{"id":5847,"date":"2016-12-02T10:46:54","date_gmt":"2016-12-02T09:46:54","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=5847"},"modified":"2024-03-11T03:09:50","modified_gmt":"2024-03-11T02:09:50","slug":"deja-vu-im-kino-kimi-no-na-wa-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=5847","title":{"rendered":"D\u00e9ja vu im Kino: Kimi no Na wa? (2016)"},"content":{"rendered":"<p>Der als potentieller Nachfolger von Miyazaki Hayao \u5bae\u5d0e\u99ff gehandelte Anime-Regisseur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Makoto_Shinkai\">Shinkai Makoto<\/a> \u65b0\u6d77\u8aa0 (geb. 1973) besitzt eine besondere Leidenschaft f\u00fcr Br\u00fcche in der Zeit. Man sah das bereits 2004 im Science Fiction-Anime <em>Kumo no Muk\u014d, Yakusoku no Basho<\/em> \u96f2\u306e\u3080\u3053\u3046\u3001\u7d04\u675f\u306e\u5834\u6240 (&#8222;Das Gelobte Land jenseits der Wolken&#8220;), dann wieder 2007 in dem Episodenfilm <em>By\u014dsoku 5 Senchim\u0113toru<\/em> \u79d2\u901f5\u30bb\u30f3\u30c1\u30e1\u30fc\u30c8\u30eb (&#8222;Mit 5 cm in der Sekunde&#8220;), durchaus auch in <em>Hoshi wo ou Kodomo<\/em> \u661f\u3092\u8ffd\u3046\u5b50\u3069\u3082 (&#8222;Kinder auf Sternenjagd&#8220;) und in <em>Kotonoha no Niwa<\/em> \u8a00\u306e\u8449\u306e\u5ead (&#8222;Der Garten der Wortbl\u00e4tter&#8220;) (2013). Schon bei diesen Filmen hatte ich den Eindruck, da\u00df Shinkai starke Bilder mit esoterischen Andeutungen verkn\u00fcpft, ohne daraus eine z\u00fcndende Handlungsidee entwickeln zu k\u00f6nnen.<br \/>\nSein j\u00fcngster Anime, <em>Kimi no na wa<\/em> \u541b\u306e\u540d\u306f (&#8222;Wie ist dein Name?&#8220;, englischer Titel: &#8222;Your name&#8220;), kam im August 2016 in die japanischen Kinos, wurde hoch gelobt und seither <a href=\"https:\/\/ja.wikipedia.org\/wiki\/\u541b\u306e\u540d\u306f\u3002#cite_note-h28-11-28-6\">von rund 15 Mio. Japanern<\/a> gesehen. Er ist damit der dritterfolgreichste Film der japanischen Filmgeschichte, noch vor Miyazakis <em>Mononokehime<\/em>.<\/p>\n<div class=\"bnp_responsive_embed\"><noscript><iframe title=\"\u300c\u541b\u306e\u540d\u306f\u3002\u300d\u4e88\u544a\" width=\"760\" height=\"428\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/k4xGqY5IDBE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><\/noscript><iframe title=\"\u300c\u541b\u306e\u540d\u306f\u3002\u300d\u4e88\u544a\" width=\"760\" height=\"428\" data-src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/k4xGqY5IDBE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen class=\"lozad\"><\/iframe><\/div><\/p>\n<p>Also habe ich ihn mir heute auch angesehen.<br \/>\nUm es kurz zu fassen: Mein Eindruck ist immer noch derselbe. Noch drastischer ausgedr\u00fcckt: Seit <em>Yakusoku no Basho<\/em> ist Shinkais Erz\u00e4hlkunst nicht ein bi\u00dfchen gewachsen; eher im Gegenteil. Obwohl inzwischen selbst ein Mitt-Vierziger, kreist er immer noch um die Gef\u00fchlswelt von Jugendlichen, die zweifellos kompliziert ist, was sich f\u00fcr Shinkai vor allem im ausgiebigen Gebrauch von Smartphones darstellt (zweifellos nicht ganz ohne Realit\u00e4tsbezug). Und er benutzt jede Menge Shinto-Esoterik, um die schicksalhafte Fernbegegnung eines Jungen und eines M\u00e4dchens, die st\u00e4ndig (anfangs gegen ihren Willen) im Traum ihre K\u00f6rper wechseln und dabei von einem Zeitsprung zum n\u00e4chsten eilen, halbwegs plausibel zu machen. Es ist nat\u00fcrlich die weise Gro\u00dfmutter, die als W\u00e4chterin eines ins 5. Jahrhundert (!) zur\u00fcckgehenden Shinto-Schreins in Hida \u98db\u9a28 das Schl\u00fcsselkonzept kennt, mit dem alle Handlungsenden verbunden werden: <em>musubi<\/em> \u7d50\u3073, das &#8222;Band&#8220;, nach ihrer Erkl\u00e4rung ein altes shintoistisches Konzept, durch das Menschen miteinander und mit den G\u00f6ttern und mit den verschiedenen Dimensionen der Zeit verkn\u00fcpft werden.<br \/>\nDas kratzt zwar nicht besonders tief, verbindet sich aber mit pubert\u00e4rem (und zur Zeit populistisch-gef\u00e4lligem) Widerstand gegen den traditionsvergessenen und machtbesessenen Vater, der (wie unweise) auf sein Amt als Shinto-Priester verzichtete, um B\u00fcrgermeister zu werden. &#8222;Es riecht nach Korruption&#8220;, stellt ein Schulkamerad der Heldin fest, die den Namen &#8230; Moment, gleich f\u00e4llt es mir wieder ein &#8230; gr\u00fcbel &#8230;<br \/>\nDabei ist das mit den Namen ganz einfach. Die weise Gro\u00dfmutter hei\u00dft Hitoha (&#8222;Einblatt&#8220;). Ihre vor Jahren gestorbene Tochter hei\u00dft Futaba (&#8222;Zweiblatt&#8220;). Unsere Heldin hei\u00dft logischerweise Mitsuha (&#8222;Dreiblatt&#8220;) und ihre kleine Schwester Yotsuha (&#8222;Vierblatt&#8220;). Simpler geht&#8217;s doch gar nicht.<br \/>\nDoch Mitsuhas imagin\u00e4rer Doppelg\u00e4nger in Tokyo (er hei\u00dft \u00fcbrigens Taki) kann sich ihren Namen partout nicht merken. Das ist die Pointe des Films.<br \/>\nUnd eigentlich eine ziemlich billige Masche. Denn <em>Kimi no Na wa?<\/em> ist ja nicht irgendein Titel. In der Nachkriegszeit lief unter diesem Namen eine Fortsetzungsgeschichte im japanischen Radio, die ungeheuren Erfolg hatte. Das Drehbuch stammte von Kikuta Kazuo \u83ca\u7530 \u4e00\u592b. Hier ging es auch um zwei junge Leute, Machiko und Haruki, die nach einer schicksalhaften Begegnung lange nicht zusammenkommen konnten. Nat\u00fcrlich spielt Shinkai auf diese Geschichte an, die vor allem der \u00e4lteren Generation der heutigen Japaner noch tief ins Ged\u00e4chtnis gebrannt ist. Aber nun kommt das eigentlich Skandal\u00f6se: Machiko und Haruki begegnen einander im Krieg. Ihre Geschichte hat einen f\u00fcr die Menschen damals tiefernsten Hintergrund. Bei Shinkai ist das bedeutendste Ereignis seiner Geschichte dagegen ein Dorffest vor dem \u00f6rtlichen Shinto-Schrein. Es riecht nicht nur nach Korruption. Es riecht nach Hinterwald.<br \/>\n&#8222;Ich will hier raus!&#8220;, schreit Mitsuha bei einer Gelegenheit, weil ihr die Belanglosigkeit dieses historischen Niemandslandes auf die Nerven geht. Dasselbe Gef\u00fchl hatte ich beim Betrachten dieses Filmes leider auch. Passable Bilder. Laute Musik. Und irgendwie belanglos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der als potentieller Nachfolger von Miyazaki Hayao \u5bae\u5d0e\u99ff gehandelte Anime-Regisseur Shinkai Makoto \u65b0\u6d77\u8aa0 (geb. 1973) besitzt eine besondere Leidenschaft f\u00fcr Br\u00fcche in der Zeit. Man sah das bereits 2004 im Science Fiction-Anime Kumo no Muk\u014d, Yakusoku no Basho \u96f2\u306e\u3080\u3053\u3046\u3001\u7d04\u675f\u306e\u5834\u6240 (&#8222;Das Gelobte Land jenseits der Wolken&#8220;), dann wieder 2007 in dem Episodenfilm By\u014dsoku 5 Senchim\u0113toru \u79d2\u901f5\u30bb\u30f3\u30c1\u30e1\u30fc\u30c8\u30eb (&#8222;Mit 5 cm in der Sekunde&#8220;), durchaus auch in Hoshi wo ou Kodomo \u661f\u3092\u8ffd\u3046\u5b50\u3069\u3082 (&#8222;Kinder auf Sternenjagd&#8220;) und in Kotonoha no Niwa \u8a00\u306e\u8449\u306e\u5ead (&#8222;Der Garten der Wortbl\u00e4tter&#8220;) (2013). 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