{"id":2751,"date":"2012-05-17T13:15:05","date_gmt":"2012-05-17T11:15:05","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=2751"},"modified":"2012-05-17T13:23:57","modified_gmt":"2012-05-17T11:23:57","slug":"die-hugel-krebse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=2751","title":{"rendered":"Die H\u00fcgel-Krebse"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich mit den E\u00dfgewohnheiten in der Edo-Zeit besch\u00e4ftigt hat, wei\u00df, da\u00df es damals verp\u00f6nt war, Fleisch zu essen &#8212; und dennoch gab es Spezialit\u00e4tenrestaurants f\u00fcr Wildschwein. Allerdings nannte man das Wildschwein nicht Wildschwein, sondern &#8222;Bergwal&#8220; (<em>yamakujira<\/em> \u5c71\u9be8). Denn Meerestiere fielen nicht unter das buddhistische Fleisch-Tabu.<br \/>\nWeniger bekannt ist, da\u00df eine \u00e4hnliche Umbenennung auch f\u00fcr ein Insekt \u00fcblich war, das seit langer Zeit in Japan heimisch und bei den Bauern als Proteinlieferant beliebt war (und teilweise noch heute ist): Die Wanderheuschrecke, <em>inago<\/em> \u7a32\u5b50. In Japan kamen sie am h\u00e4ufigsten in den Na\u00dfreisfeldern vor. Nach der Reisernte konnte man sie sehr einfach und in gro\u00dfen Mengen fangen, aufspie\u00dfen und braten oder in Shoyu mit Zucker zu Tsukudani \u4f43\u716e verkochen.<br \/>\nDas klingt ja schon merkw\u00fcrdig, denn eigentlich besteht Tsukudani aus kleinen Fischen und Meeresfr\u00fcchten.<br \/>\nAber genau da liegt die Pointe. Statt <em>inago<\/em> hie\u00dfen die Wanderheuschrecken n\u00e4mlich mancherorts <em>oka-ebi<\/em> \u4e18\u30a8\u30d3, &#8222;H\u00fcgel-Krebse&#8220;, obwohl sie mit Krebsen herzlich wenig zu tun haben (angeblich schmecken sie \u00e4hnlich).<br \/>\nUnd nun wird es noch merkw\u00fcrdiger. Auf englisch hei\u00dft Wanderheuschrecke bekanntlich <em>locust<\/em>, was aus dem Franz\u00f6sischen stammt: <em>locuste<\/em>, was seinerseits aus dem Lateinisch stammt: <em>locusta<\/em>. Das Wort ist auch ins Deutsche gelangt &#8212; als <em>Languste<\/em>. Aber Langusten sind Flu\u00dfkrebse und hei\u00dfen auf japanisch <em>Ise-ebi<\/em> \u4f0a\u52e2\u30a8\u30d3! Und &#8222;Krebs&#8220; war auch die urspr\u00fcngliche Bedeutung von <em>locusta<\/em>. Auf englisch heute <em>lobster<\/em> (Hummer).<br \/>\nDamit schlie\u00dft sich ein interessanter Kreis. Da\u00df man Wanderheuschrecken i\u00dft, kennt man aus vielen Kulturkreisen &#8212; man kann es schon in der <a href=\"http:\/\/www.combib.de\/bibel\/ue\/3mos11.html#22\">Bibel<\/a> nachlesen. Da\u00df man diese Insekten in Japan wie in Europa zu Krebstieren erkl\u00e4rte, l\u00e4\u00dft tief in die Abgr\u00fcnde unserer gemeinsamen Kocht\u00f6pfe blicken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich mit den E\u00dfgewohnheiten in der Edo-Zeit besch\u00e4ftigt hat, wei\u00df, da\u00df es damals verp\u00f6nt war, Fleisch zu essen &#8212; und dennoch gab es Spezialit\u00e4tenrestaurants f\u00fcr Wildschwein. Allerdings nannte man das Wildschwein nicht Wildschwein, sondern &#8222;Bergwal&#8220; (yamakujira \u5c71\u9be8). Denn Meerestiere fielen nicht unter das buddhistische Fleisch-Tabu. 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