{"id":3522,"date":"2013-06-05T21:41:32","date_gmt":"2013-06-05T19:41:32","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3522"},"modified":"2013-06-05T22:11:07","modified_gmt":"2013-06-05T20:11:07","slug":"trauer-um-dieter-born","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3522","title":{"rendered":"Trauer um Dieter Born"},"content":{"rendered":"<p>Am 3. Juni 2013 verstarb \u00fcberraschend und viel zu fr\u00fch Dieter Born, mein erster Verleger und mein Freund seit fast 30 Jahren.<br \/>\nIch lernte Dieter kennen, als ich Ende 1983 zum ersten Mal nach Japan kam. F\u00fcr die erste Zeit wohnte ich im K\u014dd\u014dkan, der Mutterst\u00e4tte des Judosports. Unter den damals wenigen Ausl\u00e4ndern, die dort trainierten, hatte sich bereits herumgesprochen, da\u00df ein weiterer Deutscher eintreffen sollte; so wurde Dieter auf mich aufmerksam. Er studierte damals Japanologie in Bonn und ging als Austauschstudent an die Waseda-Universit\u00e4t in T\u014dky\u014d. Er war viel l\u00e4nger als ich vom Judo begeistert (sein Vater hatte ihn als Jugendlichen trainiert), und da\u00df wir uns im K\u014dd\u014dkan begegneten, war nahezu zwangsl\u00e4ufig. Er nahm mich auch zum D\u014dj\u014d der Waseda-Universit\u00e4t mit, wo mir das Training allerdings (wie ich zugeben mu\u00df) zu hart war. Mit seiner K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe \u00fcberragte er im damaligen Japan die meisten Einheimischen und war schon deswegen ein gesuchter Trainingspartner. Bei seiner japanischen Hochzeitsfeier war deshalb die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung, f\u00fcr ihn einen passenden <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hakama\">Hakama<\/a> zu finden.<br \/>\nSein Studium hat Dieter zwar nie zuende gef\u00fchrt. Er beherrschte die japanische Sprache aber derma\u00dfen vorz\u00fcglich, da\u00df er auch ohne formellen Abschlu\u00df zu einem erstklassigen \u00dcbersetzer und Dolmetscher wurde. Auf diesen Erfolg aufbauend, entschied er sich daf\u00fcr, einen eigenen Verlag zu gr\u00fcnden, der eine Plattform f\u00fcr japanbezogene Publikationen werden sollte. Dieser Weg war f\u00fcr ihn und seine junge Familie mit Risiken und H\u00e4rten verbunden, die er mit gro\u00dfem Engagement und nicht nachlassendem Ideenreichtum \u00fcberwand. Als Verleger schuf er das <a href=\"http:\/\/www.verlag-dieter-born.de\/index.php?option=com_content&#038;view=article&#038;id=9&#038;Itemid=\">Japan-Magazin<\/a>, das als Monatszeitschrift ein buntes Spektrum des heutigen und des historischen Japan abdeckte. W\u00e4hrend meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf machte mich Dieter zum Redakteur. Einmal in der Woche fuhr ich von D\u00fcsseldorf nach Bonn. Es war eine wunderbare Zeit der Zusammenarbeit. Die Finanzierung der Zeitschrift fiel nie leicht, seit wegen der Dauerkrise in der japanischen Wirtschaft die Anzeigen japanischer Gro\u00dfkunden immer \u00f6fter ausblieben. Dennoch ist es Dieter gelungen, 183 Ausgaben zu ver\u00f6ffentlichen &#8212; ein beachtlicher Erfolg, hinter dem viele schlaflose N\u00e4chte, viele m\u00fchsame Gespr\u00e4che mit Inserenten und auch Abonnenten standen. Viel Geld war hier nicht zu verdienen. Da\u00df Dieter dennoch nicht aufgegeben hat, ist wirklich bewundernswert. Dem <em>Japan-Magazin<\/em> trat vor\u00fcbergehend noch das <em>Judo-Sport-Journal<\/em> zur Seite, f\u00fcr das Dieter f\u00fchrende Sportjournalisten gewinnen konnte. Vielen Studenten der Japanologie bot Dieter in seinem Verlag als Redakteuren oder Praktikanten einen dankbaren Einstieg in die journalistische und verlegerische Praxis.<br \/>\nMeine beiden ersten B\u00fccher hat Dieter in seinem Verlag ebenfalls ver\u00f6ffentlicht. Meine Doktorarbeit war 1995 die erste gr\u00f6\u00dfere Monographie. Es hat bis 2010 gebraucht, bis sie ausverkauft war, aber der Gewinn stand f\u00fcr Dieter nicht im Vordergrund. Andere Autoren folgten. Insbesondere konzentrierte sich Dieter auf vielbeachtete B\u00fccher zur Geschichte und Didaktik des Judo-Sports &#8212; keine billigen Schnellsch\u00fcsse, mit denen sich leicht Geld verdienen lie\u00df, sondern von exzellenten Fachleuten geschriebene, sorgf\u00e4ltig erstellte, von Fachleuten hochgelobte Werke. F\u00fcr viele, die heute Judo \u00fcben &#8212; Kinder ebenso wie Erwachsene &#8211;, geh\u00f6ren sie zur Bibliothek.<br \/>\nSeine Leidenschaft f\u00fcr Judo und f\u00fcr die japanische Sprache gipfelten dann in den gro\u00dfartigen \u00dcbersetzungen japanischer Judo-Klassiker, die Dieter in den letzten Jahren schuf und verlegte. Dazu geh\u00f6rten das <a href=\"http:\/\/www.dieter-born.de\/index.php?option=com_content&#038;view=article&#038;id=120:neuauflage-von-rkodokan-judol-erschienen&#038;catid=3:aktuelles&#038;Itemid=8\">&#8222;Kodokan-Judo&#8220;<\/a> von Kan\u014d Jigor\u014d und die beiden B\u00e4nde Kodokan-Wurftechniken von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Toshir%C5%8D_Daigo\">Daigo Toshir\u014d<\/a>, einem der brillantesten Techniker des Judo, den Dieter zeit seines Lebens hochverehrt hat.<br \/>\nDieter hatte mit dem Verlagsgesch\u00e4ft mehr als genug zu tun. Dennoch hat er nie damit aufgeh\u00f6rt, auch auf der Judo-Matte aktiv zu sein. Er konzentrierte sich auf die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kata_(J%C5%ABd%C5%8D)\">Kata<\/a> und wurde zu einem Fachmann und erfolgreichen Tournierteilnehmer in dieser, seit etwa 20 Jahren rapid an Beliebtheit zunehmenden Disziplin. An zahlreichen Kata-Wettbewerben im In- und Ausland nahm er teil, zuletzt noch im Mai 2013. Ich habe ihn immer darum beneidet, seitdem ich selbst wegen eines Wirbels\u00e4ulenproblems nicht mehr aktiv sein kann.<br \/>\nDieters Leidenschaft f\u00fcr Japan h\u00f6rte nicht beim Judo auf. Er engagierte sich auch in der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Bonn, deren Leitung er f\u00fcr mehrere Jahre \u00fcbernahm. Als ich 2008 nach Bonn ging, bin ich ihm in dieser Funktion wiederbegegnet. Ich h\u00e4tte mir nichts mehr gew\u00fcnscht, als ihn noch l\u00e4nger hier zu wissen &#8212; als unabh\u00e4ngigen, begeisterungsf\u00e4higen und selbstkritischen Freund Japans. Als meinen Freund.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 3. Juni 2013 verstarb \u00fcberraschend und viel zu fr\u00fch Dieter Born, mein erster Verleger und mein Freund seit fast 30 Jahren. Ich lernte Dieter kennen, als ich Ende 1983 zum ersten Mal nach Japan kam. F\u00fcr die erste Zeit wohnte ich im K\u014dd\u014dkan, der Mutterst\u00e4tte des Judosports. 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