{"id":3038,"date":"2013-02-02T12:28:58","date_gmt":"2013-02-02T11:28:58","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3038"},"modified":"2013-02-02T12:51:00","modified_gmt":"2013-02-02T11:51:00","slug":"mandarake-wegen-schlechter-arbeitsbedingungen-verurteilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=3038","title":{"rendered":"Mandarake wegen schlechter Arbeitsbedingungen verurteilt"},"content":{"rendered":"<p>Schon im November 2012 ist <a href=\"https:\/\/ekizo.mandarake.co.jp\/\">Mandarake<\/a>, eine Ladenkette, die in Ostjapan durch den Verkauf von gebrauchten Manga, Anime und dazugeh\u00f6rigen Fanartikeln Kultstatus erlangt hat (Jahresumsatz 2011-2012: 8,6 Mrd. Yen = 68 Mio. Euro, Gewinn: 730 Mio. Yen = 5,8 Mio. Euro), wegen illegaler Arbeitsbedingungen gerichtlich zu Schadenersatz verurteilt worden. Geklagt hatte eine Angestellte des Unternehmens, die 2007 eingestellt worden war. Jetzt liegt die Urteilsbegr\u00fcndung vor, aus der interessante Details \u00fcber die Ausbeutungspraxis in dieser Branche hervorgehen.<br \/>\nDie Kl\u00e4gerin war keine Aushilfskraft, sondern fest angestellt. Ihr <a href=\"http:\/\/www.mynewsjapan.com\/reports\/1736\">Arbeitsvertrag<\/a> sah folgende Bedingungen vor:<\/p>\n<ul>\n<li>Zwei arbeitsfreie Tage pro Woche (je nach Schicht wechselnd)<\/li>\n<li>10 Tage bezahlter Urlaub pro Jahr<\/li>\n<li>210.000 Yen (ca. 1.670 Euro) Grundgehalt (j\u00e4hrliche Lohnsteigerungen vorgesehen)<\/li>\n<li>Arbeitszeit von 12 bis 21 Uhr (mit 60 Minuten Mittagspause)<\/li>\n<li>25 % \u00dcberstundenzuschlag<\/li>\n<li>35 % Feiertagszuschlag<\/li>\n<\/ul>\n<p>Freilich war dieser Vertrag in der Praxis Makulatur. Das <a href=\"http:\/\/biz-journal.jp\/2013\/01\/post_1406.html\">Business Journal<\/a> fa\u00dft die tats\u00e4chlichen Arbeitsbedingungen in einem Artikel von Sasaki Keiichi vom 29.1. wie folgt zusammen:<br \/>\nDie Angestellte begann zun\u00e4chst in der Filiale in Nakano und wurde dann in Shibuya, Ikebukuro und schlie\u00dflich Akihabara, dem Paradies der japanischen <em>Otaku<\/em>-Kultur, eingesetzt. Vertraglich vereinbart war eine Arbeitszeit von 9 Stunden inklusive einer Mittagspause von 60 Minuten, die von 12 Uhr bis 21 Uhr ging. Tats\u00e4chlich mu\u00dfte sie regelm\u00e4\u00dfig schon kurz nach 11 Uhr beginnen, um Vorbereitungen f\u00fcr die Laden\u00f6ffnung zu treffen und an einer Dienstbesprechung teilzunehmen. Die L\u00e4den schlie\u00dfen um 20 Uhr, danach begann das Aufr\u00e4umen. Um 20:30 gab es eine Gruppenbesprechung, um 20:45 eine Dienstbesprechung, und danach ging es au\u00dferhalb der Arbeitszeit mit dem Aufr\u00e4umen weiter. Jeden Sonntag um 22 Uhr gab es ein zus\u00e4tzliches Treffen f\u00fcr neue Angestellte. Mehrmals im Monat wurde sie aufgefordert, an der Sichtung von tags\u00fcber von den Kunden angekauften Waren teilzunehmen &#8212; nachts. Zweimal im Jahr gab es Inventur, die auch jeweils \u00fcber die Arbeitszeit hinaus bis tief in die Nacht andauerte.<br \/>\nNat\u00fcrlich war dies alles unbezahlte Mehrarbeit, die nicht auf der Stechuhr vermerkt wurde. Mitarbeiter, die solche &#8222;freiwilligen&#8220; \u00dcberstunden leisteten, wurden deshalb als &#8222;Gespenster&#8220; bezeichnet. Schlafmangel war die logische Folge.<br \/>\n2013 k\u00fcndigte die Angestellte und verklagte das Unternehmen auf Zahlung von umgerechnet 18.000 Euro Lohnnachzahlung und Bu\u00dfgeld in fast derselben H\u00f6he. Das Gericht entsprach ihrer Forderung mit geringen Abstrichen.<br \/>\nDas Urteil wird sicher Folgen f\u00fcr das Unternehmen haben; eine zweite Klage mit \u00e4hnlichen Nachforderungen ist bereits eingereicht worden.<br \/>\nSasaki betont, da\u00df es Mandarake an sich gut genug geht, um solche Forderungen zu bedienen. &#8222;Ein gro\u00dfer Teil seines Gewinns wird jedoch mit der unbezahlten Arbeit von Angestellten erwirtschaftet, die die <em>Otaku<\/em>-Kultur lieben, derer sich Japan r\u00fchmt. Mag sein, da\u00df manche unter den hier Angestellten meinen, sie br\u00e4uchten keine \u00dcberstundenentlohnung, weil sie an etwas teilhaben d\u00fcrfen, was sie lieben. Doch es gibt auch andere.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon im November 2012 ist Mandarake, eine Ladenkette, die in Ostjapan durch den Verkauf von gebrauchten Manga, Anime und dazugeh\u00f6rigen Fanartikeln Kultstatus erlangt hat (Jahresumsatz 2011-2012: 8,6 Mrd. Yen = 68 Mio. 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