{"id":5022,"date":"2015-11-06T09:43:23","date_gmt":"2015-11-06T08:43:23","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=5022"},"modified":"2015-11-06T11:59:22","modified_gmt":"2015-11-06T10:59:22","slug":"studienmobilitat-traum-und-wirklichkeit-in-ostasien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=5022","title":{"rendered":"Studienmobilit\u00e4t: Traum und Wirklichkeit in Ostasien"},"content":{"rendered":"<p>Die ostasiatischen L\u00e4nder haben sich die Internationalisierung ihres Hochschulwesens vorgenommen; nicht nur aus idealistischen Gr\u00fcnden. Denn der einheimische Bildungsmarkt wird in China, Japan und S\u00fcdkorea von der demographischen Entwicklung bedroht: Sinkende Studentenzahlen im Gefolge der abnehmenden Bev\u00f6lkerungszahl stellen die Existenz vieler Bildungseinrichtungen in Frage. Deshalb sollen \u00fcberall mehr ausl\u00e4ndische Studenten angeworben werden. Daf\u00fcr haben die nationalen Regierungen ehrgeizige Ziele definiert: In Japan soll die Zahl der einreisenden Studenten bis 2020 auf 300.000 (2012: 60.138) wachsen, in China auf 500.000 (2012: 88.979), in S\u00fcdkorea bis 2023 auf 200.000 (2012: 59.472). Das sind f\u00fcr Ostasien zusammen genau 1 Million &#8212; gegen\u00fcber 286.207 im Jahr 2012 also 3,5 Mal so viel. F\u00fcr die ausreisenden (also die eigenen) Studenten sind die Ziele weit weniger ehrgeizig: Nur Japan nennt hier eine konkrete Zahl, n\u00e4mlich 120.000 (2012: rund 60.000). China, aus dem 2012 sage und schreibe 789.000 Studenten den Weg ins Ausland genommen haben, schweigt hierzu, und S\u00fcdkorea m\u00f6chte die Zahl (2012: 135.000) sogar reduzieren. Japan hat aus volkswirtschaftlicher Sicht hier am wenigsten Handlungsdruck, denn die Zahlen von 2012 zeigen, da\u00df nur Japan eine positive Wanderungsbilanz besitzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5023\" aria-describedby=\"caption-attachment-5023\" style=\"width: 712px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/2012_Auslandsstudenten.png\"><noscript><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/2012_Auslandsstudenten.png\" alt=\"Auslandsstudenten in Ostasien 2012\" width=\"712\" height=\"400\" class=\"size-full wp-image-5023\" srcset=\"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/2012_Auslandsstudenten.png 712w, https:\/\/kotoba.japankunde.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/2012_Auslandsstudenten-300x169.png 300w\" sizes=\"(max-width: 712px) 100vw, 712px\" \/><\/noscript><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%20viewBox='0%200%20712%20400'%3E%3C\/svg%3E\" data-src=\"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/2012_Auslandsstudenten.png\" alt=\"Auslandsstudenten in Ostasien 2012\" width=\"712\" height=\"400\" class=\"lozad size-full wp-image-5023\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%20viewBox='0%200%20712%20400'%3E%3C\/svg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/2012_Auslandsstudenten.png 712w, https:\/\/kotoba.japankunde.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/2012_Auslandsstudenten-300x169.png 300w\" sizes=\"(max-width: 712px) 100vw, 712px\"  \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5023\" class=\"wp-caption-text\">Auslandsstudenten in Ostasien 2012<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ob Auslandserfahrungen der eigenen Studenten nicht doch auch langfristig positive Auswirkungen auf die eigene Volkswirtschaft haben, ist nat\u00fcrlich eine ganz andere Frage. Denn die Studenten mit Auslandserfahrungen bringen wertvolle Kenntnisse und Kompetenzen aus ihren Gastl\u00e4ndern zur\u00fcck, die ihnen f\u00fcr ihren weiteren Lebensweg mit ziemlicher Sicherheit dienlich sein werden. Den nationalen Hochschulen ist dies allerdings ziemlich gleichg\u00fcltig. Sie arbeiten im Auftrag ihrer Regierungen fieberhaft daran, f\u00fcr ausl\u00e4ndische Studenten attraktiver zu werden. Hierzu geh\u00f6ren v.a. englischsprachige Studienangebote und Kurzzeitprogramme wie Summer Schools. <\/p>\n<p>In Japan wird das Studienjahr nun Schritt f\u00fcr Schritt auf Quadrimester (!) umgestellt, damit ausl\u00e4ndische Studenten ihre Sommerferien produktiv im Lande verbringen k\u00f6nnen. Allerorten werden zudem Kurse in &#8222;International Japanese Studies&#8220; eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Umgekehrt beginnt das gro\u00dfe Geldsparen. Die Waseda-Universit\u00e4t hat jetzt beschlossen, etliche ihrer Auslandszentren &#8212; darunter auch das 1991 gegr\u00fcndete Europa-Zentrum in Bonn &#8212; zu schlie\u00dfen. Andere japanische Universit\u00e4ten arbeiten daran, ihre Europaaktivit\u00e4ten in einem gemeinsamen Netzwerk zu b\u00fcndeln. <\/p>\n<p>Gerade in Ostasien, wo das Bildungswesen zu einem erheblichen Teil als Bildungsmarkt verstanden wird, versch\u00e4rft der demographische Wandel also den Druck zur Kommerzialisierung  der Bildung. Sie wird nun wie ein Handelsgut wie alle anderen behandelt. Nirgends hat sich dies besser gezeigt als in der \u00c4u\u00dferung des (ausgerechnet wegen Geldfragen mittlerweile aus dem Amt geschiedenen) ehemaligen japanischen Kultusministers Shimomura, f\u00fcr die Geisteswissenschaften bestehe volkswirtschaftlich kein Bedarf. Wer auch immer als Student nach Ostasien geht, sollte diese Zusammenh\u00e4nge zumindest kennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ostasiatischen L\u00e4nder haben sich die Internationalisierung ihres Hochschulwesens vorgenommen; nicht nur aus idealistischen Gr\u00fcnden. Denn der einheimische Bildungsmarkt wird in China, Japan und S\u00fcdkorea von der demographischen Entwicklung bedroht: Sinkende Studentenzahlen im Gefolge der abnehmenden Bev\u00f6lkerungszahl stellen die Existenz vieler Bildungseinrichtungen in Frage. Deshalb sollen \u00fcberall mehr ausl\u00e4ndische Studenten angeworben werden. Daf\u00fcr haben die nationalen Regierungen ehrgeizige Ziele definiert: In Japan soll die Zahl der einreisenden Studenten bis 2020 auf 300.000 (2012: 60.138) wachsen, in China auf 500.000 (2012: 88.979), in S\u00fcdkorea bis 2023 auf 200.000 (2012: 59.472). 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