{"id":3743,"date":"2013-08-11T11:19:26","date_gmt":"2013-08-11T09:19:26","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3743"},"modified":"2013-08-11T11:24:39","modified_gmt":"2013-08-11T09:24:39","slug":"strestest-wanderung-durch-kamakura","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3743","title":{"rendered":"Stre\u00dftest: Wanderung durch Kamakura"},"content":{"rendered":"<p>Durch Kamakura \u938c\u5009 bin ich im Laufe der Jahre immer wieder einmal gewandert: die Stadt ist traumhaft gelegen, mit bewaldeten Bergen und einem langen Strand, das Stadtzentrum mit der kleinen &#8222;Altstadt&#8220; ist im Laufe der Jahre immer schicker geworden, und nat\u00fcrlich gibt es Tempel und Schreine und andere Lieux de m\u00e9moire ohne Ende.<br \/>\nAber heute habe ich mir einen Belastungstest zugemutet: Eine Wanderung, teils durch Bergwald, bei im August landes\u00fcblichen 38 Grad Celsius. Ich wollte ausprobieren, wie ich mit diesem Klima zurechtkomme. Nat\u00fcrlich bin ich nicht in der Mittagshitze losgezogen, sondern ich verlie\u00df Tokyo um 5:30 Uhr und erreichte den Bahnhof Kita-Kamakura kurz vor 7:00 Uhr. Wer jetzt an &#8222;morgendliche K\u00fchle&#8220; denkt, hat schon verloren: es war schon zu dieser Zeit fast 30 Grad warm. Doch die Sonne stand noch sehr tief, so da\u00df ich Hoffnung hatte, unbeschwert losziehen zu k\u00f6nnen &#8212; versorgt mit zwei Thermoskannen mit eisgek\u00fchltem Gerstentee und einem Liter Orangina aus dem Automaten.<br \/>\nNach zehn Minuten wu\u00dfte ich, was ich vergessen hatte: das Entscheidende Problem in Japan ist gar nicht die Hitze. Es ist die Luftfeuchtigkeit. Seit dieser Zeit fing mein ganzer K\u00f6rper an zu schwitzen &#8212; egal, ob ich in der Sonne stand oder im Schatten. Alles, was ich trank, war im Handumdrehen wieder ausgeschwitzt. Die Sonnenschutzcr\u00e8me, die ich nat\u00fcrlich auf meine wei\u00dfe Haut aufgetragen hatte (um ihre F\u00e4higkeit zum Schnellr\u00f6sten beneide ich die Japaner), kam kurz nach dem Auftragen in wei\u00dflichen Schwei\u00dfperlen wieder heraus. Nur wenig mehr n\u00fctzte das M\u00fcckenspray.<br \/>\nDenn obwohl ich nur ganz wenigen Menschen begegnete (ehrlich gesagt: welcher vern\u00fcnftige Mensch geht an einem solchen Tag wandern?), war ich nie allein. M\u00fccken, vor allem aber Hornissen &#8212; gelbe Japanhornissen ebenso wie knallorange japanische Riesenhornissen &#8212; schwirrten von allen Seiten durch die L\u00fcfte. Nach einiger Zeit ignorierte man das einfach. Sie mich auch.<br \/>\nEinen Nachteil hatte die fr\u00fche Uhrzeit: der Wanderpfad, den ich eigentlich nehmen wollte &#8212; der &#8222;Naturpfad&#8220; \u5929\u7136\u30cf\u30a4\u30ad\u30f3\u30b0\u30b3\u30fc\u30b9 hinter dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kench%C5%8D-ji\">Kench\u014dji-Tempel<\/a> \u5efa\u9577\u5bfa &#8212; kann, wie der Tempel selbst, erst ab 8:30 Uhr betreten werden. Da ich nicht warten wollte, lief ich zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tsurugaoka_Hachiman-g%C5%AB\">Tsurugaoka-Hachimang\u016b<\/a> \u9db4\u5ca1\u516b\u5e61\u5bae weiter und von dort aus \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Minamoto_Yoritomo\">Minamoto Yoritomo<\/a>s \u6e90\u983c\u671d Grab und den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Band%C5%8D_Sanj%C5%ABsankasho\">Sugimotodera-Tempel<\/a> \u6749\u672c\u5bfa zum Nikaid\u014d-Flu\u00df \u4e8c\u968e\u5802\u5ddd. Auf der anderen Seite beginnt ein Wanderweg zum 120 m hohen Kinubariyama \u8863\u5f35\u5c71, was immerhin eine Steigung von 100 H\u00f6henmetern bedeutet. Der Weg ist stellenweise steil und schmal, Wanderschuhe sind dringend zu empfehlen. Besonders gilt dies f\u00fcr seine Fortsetzung zum Nagoekirid\u014dshi-Pa\u00df \u540d\u8d8a\u5207\u901a, die ich fast nicht gefunden h\u00e4tte. Ein \u00e4lteres Bauernpaar, das sich der Jahreszeit angemessen auf einer Strohmatte im Schatten r\u00e4kelte, wies mich freundlich auf den sehr versteckten Wegweiser hin. Er f\u00fchrte hinein ins hohe Gras: es gibt eindeutig nicht besonders viele Leute, die dasselbe probieren wie ich. Eine lange Hose sollte man also auch tragen.<br \/>\nUm nicht v\u00f6llig zu dehydrieren, legte ich auf einer Aussichtsplattform eine Verschnaufpause. Ich wrang ungef\u00e4hr zwei Liter Schwei\u00df aus meinem T-Shirt, trank den mitgebrachten Gerstentee (eine exzellente Erfrischung) &#8212; und stellte fest, da\u00df eine der beiden Thermosflaschen ausgelaufen war und meine mitgebrachte Wechselw\u00e4sche nun feucht war und nach Tee stank. Es war zwar hei\u00df, aber diesig, und die Aussicht deshalb nicht so berauschend. Immerhin wehte eine hochwillkommene luftige Brise.<br \/>\nNach etwa 20 Minuten kommt man dann zum Pa\u00df, der schon im Mittelalter bekannt war. Er beginnt an einer ziemlich abrupten Felskluft (das bedeutet <em>kirid\u014dshi<\/em>), in deren unmittelbarer N\u00e4he ein geheimnisvolles Areal versteckt liegt, das eigentlich schon seit langem historisches Denkmal ist, aber nur an wenigen Tagen im Jahr f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich ist: Die Mandarad\u014d Yagura \u66fc\u837c\u7f85\u5802\u3084\u3050\u3089 sind Felsh\u00f6hlengr\u00e4ber, die offenbar von Samurai der Kamakura-Zeit stammen. Leider war der Zaun fest verschlossen, die richtige Kombination f\u00fcr das Zahlenschlo\u00df fand ich nicht; also begn\u00fcgte ich mich mit ein paar Fotos von au\u00dfen. Schade, denn eigentlich war ich deswegen gekommen.<br \/>\nHinter dem Pa\u00df beginnt die moderne Siedlung. Ich schlug mich zum Strand von Zaimokuza \u6750\u6728\u5ea7 durch, wo sich an einem Sonntag die Schickeria und jede Menge halbnackte Halbstarke vergn\u00fcgten. An der Hauptstra\u00dfe angelegt, besichtigte ich noch die methodistische Harris-Gedenk-Kirche mit dem \u00e4ltesten Kindergarten in Kamakura, wo gerade ein Gottesdienst stattgefunden hatte. Kurz vor dem Bahnhof verzog ich mich in das Toky\u016b-Kaufhaus, besorgte mir frische W\u00e4sche und zog mich auf der Toilette um. Bei der Gelegenheit bemerkte ich, da\u00df nicht nur meine W\u00e4sche klitschna\u00df war (mit Ausnahme meiner Wandersocken, die sich wirklich hervorragend bew\u00e4hrt haben), sondern auch das Portemonnaie, das ich in meiner Hosentasche aufbewahrt hatte &#8212; bis hin zu meinen Geldscheinen. Die Verk\u00e4uferin nahm es mit Fassung, da\u00df ich sie mit einem schwei\u00dfgetr\u00e4nkten 10.000-Yen-Schein bezahlte.<br \/>\nDie gesamte Route umfa\u00dfte 18,4 km (wobei zwischendurch mein GPS ziemlich ins Schleudern geriet und ich ein paar Mal den falschen Weg einschlug), f\u00fcr die ich ziemlich genau 6 Stunden brauchte. Das ist ein sagenhaft schlechter Schnitt, aber es waren im Wald einige Steigungen dabei, au\u00dferdem habe ich wieder fotografiert und etliche Pausen zum Trinken gemacht. Ganz deutlich gesagt: Ohne diese Pausen h\u00e4tte ich die Strecke nicht geschafft. Das Laufen selbst, und das ist die wichtigste Erkenntnis, war kein Problem &#8212; die Feuchtigkeit war der gr\u00f6\u00dfte Stre\u00dffaktor. So ist es halt im August in Japan.<br \/>\nKurz bevor ich wieder zu Hause ankam, zog ein Sommergewitter herauf. Es blitzte und donnerte recht heftig, aber au\u00dfer ein paar Regentropfen blieb es trocken. Diese Art von Feuchte h\u00e4tte mir jetzt auch gerade noch gefehlt.<\/p>\n<p><noscript><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.japankunde.de\/kotoba\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kamakura.png\" alt=\"\" \/><\/noscript><img decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%20viewBox='0%200%20640%20960'%3E%3C\/svg%3E\" data-src=\"http:\/\/www.japankunde.de\/kotoba\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kamakura.png\" alt=\"\" \/class=\"lozad\" \/><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.japankunde.de\/kotoba\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Kamakura.kml\">GPS-Track der Wanderung<\/a><\/p>\n<p>[flickr-gallery mode=&#8220;photoset&#8220; photoset=&#8220;72157635016970903&#8243;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch Kamakura \u938c\u5009 bin ich im Laufe der Jahre immer wieder einmal gewandert: die Stadt ist traumhaft gelegen, mit bewaldeten Bergen und einem langen Strand, das Stadtzentrum mit der kleinen &#8222;Altstadt&#8220; ist im Laufe der Jahre immer schicker geworden, und nat\u00fcrlich gibt es Tempel und Schreine und andere Lieux de m\u00e9moire ohne Ende. 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