{"id":6227,"date":"2018-02-09T08:04:48","date_gmt":"2018-02-09T07:04:48","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6227"},"modified":"2018-02-09T08:04:48","modified_gmt":"2018-02-09T07:04:48","slug":"japaner-in-geldnoeten-armani-als-grundschuluniform-prinzessin-braeutigam-pleite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=6227","title":{"rendered":"Japaner in Geldn\u00f6ten: Armani als Grundschuluniform? Prinzessin-Br\u00e4utigam pleite?"},"content":{"rendered":"<p>Auf der <a href=\"http:\/\/www.chuo-tky.ed.jp\/~taimei-es\/index.cfm\/1,html\">Homepage<\/a> der Taimei-Grundschule \u6cf0\u660e\u5c0f\u5b66\u6821 in T\u014dky\u014ds Stadtteil Ch\u016b\u014d findet sich der Hinweis auf eine Erkl\u00e4rung des Schulleiters Wada Toshitsugu &#8222;zur Information \u00fcber die neue Standard-Schuluniform&#8220;. Der Inhalt ist obskur: Es tue ihm leid, von den Medien mi\u00dfverstanden worden zu sein, und er werde zur Bek\u00e4mpfung von Ger\u00fcchten allen Betroffenen die Lage &#8222;sorgf\u00e4ltig erkl\u00e4ren&#8220;.<br \/>\nDas &#8222;Ger\u00fccht&#8220;, um das es geht, erregt nun allerdings nicht nur die Medien, sondern sogar Japans Parlament: Der Schulleiter hat sich daf\u00fcr entschieden, ab April 2018 neue Schuluniformen einzuf\u00fchren. Entworfen wurden sie von Armani. Der St\u00fcckpreis betr\u00e4gt mehr als 80.000 Yen &#8212; fast 600 Euro. Es handelt sich, wohlgemerkt, um eine \u00f6ffentliche Grundschule.<br \/>\nAber, so der Schulleiter, eine ganze besondere Grundschule: Gegr\u00fcndet vor 139 Jahren, gelegen auf der Ginza &#8212; T\u014dky\u014ds Nobel-Einkaufsmeile. Eine &#8222;Pilotschule ihrer Zeit&#8220; soll sie sein, die &#8222;Tradition und Stil&#8220; (\u4f1d\u7d71\u3068\u98a8\u683c <em>dent\u014d to f\u016bkaku<\/em>) miteinander verbinde, ihre Sch\u00fcler &#8222;sch\u00f6nes Japanisch&#8220; lehre und zudem musterg\u00fcltig auf die Olympischen Spiele von 2020 vorbereite. Stilvolle Elite also. Was den Schulleiter dazu berechtigte, wie er meinte, sich bei den Modedesignern in der Umgebung der Schule nach einem angemessenen Uniformschnitt umzusehen. Armani versprach zu liefern. Im November gab die Schule dies den Eltern bekannt. Allerdings ohne den Preis zu nennen. Er liegt zweieinhalbmal so hoch wie bisher.<br \/>\nDaraufhin hagelte es Elternbeschwerden, die nun auch ihren Weg ins japanische Parlament gefunden haben. Der zust\u00e4ndige Bildungsausschu\u00df bedauerte, da\u00df der Schulleiter diese Entscheidung ohne Beteiligung der Eltern getroffen habe, und forderte ihn auf, sich zu erkl\u00e4ren. Das hat er jetzt ja auch angek\u00fcndigt. Aber die Botschaft ist ja ziemlich klar: Wer sich traut, sein Kind in der Ginza einzuschulen, sollte auch das n\u00f6tige Kleingeld betreithalten.<br \/>\nDies gilt auch dann, wenn man sein Kind mit einem Mitglied der Kaiserlichen Familie verheiraten will. So stellt sich die Situation jedenfalls dar, seit die f\u00fcr November angek\u00fcndigte Verlobung von Prinzessin Mako, der 26-j\u00e4hrigen \u00e4ltesten Enkeltochter des regierenden Kaisers Akihito, auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Japanische Medien sehen den Grund f\u00fcr diese au\u00dfergew\u00f6hnliche Ank\u00fcndigung in der Mittellosigkeit ihres Br\u00e4utigams: Die Mutter des jungen B\u00fcrgerlichen hat, wie Ende 2017 berichtet wurde, es nicht geschafft, ihrem ehemaligen Lebensgef\u00e4hrten ein Darlehen von 4 Mio. Yen (knapp 30.000 Euro) zur\u00fcckzuzahlen. Mit diesem Geld, so die Medien, habe die fr\u00fch verwitwete Mutter die Ausbildung ihres Sohnes finanziert. Als die Beziehung zerbrach, habe ihr Ex-Freund das Geld vergeblich zur\u00fcckgefordert. Die Summe scheint l\u00e4cherlich gering, doch f\u00fcr Japans noble Gesellschaft ist sie Anla\u00df genug f\u00fcr ernste Sorgen: Nach ihrer Heirat w\u00fcrde die Prinzessin das Kaiserhaus formal verlassen, und ihre neue Familie w\u00e4re f\u00fcr den Rest ihres Lebens verantwortlich daf\u00fcr, ihr ein standesgem\u00e4\u00dfes (wenngleich b\u00fcrgerliches) Leben zu gew\u00e4hrleisten &#8212; mit den Extras, die naturgem\u00e4\u00df dazugeh\u00f6ren (Personenschutz vor aufdringlichen Journalisten z.B.). Die Hochzeit mit einem Habenichts w\u00e4re also eine erhebliche Belastung f\u00fcr das Kaiserhaus und den japanischen Steuerzahler, die ja letztlich einspringen m\u00fc\u00dften. Keine guten Aussichten also f\u00fcr eine Liebesheirat.<br \/>\nZus\u00e4tzliche Warnsignale sendet der Zustand der Ehe der 29-j\u00e4hrigen Prinzessin Noriko mit einem B\u00fcrgerlichen, die, 2014 geschlossen, kurz vor dem Scheitern stehen soll. Der 15 Jahre \u00e4ltere Ehepartner ist Erbe des Hauptpriesters des Gro\u00dfschreins von Izumo \u51fa\u96f2. Geld spielt hierbei keine Rolle. Der Mann gilt jedoch als kr\u00e4nklich, und seine in T\u014dky\u014d aufgewachsene Frau findet wohl auch wenig Gefallen am Leben im traditionsreichen, aber einsam gelegenen Schrein. Sie h\u00e4lt sich wohl lieber in der vertrauten Hauptstadt auf.<br \/>\n&#8222;Tradition und Stil&#8220; &#8212; ganz offensichtlich geht diese Verbindung eben doch am ehesten auf der Ginza zusammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Homepage der Taimei-Grundschule \u6cf0\u660e\u5c0f\u5b66\u6821 in T\u014dky\u014ds Stadtteil Ch\u016b\u014d findet sich der Hinweis auf eine Erkl\u00e4rung des Schulleiters Wada Toshitsugu &#8222;zur Information \u00fcber die neue Standard-Schuluniform&#8220;. Der Inhalt ist obskur: Es tue ihm leid, von den Medien mi\u00dfverstanden worden zu sein, und er werde zur Bek\u00e4mpfung von Ger\u00fcchten allen Betroffenen die Lage &#8222;sorgf\u00e4ltig erkl\u00e4ren&#8220;. Das &#8222;Ger\u00fccht&#8220;, um das es geht, erregt nun allerdings nicht nur die Medien, sondern sogar Japans Parlament: Der Schulleiter hat sich daf\u00fcr entschieden, ab April 2018 neue Schuluniformen einzuf\u00fchren. Entworfen wurden sie von Armani. 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