{"id":6970,"date":"2021-07-20T13:16:02","date_gmt":"2021-07-20T11:16:02","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6970"},"modified":"2023-02-15T20:58:17","modified_gmt":"2023-02-15T19:58:17","slug":"auch-eine-frage-des-guten-geschmacks-warum-suedkoreas-praesident-nicht-nach-japan-reist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6970","title":{"rendered":"Auch eine Frage des guten Geschmacks: Warum S\u00fcdkoreas Pr\u00e4sident nicht nach Japan reist"},"content":{"rendered":"<p>S\u00fcdkoreas Pr\u00e4sident Mun J\u00e4in hat seine Teilnahme an der Er\u00f6ffnungsfeier der Olympischen Spiele in T\u014dky\u014d abgesagt. Er hatte vorgeschlagen, sich dabei mit Japans Ministerpr\u00e4sident Suga Yoshihide zu treffen, um die schwelenden bilateralen Probleme zu diskutieren. Beide Seiten sahen nach Vorgespr\u00e4chen wohl wenig Chancen auf eine greifbare Verbesserung der gegenw\u00e4rtigen Situation; die japanische Seite ging auf Muns Vorschlag auch nur lauwarm ein.<br \/>\nJapans zweith\u00f6chster Diplomat in Seoul verstieg sich im Vorfeld sogar dazu, im Gespr\u00e4ch mit koreanischen Medien am 16. Juli Pr\u00e4sident Mun vorzuhalten, dieser &#8222;masturbiere&#8220;, denn es gebe keine Aussicht auf bilaterale Verhandlungserfolge. Diese \u00c4u\u00dferung verbreitete sich sofort in den s\u00fcdkoreanischen Medien, die in verst\u00e4ndlicher Aufgeregtheit dar\u00fcber berichteten. Die japanischen Medien berichteten ebenfalls und nannten sogar den Namen des Diplomaten. Allerdings w\u00e4hlte Japans Staatssender NHK eine sehr indirekte <a href=\"https:\/\/www3.nhk.or.jp\/news\/html\/20210717\/k10013144851000.html\">Ausdrucksweise<\/a>, sprach von einem &#8222;sexuellen Vergleich&#8220; und benutzte das Wort <em>hitoriyogari<\/em> \u72ec\u308a\u5584\u304c\u308a, was &#8222;Selbstzufriedenheit&#8220; bedeutet und mit einiger Phantasie als &#8222;Selbstbefriedigung&#8220; gedeutet werden kann. Die koreakritische rechte Tageszeitung <em>Sankei Shinbun<\/em> war sehr viel deutlicher und <a href=\"https:\/\/www.sankei.com\/article\/20210719-QQNBUPEICVIX3FMIN2OPN3QTJU\/\">sprach<\/a> von <em>masut\u0101b\u0113shon<\/em> \u30de\u30b9\u30bf\u30fc\u30d9\u30fc\u30b7\u30e7\u30f3. Was auch immer er genau gesagt hatte: Japans Kabinettsminister Kat\u014d <a href=\"https:\/\/mainichi.jp\/articles\/20210719\/k00\/00m\/010\/343000c\">nannte<\/a> es am 19. Juli &#8222;in jedem Kontext eine h\u00f6chst unpassende \u00c4u\u00dferung&#8220; und bedauerte den Vorfall. Der Diplomat soll nun versetzt werden. Er hat \u00fcbrigens in Seoul studiert und sollte der koreanischen Sprache hinreichend m\u00e4chtig sein, um zu verstehen, da\u00df solche Vergleiche dort schlecht ankommen. Nicht, weil Korea besonders pr\u00fcde w\u00e4re; sondern weil sie schlicht geschmacklos sind.<br \/>\nLeider ist dies nur ein weiteres Glied in der langen Kette von Vorf\u00e4llen, in denen sprachliche Entgleisungen Japans Diplomatie gegen\u00fcber Korea schlecht aussehen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00fcdkoreas Pr\u00e4sident Mun J\u00e4in hat seine Teilnahme an der Er\u00f6ffnungsfeier der Olympischen Spiele in T\u014dky\u014d abgesagt. Er hatte vorgeschlagen, sich dabei mit Japans Ministerpr\u00e4sident Suga Yoshihide zu treffen, um die schwelenden bilateralen Probleme zu diskutieren. 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