{"id":1492,"date":"2011-01-17T11:56:34","date_gmt":"2011-01-17T10:56:34","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=1492"},"modified":"2011-01-17T11:56:34","modified_gmt":"2011-01-17T10:56:34","slug":"von-stapelbox-wortern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=1492","title":{"rendered":"Von Stapelbox-W\u00f6rtern"},"content":{"rendered":"<p>Ich besitze zwar einen Twitter-Account, benutze ihn aber kaum. Au\u00dferdem ist er nicht \u00f6ffentlich einsehbar. Hin und wieder kommt aber eine Anfrage von jemand, der mir unbedingt folgen will. Da es nichts zu folgen gibt, lehne ich diese Anfragen allesamt ab. H\u00f6flichkeitshalber schaue ich aber immer nach, wer sich denn da so brennend f\u00fcr mich interessiert.<br \/>\nIm letzten Fall handelte es sich um eine(n) Japaner(in) aus Yokohama. (Der Einfachheit halber nehme ich jetzt einmal an, da\u00df es eine Frau war. Daher:) In ihrem eigenen Gezwitscher \u00e4u\u00dferte sie sich gerade verst\u00f6rt \u00fcber die Tatsache, da\u00df manche Leute die Schriftzeichen \u4ee3\u66ff daikae lesen. Sie selbst hielt daitai f\u00fcr richtig.<\/p>\n<p>Ich finde solche Fragen immer spannend, und daher habe ich mich selbst schlau gemacht. Die Antwort lautet: beides ist richtig (wenngleich es nicht daikae, sondern daigae hei\u00dfen sollte). Oder linguistisch ausgedr\u00fcckt: Daigae ist eine Stabelbox-Lesung f\u00fcr daitai.<br \/>\nMit &#8222;Schachtelbox-Lesung&#8220; gebe ich hier den Ausdruck \u91cd\u7bb1\u8aad\u307f j\u00fbbakoyomi wieder. J\u00fbbako sind bekanntlich kleine Beh\u00e4ltnisse, vornehmlich f\u00fcr Nahrungsmittel, die \u00fcbereinander gestapelt werden k\u00f6nnen. Das linguistisch Interessante an ihnen ist, dass hier eine sinojapanische On-Lesung (j\u00fb) und eine japanische Kun-Lesung (hako) kombiniert werden. Um das nachzumachen, habe ich mir das deutsch-englische Worthybrid &#8222;Stapelbox&#8220; ausgedacht.<\/p>\n<p>Solche Komposita sind nicht wahnsinnig h\u00e4ufig, aber auch wiederum nicht so selten, da\u00df man sie bei angestrengtem Nachdenken nicht finden w\u00fcrde. Einer der h\u00e4ufigsten Kandidaten ist \u4e16\u8ad6 yoron\/seron (&#8222;\u00f6ffentliche Meinung&#8220;), aber das ist ein gleich wieder eine Ausnahme: urspr\u00fcnglich schrieb man es n\u00e4mlich \u8f3f\u8ad6, doch \u8f3f geh\u00f6rt nicht zu den Schul-Schriftzeichen und wurde deshalb durch \u4e16 ausgetauscht. Gleichfalls hiermit nicht zu verwechseln ist das Wort \u91cd\u305d\u3046, das ich neulich als Beschriftung auf einer Flasche in der Toilette fand. Es wird nicht &#8222;omos\u00f4&#8220; gelesen (also &#8222;k\u00f6nnte schwer sein&#8220;) &#8212; sondern j\u00fbs\u00f4, &#8222;Natriumkarbonat&#8220;. Es wird vollst\u00e4ndig \u91cd\u66f9 geschrieben, doch \u66f9 geh\u00f6rt nicht zum Grundschul-Zeichenvorrat, und wer Chemikalien nicht in die falschen H\u00e4nde geraten lassen will, sollte sich schon leicht verst\u00e4ndlich ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Manchmal lohnt es sich eben doch, sich ein bi\u00dfchen damit zu besch\u00e4ftigen, was normalerweise gleich im Spam-Ordner landen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens kann man Spam im hiesigen Supermarkt kaufen. Und zu Weihnachten gab es Willy-Wonka-Schokolade. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich besitze zwar einen Twitter-Account, benutze ihn aber kaum. Au\u00dferdem ist er nicht \u00f6ffentlich einsehbar. Hin und wieder kommt aber eine Anfrage von jemand, der mir unbedingt folgen will. Da es nichts zu folgen gibt, lehne ich diese Anfragen allesamt ab. H\u00f6flichkeitshalber schaue ich aber immer nach, wer sich denn da so brennend f\u00fcr mich interessiert. 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