{"id":5491,"date":"2016-05-29T08:30:47","date_gmt":"2016-05-29T04:30:47","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=5491"},"modified":"2016-05-29T20:03:43","modified_gmt":"2016-05-29T18:03:43","slug":"jeju-forum-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=5491","title":{"rendered":"Jeju Forum 2016"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Thema &#8222;Asia&#8217;s New Order and Cooperative Leadership&#8220; fand vom 25. bis 27. Mai auf der s\u00fcdkoreanischen Insel <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jeju-do\">Jeju (Cheju)<\/a> \u6e08\u5dde\u5cf6 das 11. <a href=\"http:\/\/www.jejuforum.or.kr\/m21_overview.php?year=2016\">Jeju Forum<\/a> statt. Die Provinz Jeju und die s\u00fcdkoreanische Regierung investieren jeweils eine Menge, um dieses Forum zu einem in ganz Ostasien und dar\u00fcber hinaus beachteten Event zu machen. Das st\u00e4ndige Motto des Forum &#8212; &#8222;For Peace &#038; Prosperity&#8220; &#8212; verweist bereits auf die politischen Schwerpunkt: Friede und Verst\u00e4ndigung auf der einen Seite, Wirtschaftskooperation auf der anderen. Oder besser gesagt, beides zusammen als die beiden Seiten derselben Medaille.<br \/>\nWegen des ausgesprochen auf Verst\u00e4ndigung ausgerichteten Gesamtprogramms scheuen sich auch hochrangige Vertreter der Nachbarl\u00e4nder nicht, die Einladung nach Jeju anzunehmen. Entsprechend gro\u00df ist das Aufgebot der Prominenz, wenngleich ein \u00dcbergewicht des Gastgeberlandes weiterhin besteht.<br \/>\nDie <a href=\"https:\/\/www.nahf.or.kr\/eng\/\">Northeast Asia History Foundation<\/a>, mit der ich bereits mehrfach zusammengearbeitet habe und die ebenfalls &#8222;Peace and Prosperity&#8220; in ihrem Schilde f\u00fchrt, lud mich ein, in Jeju als Redner an einem Panel zum Thema Vergangenheitsbew\u00e4ltigung teilzunehmen. Also fuhr ich gern hin und nahm das breite Spektrum der Veranstaltung wahr.<\/p>\n<h5>Nukleare Sicherheit<\/h5>\n<p>Das erste Panel, das ich besuchte, besch\u00e4ftigte sich mit nuklearer Sicherheit im Zeichen des Terrorismus. Der japanische Vertreter (ein Diplomat mit langer Erfahrung in der <a href=\"https:\/\/www.iaea.org\">IAEO<\/a>) nannte denn auch gleich den Terrorismus die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr nukleare Sicherheit; seit 2001 werde dies so wahrgenommen, und die seither abgehaltenen<br \/>\nvier internationalen Konferenzen h\u00e4tten gemischte Ergebnisse gezeigt: Die Sicherheit der atomaren Abf\u00e4lle habe man zu ca. 50 % im Griff, ebenso die Kontrolle der Containerschiffe. Grenz- und Zollkontrollen m\u00f6glicher Transportwege nuklearen Materials seien zwar machbarkeit, m\u00fc\u00dften aber national finanziert werden. Japan habe freiwillig gro\u00dfe Teile seines waffenf\u00e4higen Plutoniums an die USA zur\u00fcckgegeben. Japan, S\u00fcdkorea und China h\u00e4tten <em>centers of excellence<\/em> eingerichtet, die als Ausbildungszentren auch f\u00fcr andere L\u00e4nder dienten; er betrachte dies als durchaus willkommene Konkurrenz dieser L\u00e4nder.<br \/>\nDer australische Vertreter bedauerte demgegen\u00fcber, es gebe keine internationalen Standards f\u00fcr nukleare Sicherheit oder Kontrollen; der IAEO-Haushalt sei zu klein daf\u00fcr. Deshalb beschr\u00e4nke sich alles im Moment auf freiwillige Beitr\u00e4ge einzelner L\u00e4nder (au\u00dfer Japan h\u00e4tten 15 von 25 Staaten bisher ihr waffenf\u00e4higes Plutonium abgegeben). <em>Peer review<\/em> f\u00fcr Sicherheitsstandards sei notwendig, werde aber oft aus Geheimhaltungsgr\u00fcnden abgelehnt. Dies f\u00fchre m\u00f6glicherweise zu Verunsicherung in der Bev\u00f6lkerung. Sein Vortrag gipfelte deshalb in der Behauptung: &#8222;Die Aufgabe der Atomenergie wegen eines Vertrauensverlustes in der Bev\u00f6lkerung w\u00e4re in niemandes Interesse, da wir sie brauchen, um den Kohlenstoffaussto\u00df zu reduzieren.&#8220;<br \/>\nDer pakistanische Vertreter bedauerte, die internationalen Konferenzen h\u00e4tten bislang nur begrenzte Ziele verfolgt, nicht aber die notwendige nukleare Abr\u00fcstung. Die Kontrolle heimlicher oder unsichtbarer Atomprogramme sei naturgem\u00e4\u00df weiterhin nicht nicht m\u00f6glich. Am meisten Sorge bereite ihm jedoch nicht die Sicherheit (<em>security<\/em>), sondern die Ungef\u00e4hrlichkeit (<em>safety<\/em>) der Atomtechnologie: Der Bau von AKWs nahe gro\u00dfen St\u00e4dte sei unverantwortlich. China baue derzeit ungeachtet aller Proteste aus der Bev\u00f6lkerung und Wissenschaft jedoch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Karachi_Nuclear_Power_Complex\">zwei Mega-Reaktoren nahe der Metropole Karatschi<\/a>, was riesige Risiken berge.<br \/>\nDer Vertreter Chinas lie\u00df dies unkommentiert, forderte jedoch, Plutonium solle von zivilem Gebrauch v\u00f6llig ausgeschlossen werden. Die Katastrophe von Fukushima 2011 habe China schockiert und zu einer kompletten Revision der eigenen Atomtechnologie bewogen. China baue seine Reaktoren deshalb um und biete diese Konvertierung auch in Afrika an. Er bedauerte, da\u00df der notwendige Austausch von <em>best practice<\/em> in der Technologie wegen nationaler Geheimhaltung immer noch auf Widerstand sto\u00dfe.<br \/>\nIch erlaubte mir in der Fragestunde den Hinweis, da\u00df Japan laut Wikileaks-Dokumenten nach 2001 unter amerikanischer Aufsicht mehrere Stresstests, darunter auch die <a href=\"https:\/\/wikileaks.org\/plusd\/cables\/06TOKYO442_a.html\">Simulation eines nordkoreanischen Terrorangriffs<\/a>, durchgef\u00fchrt habe, und fragte, ob die IAEO die Ergebnisse dieser Tests kenne und wer die Agenda f\u00fcr solche Tests vorgebe. Der japanische Diplomat erwiderte (nicht ganz unerwartet), er habe keine Kenntnis von diesen Tests. Offenbar haben japanische Diplomaten keinen Zugang zum Internet.<\/p>\n<h5>Johan Galtung zu Nordkorea<\/h5>\n<p>So wenig mich diese Statements der Nuklearexperten \u00fcberzeugten, so wenig konnte ich mit dem anfangen, was der Friedensforscher <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johan_Galtung\">Johan Galtung<\/a> zur \u00dcberwindung der Teilung der koreanischen Halbinsel von sich gab. Galtung f\u00fchrt die Aggressivit\u00e4t von Staaten auf lang bestehende kulturelle Muster zur\u00fcck (&#8222;deep culture&#8220;); statistisch betrachtet, seien die aggressivsten Staaten die USA, Israel, Gro\u00dfbritannien und die T\u00fcrkei. Alle seien Anh\u00e4nger abrahamitischer Religionen, was kein Zufall sein k\u00f6nne. Nordkorea versuche nur, sich gegen die USA zu verteidigen. Doch &#8222;auf der gesamten koreanischen Halbinsel sehe ich eine Menge Dummheit.&#8220; Die S\u00fcdkoreaner sollten mit dem Norden geduldig sein, denn es gebe auch dort ein starkes Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl. &#8222;Untersch\u00e4tzen Sie die Kraft des Geistes nicht!&#8220; Das war alles, mit Verlaub, das wenig hilfreiche Raunen eines Altmeisters des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kulturalismus\">Kulturalismus<\/a>.<\/p>\n<h5>Kulturelle Diversit\u00e4t<\/h5>\n<p>Einige Veranstaltungen waren mehr oder weniger rein koreanische Podien, so auch das Panel zu kultureller Diversit\u00e4t in Ostasien. Es begann mit dem Statement eines jungen Wissenschaftlers der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cheju_Halla_University\">Cheju Halla-Universit\u00e4t<\/a>, der meinte, Ostasien m\u00fcsse zu einer gemeinsamen Wertebasis (&#8222;asiatischen Werten&#8220;) finden, um sich in der Welt zu behaupten. Deshalb m\u00fc\u00dften die Regierungen den kulturellen Austausch f\u00f6rdern. Ein preisgekr\u00f6nter chinesischer Professor f\u00fcr Marketing blies ins nahezu selbe Horn: Ostasien m\u00fcsse sich gegen den Kulturimperialismus der USA behaupten, der Asiens Kultur bedrohe. Das mochte der geb\u00fcrtige Japaner Yuji Hosaka von der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sejong_University\">Sejong-Universit\u00e4t<\/a>  &#8212; seit 2003 Koreaner, wie er mehrfach betonte &#8212; nicht so stehen lassen: Korea m\u00fcsse sich aus geopolitischen Gr\u00fcnden zwischen China (Landmacht) und Japan (Seemacht) entscheiden, denn die politischen Konflikte verhinderten eine kulturelle Kooperation. Japan und Korea st\u00fcnden sich politisch-wertem\u00e4\u00dfig n\u00e4her als China, deshalb sei klar, wie die Wahl auszufallen habe. Dem widersprach der junge Kollege aus Jeju vehement: Die Wiederaufwertung der Geopolitik sei eine j\u00fcngere japanische Masche, um Korea einzufangen. Hosaka betonte abermals, er sei Koreaner und nicht Japaner. Ein ehemaliger Ministerialbeamter hob (nicht ganz im Sinne des Panelthemas) hervor, kulturelle Identit\u00e4t sei wichtiger als Diversit\u00e4t. So wurde am Ende nicht ganz deutlich, was die eigentliche Absicht des Panels gewesen sein sollte, obwohl die Thematik ja nicht so ganz neu gewesen sein d\u00fcrfte. Dasselbe Problem entsteht jedoch regelm\u00e4\u00dfig, wenn Politologen und Wirtschaftswissenschaftler \u00fcber historische Prozesse sprechen, von denen sie, milde gesagt, keine Ahnung haben. Auf meine Frage, was au\u00dfer E\u00dfst\u00e4bchen die heutigen Ostasien denn kulturell gemeinsam h\u00e4tten, nannte der junge Politiker allen Ernstes die Hofmusik der Tangzeit (jap. <em>Gagaku<\/em> \u96c5\u697d); zudem benutze man in S\u00fcdkorea heute wieder mehr chinesische Schriftzeichen.<\/p>\n<h5>Geopolitische Spannungen<\/h5>\n<p>Die Geopolitik stand auch bei einem anderen Panel Pate; es ging um geopolitische Spannungen und deren Auswirkungen auf die Atomwaffenstrategien der ostasiatischen Staaten.<br \/>\nDer chinesische Vertreter f\u00fchrte aus, die nukleare Aufr\u00fcstung habe bisher zu keiner Ver\u00e4nderung der strategischen Situation gef\u00fchrt &#8212; nirgendwo. China habe bislang nur soviel A-Waffen auf einem Niveau gehalten, da\u00df es mithalten konnte. L\u00f6sungen der politischen Konflikte k\u00f6nnten deshalb nicht durch Abr\u00fcstung erzielt werden. Nordkoreas Nuklearpolitik sei v\u00f6llig au\u00dfer Kontrolle Chinas.<br \/>\nEin Vertreter aus Princeton pflichtete ihm bei, Nuklearwaffen seien nicht die Ursache der Spannungen. China habe jedoch seine Position ver\u00e4ndert: von konstruktiv zu Konkurrenz mit USA; beide Seiten seien jetzt dabei, ihr Arsenal zu modernisieren, um nicht zur\u00fcckzubleiben. Es sei deshalb ein realistischer Dialog \u00fcber strategische Verwundbarkeit n\u00f6tig.<br \/>\nEin s\u00fcdkoreanischer Spezialist (und ehemaliger Diplomat) f\u00fcr Nordkorea konstatierte, Amerikas und Chinas Nuklearpolitik habe versagt wegen ihrer wachsenden Konkurrenz. Ihre Konkurrenz werde weitergehen, sei aber nicht das Hauptproblem f\u00fcr Ostasien. Die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel werde gar nicht ernsthaft verfolgt. S\u00fcdkorea sei das Hauptziel der nordkoreanischen Aufr\u00fcstung; ihm werde von den Superm\u00e4chten unfreiwillig die Last f\u00fcr strategische Entscheidungen auferlegt, z.B. Raketenabwehr. Die bisherige Abkommen mit Nordkorea seien an Synchronisation gescheitert; die westlichen Staaten sollten in Zukunft vorangehen, um Vertrauen zu bilden. Sanktionen allein w\u00fcrden NK wohl nicht \u00fcberzeugen. Sollte Trump Pr\u00e4sident der USA werden und die Verteidigung regionalisieren, sei vorstellbar, da\u00df S\u00fcdkorea und Japan nuklear aufr\u00fcsten.<br \/>\nEin japanischer Friedensforscher aus Nagasaki f\u00fchrte dazu aus, einige japanische Politiker wollten die nukleare Option offenhalten, doch Bev\u00f6lkerung sei mehrheitlich dagegen. Japan sollte mit Blick auf Nachbarn auf nukleare Option verzichten. Er schlug vor, Japan, Nord- und S\u00fcdkorea sollten gegenseitig auf A-Waffen verzichten; der angestrebte Plutonium-Zyklus sollte beendet werden; Japan sollte einen multilateralen Ansatz f\u00fcr die Plutonium-Entsorgung verfolgen (S\u00fcdkorea scheine das auch zu wollen). Er mu\u00dfte allerdings zugeben, da\u00df Haltung der gegenw\u00e4rtigen japanischen Regierung in diesen Fragen anders aussehe.<\/p>\n<h5>Ein neues Forum f\u00fcr die Vergangenheitsbew\u00e4ltigung<\/h5>\n<p>Auch Juristen haben ihren eigenen Blick auf die Vergangenheit. Koreanische Experten untersuchten, welche M\u00f6glichkeiten das V\u00f6lkerrecht in seinen neuesten Entwicklungen mit Blick auf die Streitpunkte zwischen Japan und Korea (Trostfrauen, Dokdo\/Takeshima) biete. Ein Juraprofessor der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Korea_University\">Korea-Universit\u00e4t<\/a> vertrat dabei die Auffassung, die 2015 erzielte japanisch-koreanische \u00dcbereinkunft zur L\u00f6sung der Trostfrauen-Frage sei nicht ausreichend, weil sie einseitig auf dem von japanischer Seite gepflegten Positivismus beruhe. Dies sei ein Erbe des westlichen Imperialismus und Kolonialismus. Ein Kollege pflichtete ihm bei: Japan habe 1965 mit Korea einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ungleiche_Vertr\u00e4ge\">Ungleichen Vertrag<\/a> geschlossen (gemeint ist der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grundlagenvertrag_zwischen_Japan_und_der_Republik_Korea\">Japanisch-Koreanische Grundlagenvertrag<\/a>), wodurch es bis heute einseitig im Vorteil sei. Es bed\u00fcrfe deshalb einer ostasiatischen Weiterentwicklung des V\u00f6lkerrechts, um Gerechtigkeit durchzusetzen.<br \/>\nEinzig der Pakistaner Asif Qureshi, der heute gleichfalls an der Korea-Universit\u00e4t lehrt, gab zu bedenken, die Vergangenheit sei nicht sinnvoll mit juristischen Mitteln aufzuarbeiten. Streitigkeiten zwischen Nachbarn oder Verwandten seien stets h\u00f6chst emotional beladen und lie\u00dfen sich durch Prozesse nicht wirklich l\u00f6sen. In solchen F\u00e4llen sei es wirksamer, die Wahrheit feststellen und niederschreiben zu lassen. Er schlug dazu die Einrichtung eines internationalen Expertenforums vor. Das war aus meiner Sicht ein Lichtblick dieser Veranstaltung, auf der bezeichnenderweise kein einziger Japaner das Wort ergriff.<\/p>\n<h5>Ban Ki-moon<\/h5>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ban_Ki-moon\">Ban Ki-moon<\/a>, der Generalsekret\u00e4r der Vereinten Nationen, wird angesichts der Misere der jetzigen Pr\u00e4sidenten Park als kommender Pr\u00e4sidentschaftskandidat der Konservativen gehandelt. Entsprechend trat er auf dem Forum auf und bekannte sich zu seinen koreanischen und asiatischen Wurzeln.<br \/>\nAsien m\u00fcsse seine Territorialkonflikte l\u00f6sen und historische Probleme l\u00f6sen, wie dies in Afrika, Lateinamerika und Europa gelungen sei. &#8222;We need patriotism, not nationalism.&#8220;<br \/>\nDie UN-Sanktionen sollten Nordkorea zu nuklearer Abr\u00fcstung bewegen. Nordkorea solle zum Dialog zur\u00fcckkehren und seine internationalen Pflichten erf\u00fcllen.<br \/>\nDie Regionale Kooperation in Asien m\u00fcsse nach dem Handel nun auch die Menschenrechte umfassen. Intoleranz, Ha\u00df und Unfreiheit h\u00e4tten in Teilen Asiens besorgniserregend zugenommen. Fl\u00fcchtlinge m\u00fc\u00dften aber \u00fcberall menschlich aufgenommen werden.<\/p>\n<h5>Mahathir bin Mohammad<\/h5>\n<p>Der ehemalige malaysische Ministerpr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mahathir_bin_Mohamad\">Mahathir<\/a> sprach sich daf\u00fcr aus, Krieg als ungesetzlich zu \u00e4chten. Wenn es ein Verbrechen sei, einen Menschen zu t\u00f6ten, dann m\u00fcsse Krieg auch ein Verbrechen sein. Auch die Sklaverei sei fr\u00fcher universal verbreitet gewesen und sei heute ausgerottet. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ASEAN\">ASEAN<\/a> wurde gegr\u00fcndet, um Krieg zu verhindern. Malaysia habe seine zahlreichen Territorialkonflikte friedlich gel\u00f6st und die Urteile internationaler Gerichte stets akzeptiert. Krieg sei teuer. Ein Nuklearkrieg k\u00f6nne die gesamte Menschheit ausl\u00f6schen. Die \u00c4chtung des Krieges werde lange dauern, doch &#8222;auch eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt&#8220;.<\/p>\n<h5>Murayama Tomiichi<\/h5>\n<p>Japans ehemaliger Ministerpr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Murayama_Tomiichi\">Murayama Tomiichi<\/a> \u6751\u5c71\u5bcc\u5e02 kritisierte seinen Nachfolger <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shinz\u014d_Abe\">Abe Shinz\u014d<\/a> daf\u00fcr, seine ber\u00fchmte Entschuldigung f\u00fcr Japans \u00dcbeltaten im Zweiten Weltkrieg 2015 nur halbherzig \u00fcbernommen zu haben. Japan m\u00fcsse sich zu seiner vollen Verantwortung bekennen. Abe solle allen \u00fcberlebenden Trostfrauen einen pers\u00f6nlichen Entschuldigungsbrief zukommen lassen. Japan m\u00fcsse auch anerkennen, da\u00df es wegen der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Senkaku-Inseln\">Senkaku-Inseln<\/a> ein Territorialproblem mit China gebe. Die Inseln sollten gemeinsam genutzt werden. (Von Takeshima\/Dokdo sprach Murayama nicht.)<br \/>\n<noscript><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/c1.staticflickr.com\/8\/7333\/26677951944_1a42383bea_c.jpg\" alt=\"Murayama und Mahathir auf dem Jeju-Forum 2016\" \/><\/noscript><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%20viewBox='0%200%20800%20530'%3E%3C\/svg%3E\" data-src=\"https:\/\/c1.staticflickr.com\/8\/7333\/26677951944_1a42383bea_c.jpg\" alt=\"Murayama und Mahathir auf dem Jeju-Forum 2016\" \/class=\"lozad\" \/><br \/>\nNach den Auftritten dieser (ziemlich ehemaligen) &#8222;World Leaders&#8220; st\u00fcrmten chinesische Touristen das Podium, um Fotos von den Prominenten zu machen. Die Moderatorin forderte sie auf Chinesisch  auf, das Podium zu verlassen; sie mahnte sogar: &#8222;The situation is getting out of control!&#8220; Erst nach 10 Minuten hatte sich die Lage wieder beruhigt.<\/p>\n<h5>Hatoyama Yukio<\/h5>\n<p>Eine weitere Schl\u00fcsselrede hielt der ehemalige japanische Ministerpr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yukio_Hatoyama\">Hatoyama Yukio<\/a> \u9ce9\u5c71\u7531\u7d00\u592b. Er kritisierte den gleichzeitigen G7-Gipfel f\u00fcr unn\u00f6tige harsche und einseitige \u00c4u\u00dferungen gegen\u00fcber China, Nordkorea und Ru\u00dfland. Der Dialog mit Nordkorea m\u00fcsse geduldig gef\u00fchrt werden. Alles in allem sei die Lage in Ostasien heute deutlich schlechter als noch zu seiner Amtszeit (2009&#8211;2010). Er forderte, auf Jeju und auf Okinawa eine st\u00e4ndige Konferenz f\u00fcr Zusammenarbeit einzurichten, die sich zun\u00e4chst mit kulturellen und wirtschaftlichen Fragen befassen solle und zu der Nordkorea unbedingt zugelassen werden solle. Auf diese Weise solle Vertrauen geschaffen werden, um anschlie\u00dfend \u00fcber eine Friedensordnung zu verhandeln. (Die naheliegende Forderung, auch Taiwan an diesem Proze\u00df zu beteiligen, erhob Hatoyama unverst\u00e4ndlicherweise allerdings nicht.)<\/p>\n<p><noscript><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/c6.staticflickr.com\/8\/7114\/27284914645_20d927c66d_c.jpg\" alt=\"Hatoyama Yukio auf dem Jeju-Forum 2016\" \/><\/noscript><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%20viewBox='0%200%20800%20530'%3E%3C\/svg%3E\" data-src=\"https:\/\/c6.staticflickr.com\/8\/7114\/27284914645_20d927c66d_c.jpg\" alt=\"Hatoyama Yukio auf dem Jeju-Forum 2016\" \/class=\"lozad\" \/><\/p>\n<h5>Organisation <\/h5>\n<p>Das Forum war sehr professionell organisiert. Das ICC ist hochmodern, die R\u00e4ume gut ausgestattet (nur das WiFi lie\u00df man uns nicht nutzen). Es gab gutes Essen, ein kleines Exkursionsprogramm von lokalen NGOs, und \u00fcberall halfen junge Leute mit Rat und Tat. Sie sorgten auch f\u00fcr die Simultan\u00fcbersetzungen ins Englische, Chinesische oder Japanische. Das ging mal besser, mal weniger gut. Man merkt eben schon, da\u00df eine gediegene Allgemeinbildung heute weltweit Mangelware ist (eine Studentin wu\u00dfte z. B. nicht, was &#8222;Kamikaze&#8220; bedeutet). Der gute Wille war aber \u00fcberall sp\u00fcrbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Thema &#8222;Asia&#8217;s New Order and Cooperative Leadership&#8220; fand vom 25. bis 27. Mai auf der s\u00fcdkoreanischen Insel Jeju (Cheju) \u6e08\u5dde\u5cf6 das 11. Jeju Forum statt. Die Provinz Jeju und die s\u00fcdkoreanische Regierung investieren jeweils eine Menge, um dieses Forum zu einem in ganz Ostasien und dar\u00fcber hinaus beachteten Event zu machen. Das st\u00e4ndige Motto des Forum &#8212; &#8222;For Peace &#038; Prosperity&#8220; &#8212; verweist bereits auf die politischen Schwerpunkt: Friede und Verst\u00e4ndigung auf der einen Seite, Wirtschaftskooperation auf der anderen. 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