{"id":3247,"date":"2013-02-19T11:09:27","date_gmt":"2013-02-19T10:09:27","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3247"},"modified":"2013-02-19T11:15:26","modified_gmt":"2013-02-19T10:15:26","slug":"ein-reines-gekrachze-hitler-und-die-japanische-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3247","title":{"rendered":"&#8222;Ein reines Gekr\u00e4chze&#8220;: Hitler und die japanische Sprache"},"content":{"rendered":"<p>Die Revolution\u00e4re Mao Zedong und Kim Il-Sung scheuten bekanntlich nicht davor zur\u00fcck, Hand an die chinesische bzw. koreanische Sprache zu legen, um sie &#8222;zukunftsf\u00e4hig&#8220; zu machen. Dem deutschen Gr\u00f6FaZ Adolf Hitler w\u00e4re dies zuwider gewesen. Weshalb, erkl\u00e4rte er am 7.3.1942 in einer Tischrede, die er beim Mittagessen in der Wolfsschanze hielt. Anders als sein Diktatorkumpan Kim Il Sung (und anders, als man von einem v\u00f6lkischen \u00dcbermenschen eigentlich erwarten m\u00fc\u00dfte) war Hitler entschiedener Bef\u00fcrworter von Fremdw\u00f6rtern! In diesem Zusammenhang (wenn man das so nennen kann) gab er auch seine Ansichten \u00fcber die japanische Sprache zum besten:<\/p>\n<blockquote><p>Lie\u00dfen wir unseren Sprachverbesserern freie Hand, so w\u00fcrde unsere Sprache mit der Zeit den ganzen Wohllaut verlieren und nicht mehr sch\u00f6n sein! Wir sehen uns leider jetzt schon in der Hauptsache auf die Vokale a, e und i beschr\u00e4nkt, das macht die Sprache unmusikalisch und arm! (&#8230;) Leute, die solche Verdeutschungen empfehlen, sind die Todfeinde der deutschen Sprache. Ginge es nach ihnen, so w\u00fcrden wir in kurzem Gedanken pr\u00e4zise nicht mehr ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, wir w\u00fcrden zugleich in den Lauten immer armseliger und schw\u00e4cher werden, unsere Sprache w\u00fcrde sich bald anlassen, ich kann es nicht sagen, aber wenn ich es d\u00fcrfte, w\u00fcrde ich sagen, <strong>wie das Japanische. Ein reines Gekr\u00e4chze, ein Gegacker<\/strong> kommt da heraus, ich k\u00f6nnte mir nicht vorstellen, da\u00df man das \u00fcberhaupt noch singen kann!<\/p><\/blockquote>\n<p>(Adolf Hitler: <em>Monologe im F\u00fchrerhauptquartier 1941&#8211;1944&#8242;<\/em>. Hg. Werner Jochmann. Hamburg: Knaus 1980, S. 314)<\/p>\n<p>(Dieses Zitat enth\u00e4lt 40 &#8222;a&#8220;, 103 &#8222;e&#8220;, 45 &#8222;i&#8220;, 12 &#8222;o&#8220; und 23 &#8222;u&#8220;.)<\/p>\n<p>Hitler war ersichtlich auch kein Freund des deutschen Konjunktivs, aber seine Meinung \u00fcber die japanische Sprache hat den Zusammenbruch des Dritten Reichs offenbar \u00fcberlebt. Vor ein paar Jahren unterhielten sich in einer Ubahn in Tokyo zwei mir unbekannte deutsche Gesch\u00e4ftsleute in gro\u00dfer Lautst\u00e4rke \u00fcber die &#8222;gutturale japanische Sprache&#8220;. Da\u00df der eine oder andere Japaner Deutsch versteht, kam ihnen dabei gar nicht in den Sinn &#8230;<br \/>\nNebenbei: Wie sich Hitlers Sprache in den Augen von Zeitgenossen anh\u00f6rte, die kein Deutsch sprachen, hat Charlie Chaplin in &#8222;The Great Dictator&#8220; eindrucksvoll vorgef\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Revolution\u00e4re Mao Zedong und Kim Il-Sung scheuten bekanntlich nicht davor zur\u00fcck, Hand an die chinesische bzw. koreanische Sprache zu legen, um sie &#8222;zukunftsf\u00e4hig&#8220; zu machen. Dem deutschen Gr\u00f6FaZ Adolf Hitler w\u00e4re dies zuwider gewesen. Weshalb, erkl\u00e4rte er am 7.3.1942 in einer Tischrede, die er beim Mittagessen in der Wolfsschanze hielt. 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