{"id":2866,"date":"2012-09-16T00:16:47","date_gmt":"2012-09-15T22:16:47","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=2866"},"modified":"2012-09-16T00:16:47","modified_gmt":"2012-09-15T22:16:47","slug":"mit-dem-rucken-zur-wand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=2866","title":{"rendered":"Mit dem R\u00fccken zur Wand"},"content":{"rendered":"<p>Im Streit um die Senkaku-Inseln, deren Besitz zwischen Japan, der VR China und Taiwan umstritten ist, haben die j\u00fcngsten Ereignisse die Wahrscheinlichkeit einer bewaffneten Konfrontation erh\u00f6ht. Ausgel\u00f6st wurde die Krise von der Absicht der Familie Kurihara, drei der seit 1940 unbewohnten f\u00fcnf Inseln zu verkaufen. Die Kuriharas hatten sie in den 1970er Jahren von der Familie Koga \u00fcbernommen, die vor dem Zweiten Weltkrieg dort Fischwirtschaft betrieben hatten. Vorzugsweise wollten die Kuriharas an den rechtsradikalen Gouverneur von Tokyo, Ishihara Shintaro, verkaufen, der ihnen versprochen hatte, die bislang wegen der internationalen Verwicklungen auf Eis gelegte Erschlie\u00dfung der Inseln voranzutreiben. Die nationale Regierung ist Ishihara zuvorgekommen, um das Schlimmste zu verh\u00fcten &#8212; seit 11. September 2012 sind die Inseln verstaatlicht.<br \/>\nDiese Verstaatlichung \u00e4ndert allerdings nichts daran, da\u00df Japan die Inseln seit 1895 als Teil seines Territoriums betrachtet. Nach der chinesischen Kriegsniederlage gegen Japan hat China dies auch akzeptiert. Die japanische Kapitulation von 1945 ver\u00e4nderte freilich die Lage, weil in der Potsdamer Deklaration, reichlich unspezifisch, davon die Rede war, das Territorium Japans auf seine Hauptinseln plus X zu beschr\u00e4nken. Bis 1972 standen die Inseln unter US-Verwaltung.<br \/>\nImmer wieder kam es seither zu Konfrontationen, seit klar ist, da\u00df es hier nicht nur um Fischereirechte, sondern auch um die Erschlie\u00dfung unterirdischer Energieressourcen geht. Japans K\u00fcstenwache hat bislang zivile und milit\u00e4rische Eindringlinge abwehren k\u00f6nnen. 2010 rammte dabei ein chinesisches Fischerboot mit voller Absicht ein K\u00fcstenwachboot. Im Juli 2012 hi\u00dften chinesische Aktivisten die Flagge der VR China; Taiwans K\u00fcstenwache gab ihnen Geleitschutz und wehrte auch japanische Wachboote ab. Im August 2012 kamen neue Aktivisten aus Hong Kong und hi\u00dften beide chinesische Flaggen. Daraufhin drangen wiederum japanische Aktivisten auf die Inseln, deren Betreten nur mit Genehmigung der Nationalregierung m\u00f6glich ist, vor und zogen japanische Flaggen auf.<br \/>\nAnfang September nannte ein hoher chinesischer Regierungsbeamter es das gute Recht der Chinesen, japanische Waren zu boykottieren. Mitte September begannen in der VR China unz\u00e4hlige \u00dcbergriffe gegen japanische konsularische Vertretungen und japanische Autos. Japanischen Schulklassen wurde empfohlen, auf Besuche in China zu verzichten; Japans Regierung riet, in der chinesischen \u00d6ffentlichkeit nicht Japanisch zu sprechen, um nicht Opfer von Gewalttaten zu werden. China hat jetzt den Vereinten Nationen mitgeteilt, die Inseln w\u00fcrden offiziell als Teil der chinesischen Hoheitsgew\u00e4sser betrachtet.<br \/>\nVon einer Deeskalation sind keine Spuren zu finden. Japan hat seinen als zu chinafreundlich betrachteten Botschafter zur\u00fcckgerufen und ersetzt. Freilich ist der Ersatzmann, bevor er entsandt werden konnte, in Tokyo auf offener Stra\u00dfe zusammengebrochen. In den kommenden japanischen Parlamentswahlen ist die St\u00e4rkung rechter Parteien zu erwarten; der B\u00fcrgermeister von Osaka, dem gro\u00dfe Chancen zugerechnet werden, die bisherige Parteienlandschaft umzukrempeln, spuckt genauso nationalistische T\u00f6ne wie der wahrscheinliche neue Parteichef der oppositionellen Liberaldemokraten, der Sohn von Ishihara Shintaro.<br \/>\nJapan wird auf die Senkaku-Inseln weder verzichten wollen noch k\u00f6nnen. Die Konsequenz aus dem zunehmend aggressiven Verhalten der beiden Chinas wird sein m\u00fcssen, sich auf die notfalls gewaltsame Verteidigung seiner Anspr\u00fcche einzustellen. Gerade im sich ank\u00fcndigenden Wahlkampf wird sich dies zeigen. F\u00fcr Japans stark mit dem Kontinent verflochtene Wirtschaft bedeutet diese Zuspitzung allerdings nach den Sch\u00e4den durch das Erdbeben von 2011 eine neue, schwer zu verkraftende Herausforderung &#8212; zumal Japan, in diesem Falle allerdings unn\u00f6tigerweise, durch den gleichzeitig wieder entflammten Konflikt mit S\u00fcdkorea wegen Takeshima\/Dokdo auch nicht auf s\u00fcdkoreanische Solidarit\u00e4t z\u00e4hlen kann. Japan steht mit dem R\u00fccken zur Wand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Streit um die Senkaku-Inseln, deren Besitz zwischen Japan, der VR China und Taiwan umstritten ist, haben die j\u00fcngsten Ereignisse die Wahrscheinlichkeit einer bewaffneten Konfrontation erh\u00f6ht. Ausgel\u00f6st wurde die Krise von der Absicht der Familie Kurihara, drei der seit 1940 unbewohnten f\u00fcnf Inseln zu verkaufen. 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