{"id":3675,"date":"2013-07-29T11:54:40","date_gmt":"2013-07-29T09:54:40","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3675"},"modified":"2017-09-19T17:06:01","modified_gmt":"2017-09-19T15:06:01","slug":"im-meer-der-faulnis-tepco-wird-erst-nach-der-wahl-schlauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3675","title":{"rendered":"Im Meer der F\u00e4ulnis: Tepco wird erst nach der Wahl schlauer"},"content":{"rendered":"<p>Die Wahrheit will auch in Japan ans Licht; aber wohldosiert. Ger\u00fcchteweise war schon vor der Oberhauswahl am 21.7. bekannt, da\u00df es Probleme mit dem Grundwasser unter dem havarierten AKW Fukushima I gibt. Genauer gesagt: Japans Medien meldeten schon Ende Juni 2013 den Verdacht, radioaktives Tritium komme aktuell &#8222;um ein Vielfaches&#8220; h\u00e4ufiger in der Bucht von Fukushima vor als vor dem 11. M\u00e4rz 2011; die <em>Asahi Shinbun<\/em> z.B. brachte die Meldung am 24.6., vornehm in Form einer Frage formuliert (<em>&#8211;ka?<\/em>), um sich keine justitiable Bl\u00f6\u00dfe zu geben. Zwei Wochen sp\u00e4ter, am 10.7., \u00e4u\u00dferte die neue japanische Atomregulierungsbeh\u00f6rde den &#8222;<a href=\"http:\/\/www.asahi.com\/national\/update\/0710\/TKY201307100491.html?ref=reca\">starken Verdacht<\/a>&#8222;, radioaktiv hoch verseuchtes K\u00fchlwasser aus den Reaktorengeb\u00e4uden sei ins Grundwasser gelangt. Eine Woche zuvor war aus der Bucht von Fukushima eine Wasserprobe mit einem Tritiumgehalt von 2.300 Becquerel je Liter gezogen worden. C\u00e4sium war \u00fcbrigens auch drin, aber Tepco beruhigte: C\u00e4sium binde sich wohl \u00fcberwiegend an die Erde und gelange nur zum kleinen Teil ins Wasser. Na denn prost.<br \/>\nAm 28.7. gab Tepco <a href=\"http:\/\/www.asahi.com\/shimen\/articles\/TKY201307280383.html?ref=reca\">bekannt<\/a>, in den Sch\u00e4chten, die von den Reaktoren zum Meer f\u00fchren, liege der Tritiumgehalt bei 8,7 Millionen Becquerel je Liter. Es handelt sich um mehr als 5.000 Tonnen Wasser aus dem Reaktor, die seit dem Unfall irgendwie herumd\u00fcmpeln. Und dies ist nur die Spitze des radioaktiven Eisberges. Was ist schon Tritium (Halbwertszeit: 12 Jahre)! (Neuere Studien der franz\u00f6sischen <a href=\"http:\/\/www.fanc.fgov.be\/fr\/news\/un-livre-blanc-met-en-lumiere-les-risques-du-tritium-pour-l-homme-et-son-environnement\/323.aspx\">Atomenergiekontrollbeh\u00f6rde<\/a> und der <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/energy\/nuclear\/radiation_protection\/doc\/publication\/152.pdf\">Europ\u00e4ischen Kommission<\/a> warnen zwar davor, die von Tritium ausgehenden Gefahren zu untersch\u00e4tzen, da es sich z.B. in der DNA anlagern kann. Genau genommen kann es sich \u00fcberall im K\u00f6rper anlagern, weil es nun einmal w\u00e4\u00dfrig ist.)<br \/>\nZwei Tage vorher hatte Tepco im Wasser dieser Sch\u00e4chte n\u00e4mlich noch ganz anderes gemessen: 750 Mio. Bq C\u00e4sium-134 und 1600 Mio. Bq C\u00e4sium-137. Plus 750 Mio. Bq Strontium. Je Liter.<br \/>\nWenn wir dies auf 5.000 Tonnen hochrechnen, ergeben sich also 8 PBq Cs-137, 3,75 PBq Cs-134 und 3,75 PBq Sr. Das ist, wie wir zugeben m\u00fcssen, nur ein Bruchteil der 630 PBq Radioaktivit\u00e4t, die das AKW Fukushima I nach dem 11. M\u00e4rz 2011 mutma\u00dflich verlassen haben. Ein Gro\u00dfteil davon, n\u00e4mlich das, was in Form von Iod-131 (Halbwertszeit: 8 Tage) abgegeben wurde, ist schon l\u00e4ngst nicht mehr vorhanden. C\u00e4sium und Strontium sind freilich hartn\u00e4ckiger; ihre Halbwertszeit betr\u00e4gt jeweils rund 30 Jahre.<br \/>\nIm <a href=\"http:\/\/www.webcitation.org\/6tb25eZMw\">Betonhandel<\/a> gibt man einem Betonschacht eine Lebensdauer von maximal 70 Jahren. Fukushima I wurde vor mehr als 40 Jahren erbaut. Wenn Tepco gar nichts tut und die Sch\u00e4chte noch 30 Jahre halten, wird sich demnach das Problem bis zum ungehinderten Austreten dieses Wassers von selbst auf die H\u00e4lfte reduzieren. Was immer noch nicht beruhigend klingt.<br \/>\nAu\u00dferdem handelt es sich hier ja nur um die Kraftwerkssch\u00e4chte. Das seit dem 11. M\u00e4rz unaufh\u00f6rlich in die Reaktoren gepumpte K\u00fchlwasser ist nat\u00fcrlich auch hochgradig verseucht und wird (wohl eher fr\u00fcher als sp\u00e4ter, wenn man Tepcos Unf\u00e4higkeit bedenkt, damit umzugehen) auch noch irgendwann irgendwohin flie\u00dfen.<br \/>\nGanz offensichtlich ist Tepco mit der Beseitigung der Folgesch\u00e4den des 11. M\u00e4rz hoffnungslos \u00fcberfordert. Das k\u00f6nnte eigentlich in Japan jedermann wissen und seine Schl\u00fcsse daraus ziehen. Freilich war Tepco so schlau, seine j\u00fcngsten Ergebnisse erst nach der Oberhauswahl vom 21.7. zu ver\u00f6ffentlichen &#8212; ein kleiner Liebesdienst an die LDP, deren \u00fcberwiegende Mehrheit ja immer noch glaubt, solche Probleme existierten nicht oder wenn doch, dann sei es Japans glorreicher Industrie und Wissenschaft im Handumdrehen m\u00f6glich, sie zu l\u00f6sen. Die letzten beiden Jahre haben das Gegenteil bewiesen. Aber sie haben auch bewiesen, da\u00df das Zusammenspiel einer nichtsnutzigen Elite in Industrie, Politik und Medien immer noch gut genug funktioniert, um Japans Bev\u00f6lkerung f\u00fcr dumm zu verkaufen, Potemkinsche D\u00f6rfer aufzubauen und die eigenen Sch\u00e4fchen ins Trockene zu bringen. W\u00e4hrend die Hoffnungen der Menschen von Fukushima, irgendwann einmal wieder Seewirtschaft betreiben zu k\u00f6nnen, buchst\u00e4blich versenkt werden.<br \/>\nSchon fr\u00fcher sprach man im Falle Japans von einer grundsoliden Struktur der Korruption (<em>fuhai no k\u014dz\u014d<\/em> \u8150\u6557\u306e\u69cb\u9020). <em>Fuhai<\/em> bedeutet w\u00f6rtlich F\u00e4ulnis, so wie in Miyazakis Anime <em>Nausicaa<\/em> der Wald der F\u00e4ulnis (<em>fuhai no mori<\/em>). Das war ein giftiger Urwald, der das Land verschlang, um es von der Menschheit zu s\u00e4ubern. Inzwischen &#8212; dank der Machenschaften seiner unbeirrbaren Eliten &#8212; schwimmt ganz Japan in einem Meer der F\u00e4ulnis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wahrheit will auch in Japan ans Licht; aber wohldosiert. Ger\u00fcchteweise war schon vor der Oberhauswahl am 21.7. bekannt, da\u00df es Probleme mit dem Grundwasser unter dem havarierten AKW Fukushima I gibt. 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