{"id":2251,"date":"2011-08-10T16:58:53","date_gmt":"2011-08-10T14:58:53","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=2251"},"modified":"2011-08-10T17:04:00","modified_gmt":"2011-08-10T15:04:00","slug":"ishinomaki-funf-monate-nach-dem-tsunami","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=2251","title":{"rendered":"Ishinomaki f\u00fcnf Monate nach dem Tsunami"},"content":{"rendered":"<p>Der direkte Zugverkehr von Sendai bis Ishinomaki \u77f3\u5dfb ist bei Matsushima \u677e\u5cf6 unterbrochen. Ein Ersatzbus f\u00e4hrt die Fahrg\u00e4ste bis Yamoto \u77e2\u672c, vorbei an sichtbar ramponierten Eisenbahngleisen und zerst\u00f6rten Geb\u00e4uden in und um Higashimatsushima. Von Yamoto aus geht es weiter mit dem Zug. Der Schienenersatzverkehr bringt eine halbe Stunde Versp\u00e4tung. Die alternative Verbindung mit Umsteigen in Kogota \u5c0f\u725b\u7530 funktioniert zwar, ist aber nicht schneller und vor allem doppelt so teuer.<br \/>\nEin fauliger Geruch liegt \u00fcber der Stadt; nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig penetrant, aber doch unangenehmer, als in einer Fischfang betreibenden Hafenstadt zu erwarten w\u00e4re.<br \/>\nAuf beiden Ufern des Flusses, der sich durch die Stadt zieht, hat der Tsunami die Wohngebiete \u00fcberflutet. Im Stadtzentrum erreichte er noch 1,60 m H\u00f6he. D.h., vielerorts stand das gesamte Erdgescho\u00df unter Wasser. An den Schmutzr\u00e4ndern der Hausw\u00e4nde l\u00e4\u00dft sich der Wasserstand leicht ablesen. An vielen Kreuzungen regeln immer noch unerm\u00fcdlich Polizisten den Verkehr, weil die Stromleitungen der Verkehrsampeln durch den Tsunami zerst\u00f6rt wurden. In den H\u00e4usern, die nach der Katastrophe unbewohnbar geworden sind, liegt trockener Schlamm, der wohl f\u00fcr den \u00fcblen Geruch in der Luft hauptverantwortlich ist. Baul\u00fccken klaffen, wo bereits alle \u00dcberreste beseitigt sind. Aber noch bleibt viel zu tun.<br \/>\nEine der Attraktionen der Stadt ist ein Mangamuseum. Es ist genauso geschlossen wie die alte orthodoxe Kirche direkt daneben. Der Holzbau der Kirche ist ruiniert. Das Museum sieht intakt aus. Vor seinem Eingang h\u00e4ngen Holztafeln, auf die Besucher ihre Gr\u00fc\u00dfe und W\u00fcnsche schreiben k\u00f6nnen.<br \/>\nIn der Grundschule, die in meinem Buch abgebildet ist, leben immer noch 120 Menschen, die ihr Heim verloren haben; darunter viele Kinder. Auf dem Schulhof ist ein provisorisches japanisches Bad eingerichtet. Verpflegung gibt es in der Sporthalle. Viele freiwillige Helfer k\u00fcmmern sich um die Essenausgabe und leisten andere Hilfe.<br \/>\nEin Friseur, dessen Laden als einziger in seiner Stra\u00dfe wieder ge\u00f6ffnet hat, ist auf die Obdachlosen nicht gut zu sprechen. &#8222;Es ist Zeit, sich wieder auf die eigenen Beine zu stellen. Schlie\u00dflich gibt es jetzt ja auch Behelfswohnungen.&#8220; Er selbst lebt jetzt im Obergescho\u00df seines Hauses &#8212; sein Friseursalon im Erdgescho\u00df ist notd\u00fcrftig wiederhergerichtet.<br \/>\nDoch sieht man auch selbstgemalte Plakate mit Danksagungen an die freiwilligen Helfer und dem Versprechen: &#8222;Wir Leute von Ishinomaki helfen auch mit.&#8220; Die Menschen wirken freundlich, geduldig, aber auch gesch\u00e4ftig. Ein Musikinstrumentenh\u00e4ndler s\u00e4ubert die Schlegel eines Klaviers. 35 Klaviere, sagt er und zeigt dabei auf seinen Ausszellungsraum, hat die Flut ruiniert.<br \/>\nDie Stra\u00dfe vor seinem Gesch\u00e4ft weist notd\u00fcrftig mit Asphalt gef\u00fcllte, unregelm\u00e4\u00dfige Vertiefungen auf. An anderen Stellen ragen Gullydeckel 20 cm aus der Stra\u00dfe heraus. Die Unterkanten von Hauspfosten schweben in derselben H\u00f6he \u00fcber dem Untergrund. Manche H\u00e4user sind zwar \u00e4u\u00dferlich heilgeblieben, stehen aber v\u00f6llig schief. Denn die Erde hat sich nicht nur kurzfristig bewegt. Sie hat sich gesetzt; sie ist gesunken. Den Menschen von Ishinomaki ist buchst\u00e4blich der Boden unter ihren F\u00fc\u00dfen weggezogen worden.<\/p>\n<p><center><a href='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/3AF57701-03B6-415D-9335-8F29DDA6445B0.jpg'><noscript><img src='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/3AF57701-03B6-415D-9335-8F29DDA6445B0.jpg' border='0' width='281' height='186' style='margin:5px'><\/noscript><img src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%20viewBox='0%200%20281%20186'%3E%3C\/svg%3E\" data-src='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/3AF57701-03B6-415D-9335-8F29DDA6445B0.jpg' border='0' width='281' height='186' style='margin:5px'class=\"lozad\" \/><\/a><\/center><\/p>\n<p>Die Grundschule in Ishinomaki dient immer noch als Sammelinterkunft.<\/p>\n<p><center><a href='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/473CE81E-7633-4706-9057-B02E29C3052C1.jpg'><noscript><img src='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/473CE81E-7633-4706-9057-B02E29C3052C1.jpg' border='0' width='281' height='186' style='margin:5px'><\/noscript><img src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%20viewBox='0%200%20281%20186'%3E%3C\/svg%3E\" data-src='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/473CE81E-7633-4706-9057-B02E29C3052C1.jpg' border='0' width='281' height='186' style='margin:5px'class=\"lozad\" \/><\/a><\/center><\/p>\n<p>Viele zerst\u00f6rte H\u00e4user warten noch auf ihren Abri\u00df.<\/p>\n<p><center><a href='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/DFD98518-4EB8-4172-A5CD-8F3E110C67B52.jpg'><noscript><img src='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/DFD98518-4EB8-4172-A5CD-8F3E110C67B52.jpg' border='0' width='281' height='186' style='margin:5px'><\/noscript><img src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%20viewBox='0%200%20281%20186'%3E%3C\/svg%3E\" data-src='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/DFD98518-4EB8-4172-A5CD-8F3E110C67B52.jpg' border='0' width='281' height='186' style='margin:5px'class=\"lozad\" \/><\/a><\/center><\/p>\n<p>Private Erinnerung an eine ausgel\u00f6schte Familie.<\/p>\n<p><center><a href='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/7A53B92D-6F57-4CB5-AC9C-C3F10C48AEE93.jpg'><noscript><img src='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/7A53B92D-6F57-4CB5-AC9C-C3F10C48AEE93.jpg' border='0' width='281' height='186' style='margin:5px'><\/noscript><img src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%20viewBox='0%200%20281%20186'%3E%3C\/svg%3E\" data-src='http:\/\/www.weinberggemeinde.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/7A53B92D-6F57-4CB5-AC9C-C3F10C48AEE93.jpg' border='0' width='281' height='186' style='margin:5px'class=\"lozad\" \/><\/a><\/center><\/p>\n<p>Selbstverfa\u00dfter Dank an die Freiwilligen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der direkte Zugverkehr von Sendai bis Ishinomaki \u77f3\u5dfb ist bei Matsushima \u677e\u5cf6 unterbrochen. 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