{"id":3287,"date":"2013-03-20T20:02:03","date_gmt":"2013-03-20T19:02:03","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3287"},"modified":"2013-03-20T20:02:03","modified_gmt":"2013-03-20T19:02:03","slug":"bauernopfer-und-ostereier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3287","title":{"rendered":"Bauernopfer und Ostereier"},"content":{"rendered":"<p>Unter einem Bauernopfer versteht &#8212; wie inzwischen alle Welt wei\u00df &#8212; die <a href=\"http:\/\/de.vroniplag.wikia.com\/wiki\/Kategorie:BauernOpfer\">Plagiatsforschung<\/a> eine &#8222;Fu\u00dfnote zu einem unbedeutenden Teil eines Originaltexts, gr\u00f6\u00dfere Abschnitte aus demselben ohne Zitatnachweis \u00fcbernommen.&#8220; Wie so etwas aussieht, mag folgendes Beispiel illustrieren:<\/p>\n<hr>\n<p>Original<\/p>\n<hr>\n<blockquote><p>Die Staatsverschuldung war nach dem ersten \u00d6lschock wegen immer neuer Staatsanleihen dramatisch gestiegen. Die Handels\u00fcbersch\u00fcsse ergaben sich zu einem Gutteil durch die Abwertung des US-Dollars, der nach dem Plaza-Abkommen von 240 Yen im Jahr 1985 auf 120 Yen 1987 fiel. Die japanische Exportwirtschaft geriet nun in h\u00f6chste N\u00f6te; die weltweite Nachfrage lie\u00df nach, \u00dcberkapazit\u00e4ten entstanden. Statt in die Produktion floss das Kapital in Aktien- und Immobilienspekulationen. (&#8230;) Die Bank von Japan wollte inl\u00e4ndische Investitionen f\u00f6rdern und ging deshalb zu einer Politik des lockeren Geldes \u00fcber; sie senkte den Diskontsatz 1987 auf 2,5 %. Geld war \u00fcberall zu haben, zugleich wurde das Land mit auf Kredit und in der Hoffnung auf ewig steigende Aktienkurse und Grundst\u00fcckpreise finanzierten Gro\u00dfbauten \u00fcberzogen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Reinhard Z\u00f6llner: Geschichte Japans. Von 1800 bis zur Gegenwart. 1. Aufl., Paderborn 2006, S. 418)<\/p>\n<hr>\n<p>Kopie<\/p>\n<hr>\n<blockquote><p>Japans <strong>Staatsverschuldung war nach dem ersten \u00d6lschock wegen immer neuer Staatsanleihen dramatisch gestiegen<\/strong>, <strong>die Handels\u00fcbersch\u00fcsse ergaben sich<\/strong> aber vor allem <strong>durch die Abwertung des US-Dollars, der nach dem Plaza-Abkommen von 240 Yen (1985) auf 120 Yen (1987) fiel.<\/strong> Das wirkte sich negativ auf die <strong>Exportwirtschaft<\/strong> aus, die <strong>Nachfrage<\/strong> ging zur\u00fcck und <strong>\u00dcberkapazit\u00e4ten entstanden<\/strong>. <strong>Kapital<\/strong> wurde vermehrt in <strong>Aktien und Immobilien<\/strong> angelegt (vgl. Z\u00f6llner 2006). Zur selben Zeit wurden die Zinsen gesenkt, um die Binnennachfrage zu erh\u00f6hen und die erleichterte Versorgung von <strong>inl\u00e4ndische<\/strong>m Kapital f\u00fchrte zu einer Erh\u00f6hung der Investitionen in <strong>Grundst\u00fcck<\/strong>e und <strong>Aktien<\/strong>.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Aufsatz in einer wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschrift in einem renommierten deutschen Fachverlag, 2011)<\/p>\n<hr>\n<p>(Fett gesetzt sind alle direkten \u00dcbernahmen aus meinem Text.)<\/p>\n<p>&#8212; Ehrlich gesetzt: Ich finde meinen Text besser. &#8212;<\/p>\n<p>Nun zur Frage, wo das Bauernopfer hier versteckt ist. Mein Buch wird ja genannt, wenngleich ohne Seitenangabe und ohne die Anf\u00fchrungsstriche, die sich mindestens in den ersten Zeilen unbedingt geh\u00f6rt h\u00e4tten. Das eigentliche Problem ist das &#8222;vgl.&#8220; in der Quellenangabe. Denn der Hinweis &#8222;vergleiche&#8220; suggeriert im ordentlichen wissenschaftlichen Sprachgebrauch, da\u00df die Referenz die eigenen Argumente st\u00fctzt. In diesem Fall offenbart der Vergleich jedoch, da\u00df dies nicht der Fall ist, weil es sich um ein verkapptes Zitat handelt. Wenn B eine Kopie von A ist, dann ist es aber sinnlos, B mit A zu vergleichen. In diesem Fall enth\u00e4lt die Kopie nicht einen einzigen eigenen Gedanken.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re also die korrekte L\u00f6sung gewesen?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich eine w\u00f6rtliche \u00dcbernahme, durch Anf\u00fchrungszeichen gekennzeichnet und mit einer exakten Seitenangabe.<\/p>\n<p>Nebenbei bemerkt und passend zur Jahreszeit: Ich verstecke in meinen B\u00fcchern <em>Ostereier<\/em>. Was das bedeutet, verrate ich hier nicht &#8230;<\/p>\n<p>\u00dcbrigens erscheint die dritte Auflage der &#8222;Geschichte Japans&#8220; am 15. Mai im Buchhandel. Sie enth\u00e4lt (neben neuen Ostereiern) eine Fortschreibung der japanischen Geschichte seit 2005 und nat\u00fcrlich eine Darstellung der Ereignisse am und nach dem 11.3.2011. Alle potentiellen Plagiatoren fordere ich hiermit auf, nur noch aus dieser Ausgabe zu zitieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter einem Bauernopfer versteht &#8212; wie inzwischen alle Welt wei\u00df &#8212; die Plagiatsforschung eine &#8222;Fu\u00dfnote zu einem unbedeutenden Teil eines Originaltexts, gr\u00f6\u00dfere Abschnitte aus demselben ohne Zitatnachweis \u00fcbernommen.&#8220; Wie so etwas aussieht, mag folgendes Beispiel illustrieren: Original Die Staatsverschuldung war nach dem ersten \u00d6lschock wegen immer neuer Staatsanleihen dramatisch gestiegen. Die Handels\u00fcbersch\u00fcsse ergaben sich zu einem Gutteil durch die Abwertung des US-Dollars, der nach dem Plaza-Abkommen von 240 Yen im Jahr 1985 auf 120 Yen 1987 fiel. 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