{"id":6437,"date":"2018-06-04T23:31:09","date_gmt":"2018-06-04T21:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6437"},"modified":"2018-06-05T23:42:19","modified_gmt":"2018-06-05T21:42:19","slug":"der-sankei-shinbun-chef-und-die-trostfrauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6437","title":{"rendered":"Der Sankei-Shinbun-Chef und die &#8222;Trostfrauen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Alte M\u00e4nner f\u00fchren gern lose Reden. Das kann man zur Zeit in der deutschen Innenpolitik beobachten, aber z.B. auch in den USA. Nat\u00fcrlich kommt es auch in Japan vor. Dort trafen sich 1983 zwei f\u00fchrende Mitglieder des Unternehmerverbandes <em>Nikkeiren<\/em> \u65e5\u7d4c\u9023 (Japan Federation of Employers&#8216; Associations; ging 2002 im <em>Keidanren<\/em> auf), um \u00fcber die Vergangenheit zu schwatzen. Ihre Unterhaltungen wurden aufgezeichnet und 1983 in zwei B\u00e4nden im Verlag der (schon damals) extrem konservativen Tageszeitung <em>Sankei Shinbun<\/em> \u7523\u7d4c\u65b0\u805e ver\u00f6ffentlicht. Der Titel des Buches lautet <em>Ima akasu Sengo Hishi<\/em> \u3044\u307e\u660e\u304b\u3059\u6226\u5f8c\u79d8\u53f2 &#8212; &#8222;Jetzt ans Tageslicht gebracht: Die geheime Geschichte der Nachkriegszeit&#8220;. Die beiden Herren waren Shikanai Nobutaka \u9e7f\u5185\u4fe1\u9686 (1911&#8211;1990) und &#8222;Mister Nikkeiren&#8220; Sakurada Takeshi \u6afb\u7530\u6b66 (1904&#8211;1985). Sakurada, ein Absolvent der elit\u00e4ren Juristischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t T\u014dky\u014d, war bereits im Zweiten Weltkrieg in die Kriegswirtschaft verwickelt und besa\u00df nach dem Krieg gro\u00dfen Einflu\u00df auf die Wirtschaftspolitik der liberal-konservativen Regierungen. Er war fraglos einer der m\u00e4chtigsten Wirtschaftskapit\u00e4ne w\u00e4hrend des japanischen &#8222;Wirtschaftswunders&#8220;. Der sieben Jahre j\u00fcngere Shikanai hingegen hatte die private Waseda-Universit\u00e4t absolviert, bevor er die Heeresverwaltungsschule \u9678\u8ecd\u7d4c\u7406\u5b66\u6821 besuchte, von welcher er 1941 graduierte. Bis 1943 tat er Dienst im Rechnungswesen des Heeresministeriums, wurde 1954 in Vorbereitung der Einf\u00fchrung des Fernsehens Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von <em>Nippon H\u014ds\u014d<\/em>, 1957 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des privaten Fernsehsenders Fuji TV und ein Jahr danach Vorstand der <em>Sankei Shinbun<\/em>. Ein kleiner Treppenwitz der Geschichte: Von S\u00fcdkoreas diktatorischem Pr\u00e4sidenten Park wurde ausgerechnet Shikanai f\u00fcr die <em>Sankei Shinbun<\/em> sp\u00e4ter mit dem Diplomatischen Verdienstorden ausgezeichnet &#8212; f\u00fcr faire Berichterstattung &#8230;<br \/>\nDas Altherrengespr\u00e4ch dieser \u00f6ffentlichen Schwergewichte drehte sich im ersten Teil vor allem um die Kriegsjahre. Die beiden nahmen dabei kein Blatt vor den Mund. So kam es zu folgendem Wortwechsel:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Shikanai<\/strong>: So etwas konnte es wohl auch nur bei der Armee geben; also wenn man an die Front ging, gab es Puffs (<em>p\u012bya<\/em> \u30d4\u30fc\u5c4b) &#8230;<br \/>\n<strong>Sakurada<\/strong>: Richtig, die Einrichtung der Troststationen (<em>iansho<\/em> \u6170\u5b89\u6240).<br \/>\n<strong>Shikanai<\/strong>: Genau. Damals mu\u00dften wir Dinge entscheiden wie das Durchhalteverm\u00f6gen und den Abnutzungsgrad der Frauen, die wir verpflegen mu\u00dften, und Frauen von woher daf\u00fcr geeignet oder ungeeignet waren, oder wie lang, nachdem man unter ihren Vorhang gekrochen war, die &#8222;Besitzzeit&#8220; war, bis man wieder herauskommen mu\u00dfte: wie viele Minuten f\u00fcr Offiziere, f\u00fcr Unteroffiziere, f\u00fcr Mannschaften &#8230; [lacht]. Auch die Geb\u00fchren mu\u00dften wir abstufen. Dies alles regelte das &#8222;Programm f\u00fcr die Einrichtung von Puffs&#8220; (<em>p\u012bya setchi y\u014dk\u014d<\/em> \u30d4\u30fc\u5c4b\u8a2d\u7f6e\u8981\u7db1), und auch das haben wir an der [Heeres-]Verwaltungsschule gelernt. Erst neulich haben wir Kameraden von der Verwaltungsschule uns versammelt und unsere Erinnerungen dar\u00fcber ausgetauscht.<\/p><\/blockquote>\n<p>[Sakurada, Takeshi; Shikanai, Nobutaka: <em>Ima akasu Sengo Hishi<\/em>. T\u014dky\u014d: Sankei Shuppan Bd. 1. 1983, S. 40&#8211;41]<\/p>\n<p>Ja, die Herren hatten sicher ihren Spa\u00df an ihren Weltkriegs-D\u00f6ntjes. Aber zehn Jahre sp\u00e4ter, als dann das Schicksal der (zum gr\u00f6\u00dferen Teil koreanischen) &#8222;Trostfrauen&#8220; endlich \u00f6ffentlich thematisiert wurde, konnte sich pl\u00f6tzlich niemand mehr daran erinnern &#8230;<br \/>\nNun gut, der f\u00fcr faire Berichterstattung preisgekr\u00f6nte Shikanai und Sakurada waren da bereits tot. Aber da\u00df ausgerechnet Shikanais eigener Zeitungsverlag bis heute so tut, als sei da nichts gewesen, als sei die japanische Armee also nicht in die professionelle Organisation von Zwangsprostitution verwickelt gewesen, ist wenigstens &#8230; dreist.<\/p>\n<p>(Hier das Zitat noch einmal auf japanisch, f\u00fcr alle F\u00e4lle:)<\/p>\n<p>\u9e7f\u5185\u3000\u3053\u308c\u306a\u3093\u304b\u3082\u8ecd\u968a\u3067\u306a\u3051\u308a\u3083\u3042\u308a\u3048\u306a\u3044\u3053\u3068\u3060\u308d\u3046\u3051\u3069\u3001\u6226\u5730\u3078\u884c\u304d\u307e\u3059\u3068\u30d4\u30fc\u5c4b\u304c&#8230;..\u3002<br \/>\n\u6afb\u7530\u3000\u305d\u3046\u3001\u6170\u5b89\u6240\u306e\u958b\u8a2d\u3002<br \/>\n\u9e7f\u5185\u3000\u305d\u3046\u306a\u3093\u3067\u3059\u3002\u305d\u306e\u3068\u304d\u306b\u8abf\u5f01\u3059\u308b\u5973\u306e\u8010\u4e45\u5ea6\u3068\u304b\u6d88\u8017\u5ea6\u3001\u305d\u308c\u306b\u3069\u3053\u306e\u5973\u304c\u3044\u3044\u3068\u304b\u60aa\u3044\u3068\u304b\u3001\u305d\u308c\u304b\u3089\u30e0\u30b7\u30ed\u3092\u304f\u3050\u3063\u3066\u304b\u3089\u51fa\u3066\u304f\u308b\u307e\u3067\u306e&#8220;\u6301\u3061\u6642\u9593&#8220;\u304c\u3001\u5c06\u6821\u306f\u4f55\u5206\u3001\u4e0b\u58eb\u5b98\u306f\u4f55\u5206\u3001\u5175\u306f\u4f55\u5206&#8230;..\u3068\u3044\u3063\u305f\u3053\u3068\u307e\u3067\u6c7a\u3081\u306a\u3051\u308c\u3070\u306a\u3089\u306a\u3044\uff08\u7b11\uff09\u3002\u6599\u91d1\u306b\u3082\u7b49\u7d1a\u3092\u3064\u3051\u308b\u3002\u3053\u3093\u306a\u3053\u3068\u3092\u898f\u5b9a\u3057\u3066\u3044\u308b\u306e\u304c\u300c\u30d4\u30fc\u5c4b\u8a2d\u7f6e\u8981\u7db1\u300d\u3068\u3044\u3046\u3093\u3067\u3001\u3053\u308c\u3082\u7d4c\u7406\u5b66\u6821\u3067\u6559\u308f\u3063\u305f\u3002\u3053\u306e\u9593\u3082\u3001\u7d4c\u7406\u5b66\u6821\u306e\u4ef2\u9593\u304c\u96c6\u307e\u3063\u3066\u3001\u3053\u3093\u306a\u601d\u3044\u51fa\u8a71\u3092\u3084\u3063\u305f\u3053\u3068\u304c\u3042\u308b\u3093\u3067\u3059\u3002<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alte M\u00e4nner f\u00fchren gern lose Reden. 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