{"id":6633,"date":"2019-02-24T09:33:29","date_gmt":"2019-02-24T08:33:29","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6633"},"modified":"2019-02-24T11:59:44","modified_gmt":"2019-02-24T10:59:44","slug":"kaiser-akihitos-ansprache-zum-30-thronjubilaeum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6633","title":{"rendered":"Kaiser Akihitos Ansprache zum 30. Thronjubil\u00e4um"},"content":{"rendered":"<p><em>Am 24. Februar 2019 hielt der japanische Kaiser Akihito zum 30. Jahrestag seiner Thronbesteigung eine <a href=\"https:\/\/www3.nhk.or.jp\/news\/html\/20190224\/k10011826401000.html\">Ansprache<\/a>, die angesichts seines bevorstehenden R\u00fccktritts zugleich eine pers\u00f6nliche Bilanz seiner Zeit als Kaiser darstellte. Damit stellt sie ein wichtiges Zeugnis einer nunmehr zu Ende gehenden \u00c4ra dar. Ich dokumentiere ihren vollen Wortlaut in einer eigenen \u00dcbersetzung.<\/em><\/p>\n<hr>\n<p>Ich bin zutiefst dankbar f\u00fcr die Gl\u00fcckw\u00fcnsche, die mir aus Anla\u00df meines 30. Thronjubil\u00e4ums von der Regierung und aus dem In- und Ausland zugedacht wurden. Schaue ich auf die vergangenen Tage seit den drei\u00dfig Jahren nach meiner Thronbesteigung zur\u00fcck, bin ich zutiefst beeindruckt, dass ich diesen Tag heute auf diese Weise mit nationalen und internationalen Gl\u00fcckw\u00fcnschen bedacht feiern kann.<br \/>\nIn den drei\u00dfig Jahren der Heisei-\u00c4ra wurde Japan von dem starken Willen des Volkes getragen, den Frieden zu suchen. Zum ersten Mal in der Moderne gab eine \u00c4ra, die keinen Krieg erlebte, doch es war wiederum keinesfalls eine Zeit ohne Verwerfungen, sondern eine Zeit, in der wir vielen unerwarteten Schwierigkeiten gegen\u00fcberstanden.<br \/>\nDie Welt ist in eine Periode des Klimawandels eingetreten, und auch unser Land hat unter vielen Naturkatastrophen gelitten und sieht sich auch angesichts des demographischen Wandels im Gefolge von Alterung und abnehmender Geburtenrate vielen sozialen Ph\u00e4nomenen gegen\u00fcber, die es in der Vergangenheit nicht erlebt hat.<br \/>\nAuch unser Land, das  als Inselreich seine eigenst\u00e4ndige Kultur in relativ gesegneter Form kultiviert hat, ist jetzt in der sich globalisierenden Welt nach au\u00dfen hin offen und sichert sich meinem Eindruck nach darin mit Weisheit seinen eigenen Platz und strebt mit Aufrichtigkeit danach, Beziehungen zu anderen L\u00e4ndern aufzubauen.<br \/>\nSeit meiner Thronbesteigung als Kaiser bis zum heutigen Tag habe ich Tag f\u00fcr Tag f\u00fcr den Frieden und die Zufriedenheit der Menschen des Landes gebetet und dar\u00fcber nachgedacht, wie ich als sein Symbol beschaffen sein mu\u00df.<br \/>\nDoch der Weg, das Bild des Kaisers als das von der Verfassung vorgeschriebene Symbol zu suchen, ist unendlich lang. Diejenigen, die mir von nun an folgen, werden f\u00fcr die n\u00e4chste \u00c4ra und auch die n\u00e4chsten \u00c4ren nach der Gestalt suchen, die sie als Symbol haben m\u00fcssen. Ich hoffe inst\u00e4ndig, da\u00df sie in diesen Zeiten, die vor uns liegen, das Bild des Symbols weiter erg\u00e4nzen k\u00f6nnen.<br \/>\nEs war eine Freude, meine bisherigen Pflichten als Kaiser mit der Hilfe vieler Menschen erledigen zu k\u00f6nnen. Alle meine bisherigen Dienste konnten nur mit Zustimmung und Unterst\u00fctzung der Organisationen des Landes durchgef\u00fchrt werden, und da\u00df ich bisher alles erledigen konnte, was ich erledigen mu\u00dfte, verdankte ich der Existenz der Menschen dieses Landes und dem \u00fcber lange Jahre von der Vergangenheit bis heute von den Japanern erschaffenen Zivilisationsgrad dieses Landes, dem als Symbol seiner Einheit zu dienen Stolz und Freude bereitet.<br \/>\nW\u00e4hrend der Katastrophen in den letzten drei\u00dfig Jahren begegneten uns ungl\u00fccklicherweise auch viele Leiden in den betroffenen Gebieten, doch der Anblick von Menschen, die auf bewunderswerte Weise durchhielten, und von Menschen aus dem ganzen Land, die sich des Ungl\u00fccks dieser Gegenden annahmen und auf vielf\u00e4ltige Weise eng zusammenhielten, geh\u00f6rt zu den unverge\u00dflichen Erinnerungen meiner Amtszeit.<br \/>\nHeute m\u00f6chte ich auch den Menschen in anderen L\u00e4ndern meinen Dank aussprechen, die auf uns achteten, als Japan Not und Trauer erlebte. Unz\u00e4hlige L\u00e4nder, internationale Organisationen und Regionen leisteten uns herzlich Beistand. Daf\u00fcr danke ich aus ganzem Herzen.<br \/>\nBald nachdem die Heisei-\u00c4ra begann, schrieb die Kaiserin ein tief bewegtes Gedicht.<\/p>\n<blockquote><p>Das ganze Reich ist voll der Worte von Menschen, die gemeinsam eine Zeit des Friedens erbauen wollen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Heisei-\u00c4ra begann f\u00fcr mich nach dem Tod von Kaiser Sh\u014dwa als ein Weg durch eine in tiefen Schmerz versunkene Finsternis. Weil es eine solche Zeit war, wurden die &#8222;Worte&#8220; in diesem Gedicht damals nie laut gesprochen.<br \/>\nAber noch heute behalten wir die in diese Stille hinein gesprochenen, entschlossenen Worte, die uns damals aus allen Regionen des Landes erreichten &#8212; &#8222;Auch wir werden gemeinsam mit dem Kaiserhaus ein friedliches Japan aufbauen&#8220; &#8212; als Schatz in unserem Herzen.<br \/>\nIch spreche allen, die heute zu meinem 30. Thronjubil\u00e4um eine solche Zeremonie veranstaltet haben, meinen tiefsten Dank aus und bete erneut f\u00fcr Frieden und Gl\u00fcck der Menschen in unserem Land und in der Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 24. Februar 2019 hielt der japanische Kaiser Akihito zum 30. Jahrestag seiner Thronbesteigung eine Ansprache, die angesichts seines bevorstehenden R\u00fccktritts zugleich eine pers\u00f6nliche Bilanz seiner Zeit als Kaiser darstellte. Damit stellt sie ein wichtiges Zeugnis einer nunmehr zu Ende gehenden \u00c4ra dar. Ich dokumentiere ihren vollen Wortlaut in einer eigenen \u00dcbersetzung. Ich bin zutiefst dankbar f\u00fcr die Gl\u00fcckw\u00fcnsche, die mir aus Anla\u00df meines 30. Thronjubil\u00e4ums von der Regierung und aus dem In- und Ausland zugedacht wurden. 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