{"id":4171,"date":"2013-12-29T16:40:53","date_gmt":"2013-12-29T15:40:53","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=4171"},"modified":"2013-12-29T16:41:40","modified_gmt":"2013-12-29T15:41:40","slug":"selbstmord-diplomatie-vernichtende-kritik-an-abes-yasukuni-besuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=4171","title":{"rendered":"&#8222;Selbstmord-Diplomatie&#8220;: Vernichtende Kritik an Abes Yasukuni-Besuch"},"content":{"rendered":"<p>Einer <a href=\"http:\/\/www.47news.jp\/CN\/201312\/CN2013122901001706.html\">Telefonumfrage der japanischen Nachrichtenagentur Ky\u014dd\u014d<\/a> zufolge halten 47 % der Japaner den Besuch von Ministerpr\u00e4sident Abe Shinz\u014d beim Yasukuni-Schrein vom 26.12. f\u00fcr &#8222;ungut&#8220;, w\u00e4hrend ihn 43 % f\u00fcr &#8222;gut&#8220; halten. Au\u00dferdem meinen 70 %, vor solchen Besuchen m\u00fc\u00dften die m\u00f6glichen au\u00dfenpolitischen Folgen bedacht werden; nur 25 % halten dies nicht f\u00fcr n\u00f6tig. Die Mehrheit der Japaner meint demnach, Abes Spontanbesuch (dem Vernehmen nach war selbst seine engere Entourage bis zuletzt nicht eingeweiht) sei keine geniale Idee gewesen. In Nagasaki haben sich am 28.12. 100 Menschen &#8212; darunter Vertreter der Atombombenopfer &#8212; zu einem <a href=\"http:\/\/www.nagasaki-np.co.jp\/news\/kennaitopix\/2013\/12\/29090503012193.shtml\">Sitzstreik gegen Abe<\/a> versammelt.<br \/>\nNoch deutlicher f\u00e4llt die <a href=\"http:\/\/www.47news.jp\/47topics\/e\/248931.php?fb_action_ids=574651822622958&#038;fb_action_types=og.likes&#038;fb_source=other_multiline&#038;action_object_map=[260890094069192]&#038;action_type_map=[\">Meinung der au\u00dfenpolitischen Spezialisten<\/a> aus.<br \/>\n<strong>Okonogi Masao<\/strong> \u5c0f\u6b64\u6728\u653f\u592b, ehemals au\u00dfenpolitischer Berater der Ministerpr\u00e4sidenten Koizumi Jun-ichir\u014d und Fukuda Yasuo, gibt zwar zu, da\u00df ein solcher Besuch die Emotionen eines Teils des innenpolitischen Publikums befriedige. Au\u00dfenpolitisch sei er aber &#8222;ungeschickt&#8220;. Die Aussichten f\u00fcr eine Verbesserung der Beziehungen zu Korea und China seien zerst\u00f6rt worden. Es bestehe sogar die Gefahr, da\u00df sich Korea und China zusamment\u00e4ten, um ihre Sicht der Geschichte gemeinsam und gegen Japan auszuformulieren. 2015 stehe das 50. Jubil\u00e4um des Japanisch-S\u00fcdkoreanischen Grundlagenvertrags an. Es sei denkbar, da\u00df es zu keiner gemeinsamen Feier kommen werde, sondern vielmehr auf koreanischer Seite (die nie verstummte) Kritik daran lauter werde.<br \/>\nDer Historiker <strong>Yoshida Yutaka<\/strong> \u5409\u7530\u88d5 nennt Abes Besuch einen &#8222;Schock&#8220;, &#8222;gleichbedeutend mit Selbstmord-Diplomatie (<em>jibaku gaik\u014d<\/em> \u81ea\u7206\u5916\u4ea4)&#8220; und erinnert daran, da\u00df sich Koizumi bei seinen damaligen Besuchen anders als der jetzige Premier stets zu den vergangenen Schandtaten der Japaner bekannt und von ihnen distanziert habe. Es bestehe die Gefahr, da\u00df sich die Nationalismen in den Nachbarstaaten jetzt aufschaukelten, zumal die jungen Unterst\u00fctzer Abes von Japans Geschichte keine Ahnung h\u00e4tten. Man solle den Yasukuni-Schrein als Gedenkst\u00e4tte durch den Friedhof von Chidorigafuchi in T\u014dky\u014d ersetzen (der seit 1959 als Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Kriegsopfer benutzt wird und religi\u00f6s unkonnotiert ist).<br \/>\n<strong>T\u014dg\u014d Kazuhiko<\/strong> \u6771\u90f7\u548c\u5f66, Enkel von T\u014dg\u014d Shigenori, der w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs Au\u00dfenminister war, und ehemaliger Diplomat, meint, der Schreinbesuch habe &#8222;den Weg zu Verhandlungen verschlossen&#8220;. Zwar halte er selbst den Yasukuni-Schrein f\u00fcr den richtigen &#8222;lieu de m\u00e9moire&#8220; f\u00fcrs Kriegsgedenken, doch m\u00fcsse man zun\u00e4chst mit den Nachbarstaaten dar\u00fcber Einverst\u00e4ndnis erzielen. Seit 1975 habe deshalb kein japanischer Kaiser mehr den Yasukuni-Schrein besucht. &#8222;W\u00e4hrend der Kaiser nicht hingeht, ist es bedeutungslos, wenn der Ministerpr\u00e4sident hingeht.&#8220; Die sicherheitspolitischen Ziele Abes &#8212; kollektive Selbstverteidigung und die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrates &#8212; halte er zwar f\u00fcr richtig.<\/p>\n<blockquote><p>Doch das historische Bewu\u00dftsein ist eine andere Sache. Konkret gesagt, geht es um drei Dinge: die Murayama-Erkl\u00e4rung, in der dieser um Verzeihung f\u00fcr die Kriegsschuld gebeten hat, an die Yasukuni-Frage und die Trostfrauen-Frage. Hieran darf man im Augenblick nicht Hand anlegen. Wenn man wegen dieser drei Fragen weiterhin S\u00fcdkorea und China provoziert und nicht auf die Warnungen aus den USA h\u00f6rt, wird man am Ende Japans au\u00dfenpolitische Kraft schw\u00e4chen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein <a href=\"http:\/\/www.okinawatimes.co.jp\/article.php?id=59734\">Leitartikel der Okinawa Times<\/a> vom 29.12. spricht denn auch von &#8222;<strong>unerme\u00dflichem Schaden<\/strong>&#8222;, den Japans Diplomatie durch Abes Aktion erlitten habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer Telefonumfrage der japanischen Nachrichtenagentur Ky\u014dd\u014d zufolge halten 47 % der Japaner den Besuch von Ministerpr\u00e4sident Abe Shinz\u014d beim Yasukuni-Schrein vom 26.12. f\u00fcr &#8222;ungut&#8220;, w\u00e4hrend ihn 43 % f\u00fcr &#8222;gut&#8220; halten. Au\u00dferdem meinen 70 %, vor solchen Besuchen m\u00fc\u00dften die m\u00f6glichen au\u00dfenpolitischen Folgen bedacht werden; nur 25 % halten dies nicht f\u00fcr n\u00f6tig. Die Mehrheit der Japaner meint demnach, Abes Spontanbesuch (dem Vernehmen nach war selbst seine engere Entourage bis zuletzt nicht eingeweiht) sei keine geniale Idee gewesen. 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