{"id":3943,"date":"2013-10-20T13:27:25","date_gmt":"2013-10-20T11:27:25","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3943"},"modified":"2013-10-20T13:30:07","modified_gmt":"2013-10-20T11:30:07","slug":"abe-essen-aus-fukushima-ist-sicher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3943","title":{"rendered":"Abe: &#8222;Essen aus Fukushima ist sicher&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Auf einer Propagandatour durch die Pr\u00e4fektur Fukushima hat Japans Ministerpr\u00e4sident Abe Shinz\u014d versprochen, gegen Rufsch\u00e4digung (<em>f\u016bhy\u014d higai<\/em> \u98a8\u8a55\u5100\u5bb3) an der Land- und Seewirtschaft Fukushimas ank\u00e4mpfen zu wollen. <a href=\"http:\/\/www3.nhk.or.jp\/news\/html\/20131019\/k10015405361000.html\">W\u00f6rtlich sagte<\/a> Abe am 19. Oktober 2013 in der Stadt S\u014dma \u76f8\u99ac, er besitze &#8222;exakte Informationen, da\u00df Meeres- und Agrarprodukte aus Fukushima sicher sind&#8220;.<br \/>\nOb die Sache so einfach ist, wie er es gern h\u00e4tte?<br \/>\nNach wie vor gibt es Skepsis, und zwar nicht nur in Japan. Der Bayerische Rundfunk, nicht gerade als Sprachrohr von Greenpeace bekannt, z.B. ver\u00f6ffentlichte am 4.3.2013 einen Beitrag unter der \u00dcberschrift: &#8222;<a href=\"http:\/\/www.br.de\/fernsehen\/bayerisches-fernsehen\/sendungen\/gesundheit\/themenuebersicht\/ernaehrung\/Fukushima-fisch-lebensmittel-radioaktive-belastung100.html\">Zwei Jahre Fukushima: Wie stark sind Lebensmittel aus Japan belastet?<\/a>&#8220; Ein paar aus Japan importierte Lebensmittel &#8212; Gr\u00fcnen Tee, Reis, Miso, Soja, Seetang und getrocknete Algen &#8212; lie\u00df der Sender vom Umweltinstitut M\u00fcnchen untersuchen und fand de facto: so gut wie nichts. Die Werte f\u00fcr japanischen Tee betrugen 1,1 Cs-137 Bq\/kg und f\u00fcr Reis 0,16 Cs-137 Bq\/kg. Bei den anderen Lebensmitteln waren gar nur &#8222;Spuren&#8220; oder gar nichts nachweisbar.<br \/>\nAlso Entwarnung? So schnell lassen deutsche Medien nicht locker. Der Artikel kommt trotz der offensichtlich nicht bestehenden Gefahr f\u00fcr deutsche Konsumenten zu einem alarmistischen Fazit. Statt deutlich zu sagen, da\u00df japanische Lebensmittel, die in Deutschland vertrieben werden, bedenkenlos gegessen werden k\u00f6nnen, hei\u00dft es n\u00e4mlich nur:<\/p>\n<blockquote><p>Man muss deswegen aber nicht ganz auf japanisches Essen verzichten. Ein Blick auf das Etikett zeigt, dass japanische Firmen ihre Produkte manchmal in Europa oder Amerika herstellen. Auch bei Lebensmitteln, auf denen \u201eHergestellt in Japan\u201c steht, stammen die Rohstoffe nicht immer aus Japan, sondern auch China, Korea oder Thailand.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das beruhigt mich ja kolosossal, denn mein Vertrauen in die Sicherheit chinesischer Lebensmittel ist geradezu unerme\u00dflich &#8230;<br \/>\nAber Scherz beiseite. Die Frage ist ernst, und sie wird z.B. auch von koreanischen und US-amerikanischen Verbrauchern gestellt. Mit mehr Recht, denn diese essen mehr Fisch als die Deutschen. Deshalb interessiert ein <a href=\"http:\/\/switchboard.nrdc.org\/blogs\/mmckinzie\/fukushima_radiation_risks_from.html\">Artikel auf der Homepage<\/a> des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Natural_Resources_Defense_Council\">Natural Resources Defense Council<\/a> vom 24. September 2013. Der NRDC ist eine absolut seri\u00f6se, unabh\u00e4ngige Organisation, die wei\u00df, was sie tut und wovon sie spricht. Dr. Thomas B. Cochran gibt darin eine Einsch\u00e4tzung der Gef\u00e4hrdung amerikanischer und implizit auch japanischer Fischkonsumenten ab.<br \/>\nAusgangspunkt ist die Frage, wieviel C\u00e4sium-137 man aufnehmen darf, ohne sein individuelles Krebsrisiko zu erh\u00f6hen. Cochran sagt: Die Wissenschaft nimmt an, da\u00df je aufgenommenes Bq Cs-137 1&#215;10-9 = 0,000.000.009 Krebsf\u00e4lle zus\u00e4tzlich in den USA auftreten. D.h., bei Aufnahme von 10.000 Bq wird es auf 100.000 Einwohner einen zus\u00e4tzlichen Krebsfall geben. (Bei 10 Mio. Bq w\u00e4re jeder 100. Einwohner = 1 Prozent der Bev\u00f6lkerung betroffen. Im Augenblick erkranken 40 % der US-Amerikaner irgendwann an Krebs.)<br \/>\nNehmen wir 10.000 Bq als noch vertretbare Grenze, k\u00f6nnte also jeder Deutsche in seinem Leben z.B. nahezu 10 Tonnen Gr\u00fcnen Tee &#8212; wohlgemerkt: als Bl\u00e4tter, nicht als Aufgu\u00df &#8212; unbesorgt zu sich nehmen.<br \/>\nAber Cochran geht es um Fisch. Ausgehend von den aktuell in japanischen Gew\u00e4ssern gemessenen Werten und der Annahme, da\u00df sich C\u00e4sium-137 in Fisch maximal 100 Mal st\u00e4rker konzentriert als im Meerwasser, kommt er zu folgenden Ergebnissen:<br \/>\n&#8212; 1 kg Fischfang vor dem Atomkraftwerk Fukushima I, wo im Juli 2013 Werte von bis zu 150.000 Bq\/l Wasser gemessen wurden, enth\u00e4lt ca. 15.000 Bq. Wer davon in seinem ganzen Leben mehr als 0,7 kg verzehrt, erh\u00f6ht also sein Krebsrisiko.<br \/>\n&#8212; An diesen Werten wird sich so schnell nichts \u00e4ndern, denn gegen\u00fcber der Freisetzung von Radioaktivit\u00e4t im M\u00e4rz 2011 ist der anhaltende Austritt von Radioaktivit\u00e4t durch das K\u00fchl- und Grundwasser im Umkreis des Reaktors eine zu vernachl\u00e4ssigende Gr\u00f6\u00dfe. Aus der Sicht der Lebensmittelsicherheit bedeutet das, was im Moment noch austritt, also keine zus\u00e4tzliche Gefahr.<br \/>\n&#8212; \u00dcber die Ozeane verteilt sich die Radioaktivit\u00e4t jedoch so stark, da\u00df sie f\u00fcr Verbraucher in \u00dcbersee faktisch \u00fcberhaupt kein Gesundheitsproblem darstellt.<br \/>\nIch f\u00fcge hinzu: In weiten Teilen Japans nat\u00fcrlich auch nicht. Aber wer unbedingt vor Fukushima-I angeln will, bitte sehr. Alle anderen d\u00fcrfen entspannen.<br \/>\nNur Abe Shinz\u014d sollte nicht entspannen. Denn ob seine Informationen, was die Lebensmittel &#8212; zumindest die Meeresprodukte &#8212; aus der Bucht von Fukushima angeht, sollte er seine sich vielleicht doch noch einmal &#8222;pr\u00e4zisere Informationen&#8220; beschaffen, bevor er das n\u00e4chste Fischgericht bestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf einer Propagandatour durch die Pr\u00e4fektur Fukushima hat Japans Ministerpr\u00e4sident Abe Shinz\u014d versprochen, gegen Rufsch\u00e4digung (f\u016bhy\u014d higai \u98a8\u8a55\u5100\u5bb3) an der Land- und Seewirtschaft Fukushimas ank\u00e4mpfen zu wollen. W\u00f6rtlich sagte Abe am 19. Oktober 2013 in der Stadt S\u014dma \u76f8\u99ac, er besitze &#8222;exakte Informationen, da\u00df Meeres- und Agrarprodukte aus Fukushima sicher sind&#8220;. Ob die Sache so einfach ist, wie er es gern h\u00e4tte? Nach wie vor gibt es Skepsis, und zwar nicht nur in Japan. 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