{"id":4560,"date":"2015-01-16T18:40:12","date_gmt":"2015-01-16T17:40:12","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=4560"},"modified":"2015-06-01T09:50:26","modified_gmt":"2015-06-01T07:50:26","slug":"trostfrauen-us-verlag-lehnt-lehrbuch-korrektur-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=4560","title":{"rendered":"Trostfrauen: US-Verlag lehnt Lehrbuch-Korrektur ab"},"content":{"rendered":"<p>Im November 2014 meldeten <a href=\"http:\/\/www.christianitydaily.com\/articles\/1003\/20141117\/japan-requests-mcgraw-hill-remove-comfort-women-history-books.htm\">internationale Medien<\/a> unter Berufung auf die in solchen Dingen offenbar aus erster Hand unterrichtete rechtspopulistische <em>Sankei Shinbun<\/em> (die am 2.11.2014 das Thema zum ersten Mal aufgriff), das japanische Au\u00dfenministerium habe den renommierten US-amerikanischen Verlag McGraw Hill aufgefordert, &#8222;falsche&#8220; Darstellungen \u00fcber &#8222;Trostfrauen&#8220; (Zwangsprostituierte) aus einem weitverbreiteten Lehrbuch der Weltgeschichte f\u00fcr Oberschulen zu entfernen. Mitte Dezember <a href=\"http:\/\/ajw.asahi.com\/article\/behind_news\/social_affairs\/AJ201501140033\">besuchten<\/a> deshalb Angeh\u00f6rige des japanischen Generalkonsulats in New York offiziell den Verlag. Auch einer der Verfasser des Buches wurde kontaktiert und aufgefordert, den Text zu ver\u00e4ndern. Verfasser und Verlag lehnten am 15. Januar 2015 das japanische Ansinnen in <a href=\"http:\/\/blogs.wsj.com\/chinarealtime\/2015\/01\/15\/u-s-publisher-rebuffs-japan-on-comfort-women-revision\/?KEYWORDS=comfort+women\">\u00f6ffentlichen Stellungnahmen<\/a> ab.<br \/>\nProfessor Herbert F. Ziegler <a href=\"http:\/\/blogs.wsj.com\/japanrealtime\/2015\/01\/15\/statements-by-japan-publisher-over-textbook-passage-on-comfort-women\/?KEYWORDS=comfort+women\">teilte mit<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Ich bin tats\u00e4chlich verantwortlich f\u00fcr die zwei kurzen Abschnitte \u00fcber Trostfrauen. &#8230; Der Verleger und ich sind getrennt von Repr\u00e4sentanten der japanischen Regierung kontaktiert worden, haupts\u00e4chlich, um eine Art Revision der anst\u00f6\u00dfigen Darstellung zu fordern. Weder der Verleger noch ich haben eine solche Absicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>In Zieglers Buch <em>Tradition &#038; Encounters: A Global Perspective on the Past<\/em> hei\u00dft es w\u00f6rtlich:<br \/>\n&#8222;Die japanische Armee warb, verpflichtete und pre\u00dfte mit Gewalt nicht weniger als 200.000 Frauen zwischen 14 und 20 Jahren zum Dienst in Milit\u00e4rbordellen, &#8218;Trosth\u00e4user&#8216; genannt.&#8220;<br \/>\nBei Kriegsende &#8222;massakrierte (die Armee) eine gro\u00dfe Anzahl von Trostfrauen, um diese Operation zu verschleiern&#8220;.<br \/>\nF\u00fcr Japans Regierung ist es fraglos peinlich, da\u00df ein recht plumper Versuch, ihr eigenes Geschichtsbild in einer so delikaten Frage weltweite Schlagzeilen macht. Das inl\u00e4ndische Publikum wird davon allerdings wenig mitbekommen, auch wenn die <a href=\"http:\/\/ajw.asahi.com\/article\/behind_news\/social_affairs\/AJ201501140033\">Asahi Shinbun<\/a> \u00fcber den Vorfall berichtete.<br \/>\nEin wenig Licht auf die intellektuellen (?) Hintergr\u00fcnde wirft ein Facebook-Eintrag des ehemaligen Professors an der T\u014dky\u014d-Universit\u00e4t <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Nobukatsu_Fujioka\">Fujioka Nobukatsu<\/a> \u85e4\u5ca1\u4fe1\u52dd, der seine marxistische Vergangenheit (er war einst Mitglied der Kommunistischen Partei Japans) seit zwanzig Jahren durch besonders aggressiven Geschichtsrevisionismus bew\u00e4ltigt. Fujioka (f\u00fchrendes Mitglied des &#8222;Vereins f\u00fcr die Schaffung eines neuen Geschichtsbuchs&#8220;) schrieb am 2.11.2014 auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/nobukatsu.fujioka\/posts\/730152497070527?pnref=story\">Facebook<\/a>, er habe den Sankei-Artikel gelesen. Ein guter Freund habe daraufhin sofort auf englisch einen Protestbrief an McGraw-Hill geschrieben, allerdings irrt\u00fcmlich angenommen, das Buch rede von &#8222;Sexsklavinnen&#8220;. Fujioka sei im Besitz des Buches und wolle seinen englischen Originaltext gern ver\u00f6ffentlichen, damit seine Sympathisanten in ihren Protestbriefen alles richtig machten. Ob jemand die Arbeit \u00fcbernehmen k\u00f6nne, den englischen Text abzuschreiben?<br \/>\nF\u00fcr diesen Beitrag bekam Fujioka bislang 555 <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Like\">Likes<\/a>. Viel schwieriger war es allerdings, auch einen Mitarbeiter zu finden: die einen konnten kein Englisch, die anderen hatten kein Fax &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im November 2014 meldeten internationale Medien unter Berufung auf die in solchen Dingen offenbar aus erster Hand unterrichtete rechtspopulistische Sankei Shinbun (die am 2.11.2014 das Thema zum ersten Mal aufgriff), das japanische Au\u00dfenministerium habe den renommierten US-amerikanischen Verlag McGraw Hill aufgefordert, &#8222;falsche&#8220; Darstellungen \u00fcber &#8222;Trostfrauen&#8220; (Zwangsprostituierte) aus einem weitverbreiteten Lehrbuch der Weltgeschichte f\u00fcr Oberschulen zu entfernen. Mitte Dezember besuchten deshalb Angeh\u00f6rige des japanischen Generalkonsulats in New York offiziell den Verlag. Auch einer der Verfasser des Buches wurde kontaktiert und aufgefordert, den Text zu ver\u00e4ndern. Verfasser und Verlag lehnten am 15. 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