{"id":4886,"date":"2015-08-19T08:19:35","date_gmt":"2015-08-19T06:19:35","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=4886"},"modified":"2015-08-21T06:47:02","modified_gmt":"2015-08-21T04:47:02","slug":"lotte-in-noten-steinzeitlicher-fremdenhas-bedroht-japanisch-koreanischen-konzern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=4886","title":{"rendered":"Lotte in N\u00f6ten: &#8222;Steinzeitlicher Fremdenha\u00df&#8220; bedroht japanisch-koreanischen Konzern"},"content":{"rendered":"<p><noscript><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm5.staticflickr.com\/4119\/4762037409_d8734ed22e_z_d.jpg\" alt=\"Lotte Kaugummi\" \/><\/noscript><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%20viewBox='0%200%20640%20233'%3E%3C\/svg%3E\" data-src=\"https:\/\/farm5.staticflickr.com\/4119\/4762037409_d8734ed22e_z_d.jpg\" alt=\"Lotte Kaugummi\" \/class=\"lozad\" \/><br \/>\n<em>Foto: theimpulsivebuy<\/em><\/p>\n<p>Alles begann mit Kaugummi. 1942, mit 20 Jahren, siedelte der in der Provinz S\u00fcd-Kyeongsang geborene Shin Kyukho \u8f9b\u683c\u6d69 nach Japan \u00fcber und begann unter dem Namen Shigemitsu Takeo \u91cd\u5149\u6b66\u96c4 ein Studium an der Berufsfachschule der Waseda-Universit\u00e4t in Tokyo-Kokubunji. Wegen der Kriegslage wurde der Unterricht 1945 vor\u00fcbergehend eingestellt. Shin begann in dieser Zeit, mit Chemikalien herumzuexperimentieren, um Handelsprodukte wie Seife und Pomade herzustellen. Dann fing die Besatzungszeit an, und Shin begegnete US-amerikanischen Soldaten, die unaufh\u00f6rlich Kaugummi kauten, der in Japan noch nicht sehr verbreitet gewesen war. Shin roch die Marktl\u00fccke und begann mit der Herstellung von Kaugummi. Daf\u00fcr gr\u00fcndete er 1948 eine eigene Firma, die er &#8222;Lotte&#8220; nannte &#8212; nach Charlotte, der Geliebten von Goethes &#8222;Werther&#8220;.<br \/>\nUnter dem Werbeslogan &#8222;Die\/der Geliebte deines Mundes&#8220; (\u304a\u53e3\u306e\u604b\u4eba) fand der Kaugummi rei\u00dfenden Absatz. Die Firma expandierte: Seit 1964 stellt sie auch Schokolade her.<br \/>\nUnd sie expandierte in Shins Heimat. 1967 &#8212; zwei Jahre nach der Normalisierung der Beziehungen zwischen Japan und S\u00fcdkorea &#8212; gr\u00fcndete sich der koreanische Ableger des Lotte-Konzerns, unter wohlwollender Zustimmung des Diktators Park Chung-Hee, dem Investitionen in sein armes Reich hochwillkommen waren. Lotte-Korea exportierte von nun an Kaugummis nach Japan.<br \/>\nDort stieg Lotte ins Sportsponsoring ein, kaufte 1971 einen Baseball-Verein und wurde zu einem der gr\u00f6\u00dften Lebensmittelkonzerne. Dazu geh\u00f6ren inzwischen u.a. eine Handelsgesellschaft, drei Fastfood-Ketten (Lotteria, Burger King Japan, Krispy Kreme Doughnuts) und die Kaffeehauskette Cozy Corner.<br \/>\nDer koreanische Teil des Konzerns stieg unterdessen zu einem der die koreanischen Wirtschaft beherrschenden Gro\u00dfkonzerne (<em>ch\u00e4beol<\/em> = <em>zaibatsu<\/em> \u8ca1\u95a5) auf. Dazu geh\u00f6ren u.a. eine Kaufhauskette, eine Hotelkette, eine Einzelhandelskette, eine Mietwagenfirma sowie Vertriebsunternehmen f\u00fcr Fujifilm und Asahi Beer, ein Versicherungs- und ein Kreditkartenunternehmen, eine Kinokette, nat\u00fcrlich ein Baseballteam und und und &#8230; mit rund 60.000 Angestellten.<br \/>\nUnd das Leben k\u00f6nnte so sch\u00f6n sein f\u00fcr die Unternehmerfamilie (Shin ist mit einer Japanerin verheiratet), die \u00fcber die 2007 gegr\u00fcndete, in Japan ans\u00e4ssige Lotte Holdings das Verm\u00f6gen der Familie bewacht und vermehrt.<br \/>\nTheoretisch jedenfalls. Leider schrieb der Konzern wegen eines Expansionsversuches in China rote Zahlen. Daraufhin begann heftiger Streit in der Familie: Der \u00e4lteste Sohn des Gr\u00fcnders, der als Chef der Holding fungierte, entband nun n\u00e4mlich seinen Vater und seinen j\u00fcngeren Bruder von ihren Posten im Konzern. Es entspann sich ein Machtkampf um die Nachfolge des greisen Firmengr\u00fcnders, der von seinem \u00e4ltesten Sohn als <a href=\"http:\/\/english.chosun.com\/site\/data\/html_dir\/2015\/08\/13\/2015081301684.html\">senil und unzurechnungsf\u00e4hig<\/a> dargestellt wird, w\u00e4hrend sein j\u00fcngerer Bruder sich weigert, seine Abl\u00f6sung zu akzeptieren.<br \/>\nDie koreanische \u00d6ffentlichkeit erlebt nicht zum ersten Mal, da\u00df ein die Nation bestimmender Firmenkonzern in derartige Turbulenzen ger\u00e4t. Gew\u00fcrzt wird die Lotte-Kontroverse jedoch durch eine <a href=\"http:\/\/www.usnews.com\/news\/business\/articles\/2015\/08\/12\/insufficiently-korean-top-retailer-tripped-by-ties-to-japan\">antijapanische Kampagne<\/a>: Im August 2015 begann eine Boykottbewegung gegen Lotte, das angeblich nur vort\u00e4usche, ein koreanischer Konzern zu sein, und in Wirklichkeit von japanischem Kapital beherrscht werde. So wurde kritisiert, da\u00df Lotte den japanischen Eiskunstlauf-Star <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mao_Asada\">Asada Mao<\/a> \u6d45\u7530\u771f\u592e f\u00fcr eine Werbekampagne engagiert hatte &#8212; die doch eine direkte Rivalin der S\u00fcdkoreanerin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kim_Yuna\">Kim Yuna<\/a> \u91d1\u59f8\u5152 ist. <\/p>\n<p>[youtube_sc url=https:\/\/www.youtube.com\/embed\/KPEzMkzH1p4]<br \/>\n<em>Lottes Fernsehwerbespot mit Asada Mao<\/em><\/p>\n<p>Es wird kritisiert, da\u00df der \u00e4lteste Sohn des Firmengr\u00fcnders Interviews mit koreanischen Medien auf japanisch gibt, w\u00e4hrend sein j\u00fcngerer Bruder mit einem heftigen japanischen Akzent spricht. Lotte reagierte darauf, indem auf dem im Bau befindlichen Lotte Tower in Seoul eine riesige s\u00fcdkoreanische Flagge gehi\u00dft wurde. Auch der Verband der koreanischen Einzelh\u00e4ndler hat zum <a href=\"http:\/\/english.chosun.com\/site\/data\/html_dir\/2015\/08\/05\/2015080501247.html\">Boykott von Lotte<\/a> aufgerufen; nicht zum ersten Mal, denn Lotte st\u00f6rt ihre Gesch\u00e4fte. Schon 2014 wurde Lotte angegriffen, als im Lotte Hotel in Seoul ein Empfang der japanischen Botschaft zur Feier des 60-j\u00e4hrigen Bestehens der japanischen Selbstverteidigungsstreitkr\u00e4fte stattinden sollte. Koreas Medien <a href=\"http:\/\/www.japantoday.com\/category\/politics\/view\/hotel-in-seoul-refuses-to-hold-party-by-japanese-embassy-for-sdf\">kritisierten<\/a>, da\u00df dabei die Flagge der Selbstverteidigungsstreitkr\u00e4fte &#8212; eine modifizierte Version der fr\u00fcheren japanischen Kriegsflagge &#8212; gezeigt werden sollte, was in Korea \u00fcble Erinnerungen an die Kolonialzeit wecke. Das Hotel k\u00fcndigte deshalb den Empfang, sehr zum Mi\u00dffallen der japanischen Regierung. Doch der Konzern sitzt zwischen allen St\u00fchlen. S\u00fcdkorea befindet sich im August 2015 rund um die Feiern des 70. Jahrestages der Unabh\u00e4ngigkeit von Japan in einer nationalistischen Hysterie ohnegleichen. Es ist durchaus m\u00f6glich, da\u00df der Konzern ihr Opfer wird.<br \/>\nZum Schaden S\u00fcdkoreas, wie sogar die konservative Tageszeitung Chosun Ilbo <a href=\"http:\/\/english.chosun.com\/site\/data\/html_dir\/2015\/08\/17\/2015081701560.html\">feststellte<\/a>: Lotte sei einer der gr\u00f6\u00dften Steuerzahler in Korea und garantiere alles in allem 350.000 Arbeitspl\u00e4tze. Da sei es absurd zu fragen, welche Nationalit\u00e4t die Firmeninhaber h\u00e4tten. &#8222;Steinzeitlicher Fremdenha\u00df&#8220; d\u00fcrfe nicht zugelassen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: theimpulsivebuy Alles begann mit Kaugummi. 1942, mit 20 Jahren, siedelte der in der Provinz S\u00fcd-Kyeongsang geborene Shin Kyukho \u8f9b\u683c\u6d69 nach Japan \u00fcber und begann unter dem Namen Shigemitsu Takeo \u91cd\u5149\u6b66\u96c4 ein Studium an der Berufsfachschule der Waseda-Universit\u00e4t in Tokyo-Kokubunji. Wegen der Kriegslage wurde der Unterricht 1945 vor\u00fcbergehend eingestellt. Shin begann in dieser Zeit, mit Chemikalien herumzuexperimentieren, um Handelsprodukte wie Seife und Pomade herzustellen. Dann fing die Besatzungszeit an, und Shin begegnete US-amerikanischen Soldaten, die unaufh\u00f6rlich Kaugummi kauten, der in Japan noch nicht sehr verbreitet gewesen war. 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