{"id":2690,"date":"2012-04-24T01:11:08","date_gmt":"2012-04-23T23:11:08","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=2690"},"modified":"2012-04-24T01:12:25","modified_gmt":"2012-04-23T23:12:25","slug":"radioaktivitat-in-tokio-knapp-unter-evakuierungsgrenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=2690","title":{"rendered":"Radioaktivit\u00e4t in Tokio knapp unter Evakuierungsgrenze"},"content":{"rendered":"<p>So lautete die <a href=\"http:\/\/www.derbund.ch\/panorama\/vermischtes\/Radioaktivitaet-in-Tokio-knapp-unter-Evakuierungsgrenze\/story\/29513279?dossier_id=885\">Schlagzeile<\/a> der Berner Tageszeitung &#8222;Der Bund&#8220; vom 13.10.2011. Unter der Rubrik &#8222;Japan im Ausnahmezustand&#8220;. Wer den Artikel las, konnte feststellen, da\u00df es um einen sogenannten Hotspot ging, an dem unterhalb eines leerstehenden Geb\u00e4udes eine Flasche mit einer hoch strahlenden radioaktiven Substanz gefunden wurde. Jedenfalls stand das so in der &#8222;S\u00fcddeutschen Zeitung&#8220; <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/japan-raetselhafte-strahlung-in-tokio-1.1162102\">vom selben Tag<\/a>, auf die sich der &#8222;Bund&#8220; bezog. Die \u00dcberschrift des Artikels von Christoph Neidhart war auch nicht gerade zur\u00fcckhaltend: &#8222;R\u00e4tselhafte Strahlung in Tokio&#8220;. All dies hatte nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt keinen Bezug zu Fukushima, wie Neidhard auch ausdr\u00fccklich feststellte. (Na ja, bei ihm hei\u00dft es nicht <em>nat\u00fcrlich<\/em>, sondern <em>offenbar<\/em>, und der kritische Leser wei\u00df <em>nat\u00fcrlich<\/em>, da\u00df der kritische Journalist sich damit <em>offenbar<\/em> ein Hintert\u00fcrchen offen l\u00e4\u00dft. Das sind die insinuierten Zusammenh\u00e4nge, die sich in der Form eines vorget\u00e4uschten Dementis so perfide ins Unterbewu\u00dftsein einschleichen.)<br \/>\nAber den durchschnittlichen Leser interessieren ohnehin keine Zusammenh\u00e4nge. Der durchschnittliche Leser liest nur die Schlagzeile und bildet sich daraus seine Meinung. Das beweisen die Leserkommentare zu beiden Artikeln. So funktioniert der \u00f6ffentliche Diskurs.<br \/>\nUnd so funktioniert Twitter. Und so funktioniert Facebook. Die Aufnahmef\u00e4higkeit eines durchschnittlichen Zeitungsleserhirns im 21. Jahrhundert scheint auf 140 Bytes begrenzt zu sein. Alles, was danach kommt, wird ignoriert &#8212; selbst wenn es das Gegenteil davon ist, was in der \u00dcberschrift steht.<br \/>\nEs gab einen Zeitungsmacher, der das eher verstanden hat als alle anderen. Er hie\u00df Axel C\u00e4sar Springer. Um seine Einsicht umzusetzen, gr\u00fcndete er eine Zeitung, deren Titel nur aus vier Buchstaben besteht. Er wu\u00dfte, da\u00df alles andere bereits zu intellektueller \u00dcberforderung von Lesern f\u00fchren kann.<br \/>\nIn den USA kann man im Alltag bereits beobachten, wie Kommunikation mittels 4-letter-words funktioniert: &#8222;stop dont walk&#8220; usw. Ganz so weit haben es die Medien bei uns noch nicht gebracht. NOCH NICT GANZ. ABER BALD.<br \/>\nEine Tageszeitung, die nur aus Schlagzeilen besteht. Das w\u00e4re doch einmal eine Gesch\u00e4ftsidee.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Irref\u00fchrung durch die Schlagzeile dieses Eintrages bitte ich um Entschuldigung. Die Radioaktivit\u00e4t in Tokyo liegt <em>nat\u00fcrlich<\/em> nicht knapp unter der Evakuierungsgrenze. Wer mehr \u00fcber die aktuellen Me\u00dfwerte wissen will, schaue <a href=\"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?page_id=1770\">hier<\/a> nach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So lautete die Schlagzeile der Berner Tageszeitung &#8222;Der Bund&#8220; vom 13.10.2011. 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