{"id":1434,"date":"2010-08-15T05:49:18","date_gmt":"2010-08-15T03:49:18","guid":{"rendered":"http:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=1434"},"modified":"2012-04-27T12:07:18","modified_gmt":"2012-04-27T10:07:18","slug":"mit-dem-fahrrad-durch-tokyo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kotoba.japankunde.de\/?p=1434","title":{"rendered":"Mit dem Fahrrad durch Tokyo"},"content":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich bin ich auch fr\u00fcher schon mit dem Fahrrad in Tokyo herumgefahren &#8212; allerdings nie l\u00e4ngere Strecken, immer nur zum Einkaufen oder zum n\u00e4chsten Postamt oder zur Schule. Und nicht besonders regelm\u00e4\u00dfig.<br \/>\nNun hat es sich aber ergeben, da\u00df ich jeden Tag von Kokubunji nach Fuch\u016b pendele, was laut Google rund 7 km je Strecke sind. Das hat nun schon eine andere Qualit\u00e4t, so da\u00df ich endlich davon sprechen kann, &#8222;durch&#8220; Tokyo mit dem Fahrrad zu fahren.<br \/>\nUnd schon lernt man das Land von einer anderen Seite kennen. Autofahren ist ja mangels Gelegenheit zum schnellen Fahren eher eine beschauliche Angelegenheit. Aber Radfahren kann ein Abenteuer sein.<br \/>\nAls erstes bin ich jetzt st\u00e4ndig auf der Suche nach den sch\u00f6nsten Abk\u00fcrzungen. Immer nur die Hauptstra\u00dfen endlangzuradeln ist eben langweilig, oft auch \u00e4sthetisch unbefriedigend (zu laut, zu eng) und zudem gef\u00e4hrlich, sofern es keine halbwegs passablen B\u00fcrgersteige gibt (was die Regel ist). Das bedeutet aber auch, jede Menge Sackgassen zu entdecken und sich dann zu \u00fcberlegen, wie man am elegantesten weiterkommt.<br \/>\nAuf dem Fahrrad benehmen sich Japaner zwar nicht grunds\u00e4tzlich anders als im Leben auf zwei Beinen, aber gewisse Charakterz\u00fcge treten offenbar st\u00e4rker hervor. Die Tendenz zur Kleingruppenbildung z.B., insbesondere von Mittelsch\u00fclern demonstriert, denen es gelingt, zu viert bis zu zw\u00f6lft im Schrittempo ganze Passagen zu blockieren (harmlose Variante) oder, ohne nach links und rechts zu schauen, pl\u00f6tzlich im Rudel bei Rot in eine Kreuzung einzubiegen, die ich gerade queren wollte. Also: Vorsicht vor Mittelsch\u00fclern &#8212; sie radeln selten allein.<br \/>\nSich nicht umzusehen, sondern sorglos vor sich hin zu radeln, noch dazu je nach spontaner Eingebung mal auf der linken, mal auf der rechten Seite des (meist schmalen) B\u00fcrgersteiges &#8212; das charakterisiert dagegen den Einzelfahrer. Durchschnittstempo 5 Stundenkilometer.<br \/>\nRote Ampeln gibt es nicht wirklich. Einem Radfahrer sind keine legalen Hindernisse gesetzt. Es sei denn, man radelt wie ich im Rekordtempo \u00fcber die T\u014dhachi D\u014dro \u6771\u516b\u9053\u8def (eine bemerkenswerte 30 m breite Hauptstra\u00dfe zwischen Kunitachi und Mitaka), die ganz ausgezeichnete kombinierte Rad- und Fu\u00dfwege besitzt (eigentlich sind hier alle B\u00fcrgersteige kombinierte Rad- und Fu\u00dfwege). Todesmutig eine rote Ampel hinter mir lassend, h\u00f6re ich zu meiner \u00dcberraschung hinter mir eine Stimme per Lautsprecher rufen: &#8222;Unterlassen Sie es bitte, bei Rot \u00fcber die Stra\u00dfe zu fahren!&#8220;<br \/>\nIn meiner gesamten, in Japan verbrachten Zeit hatte ich noch nie einen unliebsamen Kontakt mit der hiesigen Polizei. Und ausgerechnet heute, an einem Sonntagvormittag, f\u00e4hrt eine Streife in der schicken hellblauen Uniform der Motorradpolizisten diese Stra\u00dfe entlang &#8230;<br \/>\nLeider f\u00e4llt es mir immer sehr schwer, japanische Lautsprecheransagen simultan zu verstehen. Ich bin also unger\u00fchrt weitergeradelt. Schuldbewu\u00dftsein sollte man ohnehin als Radfahrer nicht zeigen. Der Polizist zog an mir vorbei und warf mir nur einen pr\u00fcfenden Blick zu. Dann war er verschwunden.<br \/>\n\u00dcbrigens gibt es auch im Sommer in Tokyo gelegentlich Regen. Wenn beispielsweise irgendwo ein Taifun vorbeizieht. Dann f\u00fchlt man sich nach einer halbst\u00fcndigen Radelei besonders erfrischt. Immerhin regnet es dabei nicht konstant am selben Ort in immer derselben Intensit\u00e4t, sondern es f\u00e4ngt ganz leicht und harmlos an, wird dann auf halber Strecke ein richtiger Platzregen und ebbt wieder so weit ab, da\u00df meine Leute, die mich pitschna\u00df ankommen sehen, \u00fcberrascht fragen: Ach &#8212; hat&#8217;s geregnet?<br \/>\nJa, sicher, es regnet manchmal. Halb so schlimm, wenn man einen Regenschirm dabei hat. Das habe ich hier inzwischen auch schon gelernt: Wie man mit dem Regenschirm in einer Hand Fahrrad f\u00e4hrt. Durchschnittstempo 10 Stundenkilometer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich bin ich auch fr\u00fcher schon mit dem Fahrrad in Tokyo herumgefahren &#8212; allerdings nie l\u00e4ngere Strecken, immer nur zum Einkaufen oder zum n\u00e4chsten Postamt oder zur Schule. Und nicht besonders regelm\u00e4\u00dfig. Nun hat es sich aber ergeben, da\u00df ich jeden Tag von Kokubunji nach Fuch\u016b pendele, was laut Google rund 7 km je Strecke sind. Das hat nun schon eine andere Qualit\u00e4t, so da\u00df ich endlich davon sprechen kann, &#8222;durch&#8220; Tokyo mit dem Fahrrad zu fahren. Und schon lernt man das Land von einer anderen Seite kennen. 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