{"id":6539,"date":"2018-08-09T06:29:52","date_gmt":"2018-08-09T04:29:52","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6539"},"modified":"2018-08-09T06:30:04","modified_gmt":"2018-08-09T04:30:04","slug":"jongdari-ein-taifun-bereitet-kopfzerbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6539","title":{"rendered":"Jongdari: Ein Taifun als Fragezeichen"},"content":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich sind Japaner an Taifune gew\u00f6hnt; sie kommen regelm\u00e4\u00dfig \u00fcbers Land. Im allgemeinen entstehen sie nahe dem \u00c4quator s\u00fcd\u00f6stlich von Japan, r\u00fccken dann nach Nordwesten vor und ziehen entweder an Japan vorbei oder fallen ins Land ein, bevor sie Richtung Osten abziehen.<br \/>\nEnde Juli 2018 <a href=\"https:\/\/www.stripes.com\/blogs\/pacific-storm-tracker\/tropical-depression-15w-jongdari-42-final-1.538930\">war dies anders<\/a>. Am 22. Juli meldete das US-amerikanische Taifunwarnzentrum eine <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/geographie\/tropische-depression\/8311\">Tropische Depression<\/a> (die m\u00f6gliche Vorstufe eines Taifuns) westlich von Guam, etwa 1500 km s\u00fcd\u00f6stlich von Okinawa. Am 23. wurde klar, da\u00df sie sich nicht Richtung Okinawa, sondern nach Osten entwickelte und dort m\u00f6glicherweise als Taifun in T\u014dky\u014d ankommen w\u00fcrde. Am 24. wurde klar, da\u00df noch gar nichts klar war: Die Vorhersagen f\u00fcr das Auftreffen an Land schwankten zwischen der Kant\u014d-Region mit T\u014dky\u014d und dem \u00e4u\u00dfersten Nordosten der Insel Honsh\u016b. Am 25. wurde der Wind zu einem Tropischen Sturm aufgewertet und erhielt den internationalen Namen <em>Jongdari<\/em>, das koreanische Wort f\u00fcr &#8222;Feldlerche&#8220;. In Japan nannte man ihn Taifun Nr. 12. Man rechnete damit, da\u00df er zur st\u00e4rksten oder zweitst\u00e4rksten Sturmkategorie geh\u00f6ren w\u00fcrde. Entsprechend wurden Warnungen in Japan ausgegeben. Als &#8222;Aufschlagsort&#8220; sah man jetzt die Region um T\u014dky\u014d an. Am 26. Juli \u00e4nderte sich dies jedoch: Nun wurde die Izu-Halbinsel als gef\u00e4hrdet angesehen, mithin die Region um Shizuoka und Hamamatsu. Der Sturm w\u00fcrde, so rechnete man, Honsh\u016b Richtung Korea \u00fcberqueren und dann auf die koreanische Halbinsel auftreffen. Im Zentrum Honsh\u016bs rechnete man mit dem Schlimmsten.<br \/>\nEs kam jedoch ganz anders. In der Nacht des 29. Juli traf Jongdari auf der Halbinsel Shima nahe Ise auf Land, also weitab von T\u014dky\u014d oder Shizuoka. Es gab in der Region der japanischen Inlandssee zwei Dutzend Verletzte, heftigen Regen und Stromausf\u00e4lle, zahlreiche F\u00e4hr- und Flugverbindungen wurden eingestellt. Doch insgesamt waren Windgeschwindigkeit und Zerst\u00f6rungskraft des Sturms deutlich niedriger als bef\u00fcrchtet. Fein, dachte man, dann w\u00fcrde er noch ein bi\u00dfchen \u00fcber Ky\u016bsh\u016b hinwegziehen und sich Richtung China in ein, zwei Tagen aufl\u00f6sen. Man stufte Jongdari wieder zu einer Tropischen Depression herab.<br \/>\nAber das war voreilig. Tats\u00e4chlich gab es Vorhersagen, die damit rechneten, da\u00df Jongdari sich s\u00fcdwestlich von Ky\u016bsh\u016b in einer Schleife bewegen und damit zu neuer Kraft kommen w\u00fcrde. Das erschien v\u00f6llig absurd und nie dagewesen &#8212; doch genau so kam es. Am 31. Juli war Jongdari wieder als Sturm anerkannt. Er bewegte sich jenseits aller meteorologischen Spielregeln um die S\u00fcdspitze Ky\u016bsh\u016bs herum ostw\u00e4rts, l\u00f6ste dort und auf Shikoku nochmals heftigen Regen aus, wechselte abrupt bei den Inseln Yakushima und Tanegashima erneut seine Richtung, zog nochmals s\u00fcdlich von Ky\u016bsh\u016b vorbei und endlich nach China weiter, wo er nahe Shanghai als Tropische Depression ankam.<br \/>\nAuf der Landkarte \u00e4hnelt die Route von Jongdari also einem riesigen Fragezeichen.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.typhoon2000.ph\/multi\/log\/JONGDARI_201808040000.PNG\" alt=\"Route des Taifuns Jongdari 2018\" \/><br \/>\nDas Fragezeichen bildete sich auch im Kopf der Japaner, die so etwas noch nie erlebt hatten. F\u00fcr dieses extrem seltene Ph\u00e4nomen erfand man deshalb den Begriff &#8222;gegenl\u00e4ufiger Taifun&#8220; (\u9006\u8d70\u53f0\u98a8 <em>gyakus\u014d taif\u016b<\/em>). Als wissenschaftliche Erkl\u00e4rung gilt, da\u00df ein pazifisches Hoch und ein tibetisches Hoch stabil \u00fcber Japan lagen, w\u00e4hrend ein H\u00f6henzyklon mit Kaltluft (&#8222;cold-core low&#8220;) als Tiefdruckgebiet von Hokkaid\u014d nach S\u00fcden str\u00f6mte. Dadurch wurde Jongdari gegen den Uhrzeigersinn abgelenkt. Verwirrung also \u00fcberall.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich sind Japaner an Taifune gew\u00f6hnt; sie kommen regelm\u00e4\u00dfig \u00fcbers Land. Im allgemeinen entstehen sie nahe dem \u00c4quator s\u00fcd\u00f6stlich von Japan, r\u00fccken dann nach Nordwesten vor und ziehen entweder an Japan vorbei oder fallen ins Land ein, bevor sie Richtung Osten abziehen. Ende Juli 2018 war dies anders. Am 22. Juli meldete das US-amerikanische Taifunwarnzentrum eine Tropische Depression (die m\u00f6gliche Vorstufe eines Taifuns) westlich von Guam, etwa 1500 km s\u00fcd\u00f6stlich von Okinawa. 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