{"id":5519,"date":"2016-07-06T00:31:27","date_gmt":"2016-07-05T22:31:27","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=5519"},"modified":"2016-07-06T00:32:04","modified_gmt":"2016-07-05T22:32:04","slug":"olympische-spiele-wer-die-hymne-nicht-singt-kann-japan-nicht-repraesentieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=5519","title":{"rendered":"Olympische Spiele: &#8222;Wer die Hymne nicht singt, kann Japan nicht repr\u00e4sentieren!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Seit das vom Deutschen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Eckert_(Komponist)\">Franz Eckert<\/a> entscheidend bearbeitete <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kimi_Ga_Yo\">Kimi ga yo<\/a><\/em> 1880 durch das damalige Palastministerium zur Hymne des Kaisers gew\u00e4hlt wurde, herrscht Streit darum, ob es auch die Nationalhymne des Landes sei. Erst 1999 wurde es gesetzlich dazu erkl\u00e4rt. Freilich wollen es immer noch etliche Japaner nicht singen, weil es die Kaiserherrschaft verherrlicht und es gerade in den d\u00fcstersten Zeiten der modernen japanischen Geschichte zur Pflicht gemacht wurde, mitzusingen.<br \/>\nIm Zuge der neokonservativen Restauration unter Ministerpr\u00e4sident Abe Shinz\u014d wird das Mitsingen nun erneut zum Pr\u00fcfstein f\u00fcr Patriotismus gemacht. So hob die <a href=\"http:\/\/www.sankei.com\/politics\/news\/160327\/plt1603270014-n1.html\">regierungsfreundliche Presse<\/a> hervor, auf der Gr\u00fcndungsversammlung der neuen Oppositionspartei Minshint\u014d \u6c11\u9032\u515a (aus der Vereinigung der zuvor gr\u00f6\u00dften Oppositionsparteien entstanden) Ende M\u00e4rz 2016 sei zwar die Nationalflagge gehi\u00dft, jedoch die Hymne nicht gesungen worden. Der Vertreter einer rechtsstehenden Splitterpartei mit dem bezeichnenden Namen &#8222;Japans Seele&#8220; \u65e5\u672c\u306e\u3053\u3053\u308d gab darauf gleich <a href=\"http:\/\/www.sankei.com\/politics\/news\/160330\/plt1603300025-n1.html\">zum besten<\/a>, einer Partei, welche die Nationalhymne nicht singe, d\u00fcrfe man die Regierungsgewalt nicht anvertrauen. Schlie\u00dflich sei das Gesetz \u00fcber Nationalflagge und -hymne von 1999 ein &#8222;ehernes Gesetz&#8220;.<br \/>\nDie Kampagne zieht nun weitere Kreise: Der ehemalige Ministerpr\u00e4sident Mori Yoshir\u014d \u68ee\u559c\u6717 (LPD) <a href=\"http:\/\/www.asahi.com\/articles\/ASJ735KMZJ73UTIL021.html\">behauptete<\/a> auf einer Veranstaltung f\u00fcr die 300 Athleten, die f\u00fcr Japan an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen sollen, wer die Hymne nicht mitsingen k\u00f6nne, sei kein Repr\u00e4sentant Japans.  Man solle sie auf dem Siegerpodest nicht nur vor sich hin murmeln, sondern laut singen.<br \/>\nMori \u00e4rgerte sich wohl dar\u00fcber, da\u00df bei dem Athletentreffen die meisten Sportler still geblieben waren. Allerdings stand auf dem Programm auch nicht etwa das gemeinsame Absingen (<em>seish\u014d<\/em> \u6589\u5531) der Hymne, sondern ein &#8222;Gesangssolo zur Nationalhymne&#8220; (<em>kokka dokush\u014d<\/em> \u56fd\u6b4c\u72ec\u5531). Freilich wird Mori, der auch Mitglied des Organisationskomitees f\u00fcr die Olympischen Spiele in T\u014dky\u014d 2020 ist, demn\u00e4chst 79 Jahre alt und hat vielleicht Schwierigkeiten, das Kleingedruckte auf solchen Programmen zu lesen. Au\u00dferdem ist Mori schon des \u00f6fteren mit markigen Spr\u00fcchen hervorgetreten; seine auf Vorkriegsrhetorik zur\u00fcckgreifende Behauptung, Japan sei ein &#8222;Land der G\u00f6tter mit dem Kaiser im Zentrum&#8220; und einem eigent\u00fcmlichen &#8222;Staatsk\u00f6rper&#8220;, hatte ihn 2000 sein Amt gekostet.<br \/>\nSein Geburtstag ist \u00fcbrigens am 14. Juli. Das ist bekanntlich der franz\u00f6sische Nationalfeiertag, an dem mit Hingabe die &#8222;Marseillaise&#8220; gesungen zu werden pflegt. Das ist tats\u00e4chlich eine echte Nationalhymne, deren Text Mori wie allen Populisten allerdings nicht besonders gefallen d\u00fcrfte &#8230;<\/p>\n<blockquote><p>Tremblez, tyrans et vous perfides<br \/>\nL&#8217;opprobre de tous les partis,<br \/>\nTremblez!<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit das vom Deutschen Franz Eckert entscheidend bearbeitete Kimi ga yo 1880 durch das damalige Palastministerium zur Hymne des Kaisers gew\u00e4hlt wurde, herrscht Streit darum, ob es auch die Nationalhymne des Landes sei. Erst 1999 wurde es gesetzlich dazu erkl\u00e4rt. Freilich wollen es immer noch etliche Japaner nicht singen, weil es die Kaiserherrschaft verherrlicht und es gerade in den d\u00fcstersten Zeiten der modernen japanischen Geschichte zur Pflicht gemacht wurde, mitzusingen. Im Zuge der neokonservativen Restauration unter Ministerpr\u00e4sident Abe Shinz\u014d wird das Mitsingen nun erneut zum Pr\u00fcfstein f\u00fcr Patriotismus gemacht. 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