sp\u00fcren, auf \u00fcber 40 Prozent gestiegen. Einer von ihnen hat nun eine junge Deutsche zu seinem Feind erkl\u00e4rt, weil sie seine Abneigung gegen Korea nicht teilt.<br \/>\nDies ist alles erschreckend. Die Unf\u00e4higkeit, mit den Nachbarn ins Reine zu kommen, kostet Japan Freundschaftspunkte &#8212; nicht nur in Asien. Da\u00df solche Einstellungen, die f\u00fcr das Land und seine Menschen selbst sch\u00e4dlich sind, inzwischen auch unter jungen Leuten verbreitet sind, ist das Ergebnis einer gedankenlosen und verantwortungslosen Bildungspolitik, einer ebenso gedankenlosen und verantwortungslosen Medienlandschaft und einer unanst\u00e4ndigen und r\u00fccksichtslosen Au\u00dfenpolitik, deren Repr\u00e4sentanten durch ihren Mangel an Empathie und Taktgef\u00fchl ihrer Jugend ein schlechtes Vorbild sind &#8212; wie <a href=\"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6970\">jener japanische Diplomat<\/a>, der seine Kritik an S\u00fcdkoreas Pr\u00e4sidenten in eine sexuell anst\u00f6\u00dfige, unanst\u00e4ndige Wortwahl kleidete. Japan hat ein veritables Haltungsproblem, das es f\u00fcr seine Freunde immer schwerer werden l\u00e4\u00dft, ihm beiseite zu stehen.<\/p>\n<p><em>Quelle des Schaubildes: Umfragen der japanischen Regierung, 1978-2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine wahre Geschichte aus dem Jahr 2021: Eine junge Deutsche, selbst mit Migrationshintergrund, will Japanisch lernen und sucht sich daf\u00fcr einen Tandempartner. Der junge Mann, mit dem sie online zusammenkommt, bringt beim Kennenlernen das Gespr\u00e4ch auf Hobbys und Vorlieben. Arglos \u00e4u\u00dfert die Deutsche: &#8222;Ich mag K-Pop.&#8220; K-Pop ist koreanische Popmusik, unter Jugendlichen in aller Welt seit Jahren \u00e4u\u00dferst beliebt. Aber nicht bei allen, wie sie nun erfahren mu\u00df. Der junge Japaner erwidert in der Behelfssprache Englisch: &#8222;You are enemy.&#8220; Denn er hasse Korea und alles, was mit dessen Kultur zusammenh\u00e4nge. 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